Meister Petz verschwunden

30. Oktober 2006, 14:35
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WWF: Geringe Population ist Besorgnis erregend - in den letzten 15 Jahren sind 14 Bärenjunge spurlos verschwunden

Mariazell - Begegnungen mit Bären sind in heimischen Gefilden äußerst selten. Sieben bis zwölf Braunbären besiedeln Österreichs Alpen. "Diese geringe Population ist Besorgnis erregend", erklärte Beate Striebel vom World Wide Fund For Nature (WWF) im Bärenkerngebiet, der Ötscherregion. Seit 1991 kamen mindestens 30 Junge zur Welt: "14 davon sind allerdings spurlos verschwunden", erklärte Striebel.

Konkrete Informationen zum Schwinden der Bären gibt es nicht. "Eine Abwanderung müsste sich bemerkbar gemacht haben, da vor allem Männchen Schäden bei ihren Wanderungen verursachen", erläuterte die Expertin. Auch natürlichen Tod hält die Artenschutzexpertin wegen der günstigen Nahrungssituation und mangels eindeutiger Funde für eher unwahrscheinlich. Möglicherweise könnten illegale Abschüsse die Ursache sein.

Hoffen auf Vernetzung

Nun hoffen die Tierschützer durch Vernetzung der Lebensräume der Alpen-Bären mit den slowenischen Bären weitere Rückgänge zu verhindern. Ein Projekt der Asfinag, bei dem jährlich der Bau von mindestens einer Grünbrücke als Wildtier-Korridor über Autobahnen sichergestellt werde, soll dazu beitragen.

Nachdem es 1994 eine "Explosion von Bärenschäden" gab, die mit den Abschuss von zwei "Problembären" endete, wurde 1996 ein Bärenmanagement erstellt, um Regeln für den Umgang mit Schad- und Risiko-Tieren zu definieren. Bärenanwälte, eine Eingreiftruppe für schwere Fälle und Grundgesetze - wie etwa die Sicherheit des Menschen als oberste Priorität - sind Bestandteile des Plans. In der Alpenrepublik gibt es derzeit vier so genannte Bärenanwälte, die sich speziell um Schadensbegutachtung und Öffentlichkeitsarbeit kümmern und eng mit der Jägerschaft und Behörden zusammenarbeiten.

Der "Fall Bruno" - offizieller Name JJ1 - in diesem Sommer habe gezeigt, was bei schlechtem Bärenmanagement passiert. "Man darf nicht warten, bis das Tier zum Problembär wird", bekräftigte Bärenanwalt Jörg Rauer vom WWF. "Das Gefährliche an JJ1 war nicht die Tatsache, dass er Schafe gerissen hat, sondern, wo er es gemacht hat", ergänzte dessen Kollege von den Bundesforsten, Walter Wagner.

Röhrenfalle

Für Risikobären ohne Scheu vor Menschen ist die so genannte Röhrenfalle gedacht. Ein verhaltensunauffälliger Bär würde das Gestell gar nicht betreten. Aber einer, der Mülltonnen durchwühlt und in Ställe einbricht, schlüpft nach Angaben der Fachleute auch in die - einer riesigen Eisentonne ähnelnde - Konstruktion, wenn er einen Köder riecht. Der Bär werde zwar durch den ohrenbetäubenden Lärm beim Zufallen der Tür erschreckt, Verletzungsgefahr sei aber ausgeschlossen, versicherten die Bärenanwälte.

Ein "Fang" wird den Anwälten per Funksignal angezeigt. In einem solchen Fall wird der Bär narkotisiert, mit einem Halsbandsender ausgestattet und dann mit viel Lärm und Gummigeschoßen "vergrämt". "Der Bär soll sich das für ewig merken, damit er nie wieder in die Nähe von Menschen kommt. Deshalb muss man ihm gezielt Schmerzen verpassen", erklärte Oberförster Alfred Pfemeter.

Bisher wurde die in den USA und Kanada gängige Fangmethode in Österreich noch nicht eingesetzt. "Zur Zeit haben wir keine besenderten Tiere, da alle Bären brav sind", meinte der Förster. "Es ist auch nicht Sinn und Zweck, jeden Bären mit einem Sender auszustatten, da sie Wildtiere bleiben sollen", stellte Striebel klar.

In den gesamten Alpen leben heute nur noch 50 bis 80 Bären. In Österreich verteilt sich der kleine Bestand auf die Karawanken sowie die Karnischen und Gailtaler Alpen in Kärnten und Osttirol und auf die nördlichen Kalkalpen in der Steiermark, Nieder- und Oberösterreich. Anfang Mai wurde eine Bärin mit drei Jungen gesichtet. (APA)

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