Sehr wilde Früchte aus Frankenland

21. Juni 2007, 13:51
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Die Brennerei Ziegler aus Freudenberg am Main hat einen guten Ruf und einen besonderen Schnaps. Beziehungsweise gleich mehrere. Von Vene Maier

Ein bisschen Luxus darf schon sein. Schließlich ist die ganze Region dort in Franken, wo sich der Main so malerisch durch das Tal schlängelt, eine reiche Landschaft und die Gegend rund um Freudenberg erblüht in Wein, Wohlstand und prächtiger Kulinarik. Also darf man für einen Schnaps aus dieser Gegend, zumal einen ganz seltenen, auch mal tief in die Tasche greifen. Insbesondere, wenn es sich dabei um eine Rarität handelt, die jetzt auch schon auf eine beachtliche Tradition verweisen kann.

Wildkirsch Nr. 1

Der Insider – oder der Kenner – weiss jetzt natürlich schon, was kommt: Ah, sagt sich der Insider, der Autor spricht vom Wildkirsch Nr. 1, einer Legende auf dem Gebiet des edlen Brandes. Den hats doch schon gegeben, als bei unszulande ein Quittenschnaps vom Gasser noch als das Nonplusultra in der Schnapsflasche gegolten und satte 150 Schilling gekostet hat. Und schon damals hat man sich an den Kopf greifen wollen, wenn die Rede auf den Preis vom Wildkirsch Nr.1 gekommen ist: Stell dir vor, der Ziegler verlangt für eine Flasche 1500 Schilling!

Und dabei war da noch nicht einmal ein Liter drin. Höchstens ein halber, oder noch weniger. Und heute? Heute kostet der Wildkirsch Nr.1 von der Edelobst-Brennerei Gebr. J. & M. Ziegler ganze 620,–. €, also Euro. Echter Luxus quasi, nur für die Reichen, die das dann in die Welt der Schönen weitergeben.

Teure Raritätenwelt

Jetzt muss man freilich dazu sagen, dass einem, wenn man diese 620,– Euro hinlegt, auch nicht kleinlich eingeschenkt wird. Der Preis versteht sich für die XXL-Flasche, die immerhin drei Liter fasst. In der exclusiven Raritätenwelt wird eine kleine Flasche mit 0,35 Liter auch schon mal um € 269,95 gehandelt, wenn man zB auf den Jahrgang 1959 besteht. Da ist es dann schon echt günstig, wenn der Jäger des Wildkirschschatzes persönlich nach Freudenberg pilgert und dort im großen Stil ab Hof einkauft.

So eine Reise ins Frankenland hat auch darüber hinaus ganz schöne Seiten. Man kann zum Beispiel im Weingut Fürst vorbeifahren, jedem Fürst, der vom deutschen Gault Millau zum Winzer des Jahres 2003 erkoren wurde, und man kann in Klingenberg bei Ingo Holland im „Alten Rentamt“ einkehren und dort den Michelin-Stern erschmecken. Oder man wählt eine der Gelegenheiten, wenn sich die Brennerei Ziegler kulinarisch öffnet und sich von Ingo Holland becatern und von Paul Fürst mit Wein beliefern lässt. Dann ist nämlich auch allerbestens für einen Digestif wie für einen Aperitif gesorgt.

In den besten Händen

Und bei Jürgen Marré ist man, was das betrifft, in den besten Händen. Er ist der Brennmeister, und das schon seit so viel Jahren, dass er all die vielen Facetten und Fallen kennt, die einen guten Schnaps ausmachen und einen anderen ein wenig weniger gut machen. Und weder Marré noch das Management der Brennerei, namentlich Alain Langlois als Geschäftsführer und Barbara Wolf-Sykes als Marketing- und Verkaufsleiterin, haben die Entwicklungen auf dem Gebiet des Edelbrandes verschlafen.

