Zahl der "toten Zonen" in den Weltmeeren steigt rasant

30. Oktober 2006, 14:35
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UNEP: Ein Drittel mehr als noch vor zwei Jahren - Bedrohung für die Fischbestände - Korallenriffe erholen sich hingegen

Nairobi/Peking - Die Zahl "toter Zonen" in den Weltmeeren hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen auf etwa 200 erhöht. Dies sei etwa ein Drittel mehr als noch vor zwei Jahren. "Diese Bereiche werden schnell zu einer großen Bedrohung für die Fischbestände und damit für die Menschen, die von der Fischerei leben", sagte der Geschäftsführer des UN-Umweltprogrammes (UNEP), Achim Steiner, am Donnerstag.

"Tote Zonen" entstehen, wenn durch die Verschmutzung des Wassers der Algenwuchs zunimmt und dem Meer dadurch Sauerstoff entzogen wird. Düngemittel, Abwässer, die Verbrennung fossiler Kraftstoffe und andere Verschmutzungen haben in jedem Jahrzehnt seit 1960 zu einer Verdoppelung der unzureichend mit Sauerstoff versorgten Küstengebiete geführt.

"Tote Zonen" wurden zunächst in den nördlichen Breiten an der US-Ostküste und in den skandinavischen Fjorden entdeckt. Heutzutage ist wegen der Verschmutzung durch den Fluss Mississippi der Golf von Mexiko die bekannteste "tote Zone". Sie sind auch vor Südamerika, Portugal, Großbritannien, Ghana, China, Japan, Australien und Neuseeland zu finden.

Auflistung

Die Liste mit allen "toten Zonen" der Erde soll zu Beginn des kommenden Jahres veröffentlicht werden. Auf einer internationalen Konferenz zur Verschmutzung der Meere in Chinas Hauptstadt Peking wurden am Donnerstag aber bereits vorläufige Ergebnisse vorgestellt.

China

Dort wurde auch bekannt, dass die Mündungen der beiden größten Flüsse Chinas von den Vereinten Nationen wegen ihres hohen Verschmutzungsgrades zu "toten Zonen" erklärt worden sind. Experten warnten davor, dass die Verschmutzungen in den Mündungen des Jangtse und des Gelben Flusses zu einer starken Bedrohung für den Fischbestand und die von der Fischerei lebenden Menschen werden könnten, berichtete die staatliche Zeitung "China Daily" am Freitag unter Berufung auf die Studie des UN-Umweltprogramms.

Die chinesischen Küstenregionen seien im Jahr 2005 von 82 Wellen verstärkter Algenblüte betroffen gewesen, berichtete die "China Daily" unter Berufung auf einen Bericht der staatlichen Umweltschutzbehörde. Mehr als 500.000 Tonnen Ammoniak, Stickstoff und Phosphate seien in dem Jahr ins Meer geleitet worden. Im Juni diesen Jahres waren 1.000 Quadratkilometer des Jangtse-Flusses von Algen befallen worden, mehr als zwölf Millionen Fische kamen ums Leben.

Erholte Riffe

Die Teilnehmer der internationalen Konferenz in Peking, die aus über 100 Staaten angereist waren, bekamen aber auch gute Nachrichten von den Wissenschaftern zu hören. Demnach hätten sich die Ende der neunziger Jahre durch hohe Wassertemperaturen geschädigten Korallenriffe zumeist gut erholt. Dennoch erforderten der Klimawandel und der zu erwartende Temperaturanstieg ein schnelles Handeln, sagte Steiner. (Reuters/APA)

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UNEP
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    "Tote Zonen" in den Weltmeeren nehmen zu. Das Archivbild vom August 2004 zeigt an der Küste Orgons (USA) angespülte tote Tiere, eine Folge der sich jährlich vergrößernden "toten Zone" vor der Küste.

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