Forschungsreaktor in Seibersdorf abgebaut

30. Oktober 2006, 12:45
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Stilllegung war 1999 nach fast 40 Jahren Betrieb beschlossen worden - Abbau nun vollendet

Wien - Bei den Austrian Research Centers (ARC) in Seibersdorf geht eine Ära zu Ende. 1999 wurde nach fast 40 Jahren Betrieb die Stilllegung des Astra-Forschungsreaktors beschlossen, nun ist der Abbau vollendet. Heute, Freitag, luden die ARC aus Anlass der in Rekordzeit absolvierten Stilllegungs- und Abbauarbeiten zu einer Feier auf das Gelände.

Auf Grund der im wahrsten Sinne des Wortes brisanten Materie war es mit dem Beschluss 1999 noch nicht getan. Nach langwierigen Verhandlungen mit den involvierten Ministerien gelang es 2003, alle in Zusammenhang mit den "radioaktiven Altlasten" verbundenen finanziellen Verpflichtungen vertraglich zu regeln und damit die konventionellen Forschungsbereich des ARC-Konzerns auch für die Zukunft vor finanziellen Belastungen abzusichern.

Ausgliederung

Der Bund als Mehrheitseigentümer der ARC GmbH fasste den Entschluss, die Nuklearen Dienste des Forschungszentrums in eine eigene rechtliche Gesellschaft, die Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH, auszugliedern. Ziel dieser neuen Gesellschaft ist es, eine zentrale Expertise auf den Gebieten der Dekommissionierung kerntechnischer Einrichtungen und der sicheren Entsorgung radioaktiver Abfälle aufrecht zu halten.

Forschungsreaktor im Wiener Prater

Nach der Stilllegung in Seibersdorf und bleibt in Österreich ein Forschungsreaktor in Betrieb. Er ist im Besitz des Atominstituts der österreichischen Universitäten im Wiener Prater. Mit der Anlage werden in erster Linie Neutronen erzeugt. Diese können in vielen Bereichen der Grundlagenforschung, etwa in der Tieftemperaturphysik, der Erforschung der Supraleitung, Neutronen- und Festkörperphysik, aber auch in der Umweltanalytik eingesetzt werden. Der Reaktor hat eine vergleichsweise geringe thermische Leistung, sie entspricht im Durchschnitt der eines Mittelklassewagens.

Bis zum Vorjahr war auch an der Technischen Universität (TU) Graz ein Forschungsreaktor in Betrieb. Die Anlage sei aber mittlerweile still gelegt und abgebaut, hießt es dazu seitens der TU Graz. Alle in Österreich jemals betriebenen Reaktoren dienen bzw. dienten ausschließlich Forschungszwecken, Energie für kommerzielle Zwecke wurde nie erzeugt. (APA)

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    Blick in den Reaktor im Wiener Prater, dem inzwischen einzigen Forschungsreaktor in Österreich (Archivbild vom März 2002)

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