Wild und gründlich über feministische Demokratiekritik diskutieren

29. Oktober 2006, 18:00
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Die Frauenhetz lädt zur Tagung über Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Mitbestimmung - und feiert ihr 15-jähriges Bestehen

Seit fünfzehn Jahren besteht die Frauenhetz, das selbstorganisierte feministische Bildungsprojekt in Wien, das in der Tradition der Zweiten Frauenbewegung fußt und ehrenamtlich getragen wird. Anlass zu feiern und über feministische Positionen und Auseinandersetzungen zu diskutieren, im Angelpunkt des Demokratieverständnisses: Die Frauenhetz hinterfragt im Rahmen der Tagung "Nachrichten aus Demokratien" vom 26. - 29. Oktober diese politische Organisationsform und ethische Wertvorstellung als seit jeher doppelbödige Angelegenheit für Frauen. Freiheit und Gleichheit waren an Brüderlichkeit geknüpft – davon zeugt der langwierige Kampf um das Frauenwahlrecht – und sind dies auf institutioneller Ebene weitestgehend geblieben.

Die Tagung versammelt Beiträge aus verschiedenstenfeministischen Perspektiven zu akuten Fragen nach Öffentlichkeiten, dem Politischen, nach Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Mitbestimmung. In unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung – die Beiträge sind teilweise in Kooperation mit feministischen und migrantischen Projekten zustande gekommen, weitere Beiträge können vor Ort im Rahmen von "offenen Workshops" platziert werden – soll wild und gründlich gemeinsam nachgedacht, gesprochen und verhandelt werden . Geplant ist eine öffentliche Erklärung feministischer Demokratiekritik am Ende der Tagung.

Positionen >>>

Entwürfe von Recht und Gerechtigkeit sind nationalstaatlich markiert. Demokratie als nunmehr einzig anerkannte Herrschaftsform entwickelt sich darüber hinaus durch eine Tabuisierung ökonomischer Reglements, durch Repräsentationsversprechen und Medialisierung zu einem Scheingebilde, zu einer Redeweise, die das politische Subjekt durch Beschwörung gleichsam aushöhlt. Kapitale Wirtschaft und die Inszenierung eines bedrohlichen Anderen werden als Legitimationen herangezogen, um Würde, Recht und Autonomie zu untergraben. Kaufkraft, Religion und Geschlecht sind Indikatoren eines latenten, fehlende StaatsbürgerInnenrechte eines manifesten Ausschlusses. Was bedeutet dies für ein geschlechterkritisches Denken und Handeln, das sich nicht mit scheinbar partizipativen Arrangements begnügt, aber eine andere Gesellschaftsordnung erreichen will?

Zur Programmübersicht >>>

Donnerstag, 26. Oktober

  • 10.00 Anmeldung, Kaffee und Kuchen
  • 10.30 Eröffnung
  • 11.00 Vortrag: Chantal Mouffe, Professorin für Politische Theorie am Centre for the Study of Democracy der Westminster-Universität London
    Pluralist democracy and agonistic politics (Übersetzung in deutsche Sprache)
    Moderation: Monika Mokre
  • 15.00 - 18.00 Workshops:
    - Die präödipale Gesellschaft: Politik vor der Polis mit Elisabeth von Samsonow, Philosophin und Bildhauerin, Professorin für Philosophie und historische Anthropologie der Kunst an der Akademie der Bildenden Künste, Wien
    - Islam, Medien und Demokratiebewusstsein mit Amina Baghajati, Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Forum muslimische Frauen Österreich und Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen, Wien
    - Stadterneuerungspolitik ist Stadtpolitikerneuerung mit Andrea Günter, Philosophin, Theologin, Freiburg
    - Männerkrieg und Frauenfrieden? mit Rosalia Krenn, Erziehungs- und Kommunikationswissen - schafterin, seit 1991 in der Friedensbewegung organisiert, Arge Wehrdienstverweigerung & Gewaltfreiheit, Wien
    - Demokratisierung und Verwestlichung? mit Susan Zimmermann, Professor of History an der Central European University und vormalige Leiterin des dortigen Gender Studies Department, Budapest
    - Gelernte Ohmacht von Frauen in der Slowakei? Erklärungsansätze und Gegenstrategien mit Jana Cviková, Managerin, Herausgeberin, Redakteurin, Publizistin, Übersetzerin, Pädagogin u. a. im feministischen Bildungs- und Publikationsprojekt Aspekt, Bratislava
    - Queere Politiken - Pluralitäten? mit Gudrun Perko, Philosophin, Berlin/Wien (angefragt)
    - Die österreichische Frauenpartei der 1920er Jahre – und heute? mit Andrea Ellmeier, Historikerin, Lehrbeauftragte an der Universität Wien und der Universität für Musik und Darstellende Kunst
    - Kein Platz für kritisches Denken? Und doch sind wir nicht Mundtot! mit Vertreterinnen der Österreichischen HochschülerInnenschaft
  • 18.00 Austauschtreffen
  • 20.30 Kabarett: Kommt mir spanisch vor - von und mit Marie Thérèse Escribano