Ganz im Gegenteil. In der Brennerei Ziegler wird erweitert, umgebaut, modernisiert und expandiert was das Zeug hält. Dass genug Kapital für all diese Entwicklungen da ist, hat viel mit der stetig steigenden Qualität der Ziegler-Brände zu tun. Und auch mit der Größe des Marktes in Deutschland, der – trotz vielfältiger Konkurrenz, schließlich sind die Zieglers nur eine von rund 30.000 Brennereien allein in Franken – viel mehr von den gebrannten Wässern aufnimmt als der kleine heimische bei uns. Um sich da aber auch tatsächlich zu behaupten, muss schon so ziemlich alles passen, was einen edlen Brand ausmacht.

Ins Obst wird investiert

Das hat einerseits mit Design und Marketing zu tun, schließlich kauft das Auge mit. Es hat aber vor allem mit Inhalten zu tun, und um hier spür- und schmeckbare Verbesserungen zu erreichen, wurde in neue Brennanlagen ebenso investiert wie in die gesamte Verarbeitungs- und Lagertechnik. Aber ganz wesentlich haben Alain Langlois und Jürgen Marré in jenes Material investiert, aus dem der Schnaps überhaupt erst gemacht wird: In das Obst.

„Wir kommen jedes Jahr näher an das Obst heran“, sagt Barbara Wolf-Sykes, „und nehmen immer mehr Obstbauern unter Vertrag.“ Dass nur aus bestem Obst guter Schnaps gemacht werden kann, ist eine eher simple Erkenntnis, aber in der Praxis dann doch eine schwere Übung. Und nicht einmal in Gegenden, die für den Obstanbau so ideale Bedingungen bieten wie das fränkische Mainland, ist die Qualität und Quantität jedes Jahr gesichert. Schon gar nicht bei so raren Früchten wie Schlehen, Damaszener Pflaumen, Himbeeren oder eben Wildkirschen.

Viel Arbeit für Zapfenpflücker

Und von diesen – den Wildkirschen – Jahr für Jahr so rund hundert Tonnen in 1a-Qualität zu bekommen, ist ein eigener Aktionsplan notwendig und ein spezieller Erntetrupp unter der Anleitung geübter, so genannter Zapfenpflücker im Einsatz, die diese kleinen, widerständigen Früchtchen in die ausgebreiteten Netze schütteln. Aber nicht nur Wildkirschen werden auf diese Art geerntet, denselben Aufwand treiben die „Zapfenplücker“ auch mit anderen Früchten: „ Wildfrüchte wie Wildkirschen, wilde Weichsel, wilde Mirabellen, wilde Quitten, Zibarten (eine wilde Pflaume), Schlehen und Holunder erhalten wir von unseren Zapfenpflückern, die genau die Standorte dieser wild wachsenden Bäume und Sträucher kennen“, sagt Barbara Wolf-Sykes.

Aber was solls? Von der Stirne heiss rinnen muss der Schweiß, dichteten schon deutsche Dichter. Daran halten sich auch die Leute bei Zieglers. Schließlich hat man dort in Freudenberg einen Ruf und eine Tradition zu verteidigen. Und wäre der Wildkirsch Nr. 1 einmal nicht mehr vorhanden, wäre der Ruf von Freudenberg, wenn nicht überhaupt der gute deutsche Ruf (trotz deutscher Dichter) doch stark angeschlagen. Und weil das niemand wirklich will, hoffen wir gemeinsam mit den Elitebrennern aus dem Frankenland auch weiterhin auf eine gute Ernte. (Vene Maier)

Ranking: Best of Ziegler

Link

Edelobstbrennerei J. & M. Ziegler GmbH
Hauptstraße 26
D-97896 Freudenberg
www.brennerei-ziegler.de

  • Alain Langlois, Chef der Brennerei Ziegler
    foto: brennerei ziegler

    Alain Langlois, Chef der Brennerei Ziegler

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