    Freitag >>>

    Freitag, 27. Oktober

  • 10.00 - 11.30 Vorträge
    - Demokratie: Volks- und Selbstherrschaft – oder wie? mit Gerburg Treusch-Dieter, Soziologin, Schwerpunkt: Technologisierung des Geschlechterverhältnisses, Berlin; Moderation: Miriam Wischer
    - Nachrichten aus Ökonomie an Demokratie mit Luise Gubitzer, Professorin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der WU Wien; Mitgründerin des Vereines 'Joan Robinson - Verein zur Förderungfrauen - gerechter Verteilung ökonomischen Wissens'; Moderation: Verena Fabris
  • 15.00 - 18.00 Workshops
    - Gender Budgeting als Beitrag zur Demokratisierung der Wirtschaftspolitik? mit Elisabeth Klatzer, Katharina Mader, Anna Obermair, Christa Schlager, Watch Group. Gender und öffentliche Finanzen, Wien
    - Schwarze Frauen zwischen Ein- und Ausschluss mit Belinda Kazeem, Verein Schwarze Frauen Community, Studentin der Internationalen Entwicklung und Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Wien
    - Gender Mainst reaming: Von der Strukturkritik zum Selbstmanagement? mit Tove Soiland, Historikerin, (Dissertation zu Luce Irigaray.) Redaktionsmitglied der Zeitschrift Widerspruch, Zürich
    - Die Demokratie und ihre Ausgrenzungen - MigrantInnen in Österreich mit Vertreterinnen von maiz - Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen, Linz
    - Die feministische Initiative in Schweden – jetzt auch ins Parlament? mit Gudrun Tiberg, Feministische Initiative, Schweden
    - Konsens ist kein Diktat der Mehrheit mit Irene Fleiss, Matriarchatsforscherin, Autorin, Erwachsenenbildnerin, Wien
    - Antisemitismus und feministischer Diskurs mit Susanne Ogris, Psychologin, Pädagogin, zertifizierte Beraterin für Managing Gender and Diversity und Ketajun Dörfler, Historikerin und Psychoanalytikerin i.A.u.S., Schwerpunkt: Antisemitismus und Frauen aus psychoanalytischer Sicht
    - Strategien feministischer Öffentlichkeiten mit Vertreterinnen von den an.schlägen – das feministische Monatsmagazin, Wien
    - Femin istische Psychoanalyse zwischen politischer Theorie und Praxis mit Anita Dietrich-Neunkirchner, Psychologin, Psychoanalytikerin, Lektorin an der Sigmund Freud Universität, Wien
  • 18.30 - 20.00 Plenum

    Samstag und Sonntag >>>

    Samstag, 28. Oktober

  • 10.00 - 13.00 Vorträge
    - Auf dem Weg in eine neue Zivilisation? mit Claudia von Werlhof, Politologin, Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck; Moderation: Andrea Strutzmann
    - Demokratisierung, Dekolonisierung und transnationale Bündnispolitiken mit María do Mar Castro Varela, Politologin, Lehrbeauftragte und freie Wissenschaftlerin, Köln und Nikita Dhawan, Lehrbeauftragte an der Ruhr-Uni-Bochum für Interkulturelle und Indische Philosophie; Moderation: Edith Futscher
  • 10.00 - 13.00 Workshops
    - Selbstbestimmung, Neue Technologien und Geschlechterdemokratie mit Lisbeth N. Trallori, feministische Wissenschafterin und Lehrbeauftragte, Schwerpunkt Körperpolitik/en, Kultur und Techniksoziologie, Wien
    - Zwischen Anpassung und Veränderungsstreben mit Monika Jarosch, Juristin und Politikwissenschafterin, Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, Innsbruck
    - Gruppendynamik und partizipative Prozesse in Organisationen mit Regina Trotz, Psychologin, Psychotherapeutin, Trainerin, Beraterin, Wien
  • 15.00 - 18.00 Podiumsdiskussion: Von der Erdenbürgerin zur Weltbewohnerin mit Beatrice Achaleke (Obfrau Schwarze Frauen Community), Gerda Ambros (Philosophin), Rubia Salgado (maiz/Linz), Birgit Sauer (Politologin), Gudrun Tiberg (Feministische Initiative, Schweden) und voraussichtlich Anneliese Erdemgil-Brandstätter (Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen) sowie Eva Kreisky (Politologin). Und einem freien Sessel. Moderation: Birge Krondorfer
  • Fest - 15 Jahre Frauenhetz in der Szene Wien
    Mit Clara Luzia und Band, Les Reines Prochaines - Fest der Organe und DJ-Line: Queen Claudine (Quote), Shu Shu (Quote)

    Sonntag, 29. Oktober

  • 11.00 Lesung Was sagt mehr über dich: wobei du mitspielst, wogegen du dich wehrst. Barbara Hundegger, freie Schriftstellerin (Innsbruck) und Mitarbeiterin in zahlreichen feministischen Gruppen und Projekten, liest höllen 9
  • 12.00 - 14.00 Abschlussplenum
    Reflexion der Tagung und Erarbeitung einer öffentlichen Erklärung zu feministischer Demokratiekritik. (red)
  • Die Tagung findet zwischen 26. - 29. Oktober 2006 statt.
    Ort: Jugend am Werk, Landstraßer Haupstraße 146/6, 1030 Wien

    Teilnehmerinnenbeiträge
    Der "Normbeitrag" für die Tagung beträgt 68,- Euro, Förderbeiträge ab 88,- Euro, ermäßigter Beitrag nach Selbsteinschätzung (mindestens jedoch 23,- Euro als Verpflegungsbeitrag): ohne Fest/Konzert

    Tagesbetrag: Donnerstag bis Samstag: je 20,- Euro, Sonntag: 10,- Euro; Kabarett Einzelpreis: 10,- Euro; Fest/Konzert Einzelpreis : 14,- Euro(Abendkassa), 12,- Euro (Vorkassa)

    Auf Anfrage wird für Kinderbetreuung vor Ort gesorgt. Bitte bei der Anmeldung bekannt geben, wie viele Kinder welchen Alters. Flüsterübersetzungen in die jeweils gewünschte Sprache versucht frau zu organisieren.

    Anmeldungen unter E-Mail; Kontoverbindung: PSK; Kontonummer: 92 022 807; BLZ: 60000; BIC: OPSKATWW; IBAN: AT26600000009202280723

    Das Fest steigt u.a. mit Les Reines Prochaines am 28. Oktober in der Szene Wien, 1110 Wien, Hauffgasse 26 (U3, 6, 71, 69A, S7)

    Kartenvorverkauf in jeder Bank Austria Creditanstalt
    Club Ticket; Austria Ticket; Wien Ticket

    Links

    Zum ausführlichen Tagungsprogramm samt Inhaltlichem.

    Frauenhetz
    Feministische Bildung, Kultur und Politik

    Untere Weißgerberstr. 41, A-1030 Wien
    Tel/Fax +43-1-715 98 88
    Die Räumlichkeiten sind rollstuhlgerecht.
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