Wurz fiebert 2007 entgegen

25. Oktober 2006, 10:48
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Österreicher glaubt beim finalen WM-Showdown an Fair Play: Mit unfair­en Methoden "würden Fahrer und Teams mehr verlieren als gewinnen"

Sao Paulo - Österreichs derzeit einziger Formel-1-Pilot Alexander Wurz ist überzeugt, dass beim Saisonfinale der Königsklasse am Sonntag in Sao Paulo Fair Play gespielt wird. Der Niederösterreicher kann sich nicht vorstellen, dass etwa Ferrari im allerletzten Rennen von Michael Schumacher versucht, den Titel mit unfairen Mitteln doch noch zu retten. "Damit würden Fahrer und Team mehr verlieren, als sie mit einem WM-Titel gewinnen würden", erklärte Wurz.

"Ein Torpedierungs-Befehl von Ferrari, das würde einfach nicht dazupassen"

Dass der zehn Punkte hinter Weltmeister Fernando Alonso liegende Schumacher nur noch durch die absolute Gunst der Götter seinen achten WM-Titel einfahren kann, ließ zuletzt immer wieder Vermutungen aufkommen, dass der ehrgeizige Deutsche - wie bereits mehrmals demonstriert - bereit ist, notfalls auch zu unfairen Mitteln zu greifen. Wurz ist aber überzeugt, dass das Schnee von gestern ist. Sowohl Renault als auch Ferrari bliebe nichts anderes als Fair Play. "Wie auch immer diese WM ausgeht, sie war extrem spannend. Und am Ende ein Torpedierungs-Befehl von Ferrari, das würde einfach nicht dazupassen", sagte Wurz gegenüber der APA - Austria Presse Agentur.

Schon allein deshalb nicht, weil die Welt den siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher als den erfolgreichsten Fahrer der WM-Geschichte in Erinnerung behalten sollte. "Auch wenn man nicht abstreiten kann, dass Michael nicht ganz unumstritten ist und war. Mit ihm tritt der erfolgreichste Fahrer überhaupt zurück. Wir alle, die Interesse am Sport haben, müssen ihm Respekt zollen, das hat er sich verdient", machte auch Wurz eine Verbeugung vor dem 37-jährigen Deutschen. "Michael hat unzählige Rekorde geholt, so schnell wird es eine solche Dominanz in unserem Sport nicht mehr geben."

Freitagsfahrerdasein vorbei

Mit dem Brasilien-Grand-Prix beendet der frühere Benetton-Pilot Wurz sein jahrelanges Dasein als Test- und Freitagsfahrer bei McLaren-Mercedes und Williams, der 32-Jährige ist nach sechs Jahren mit nur einem GP-Einsatz im kommenden Jahr wieder Einsatzpilot bei Williams. "Testen war super und auch meine Testfahrersitze waren stets hart umkämpft. Aber als Racer in die Saison zu gehen, zählt halt einfach mehr", freut sich Wurz schon darauf, im kommenden März endlich seinen 54. WM-Lauf fahren zu können. "Die Formel 1 ist ein hartes Business mit kaltem Umfeld. Aber das muss man akzeptieren und es ist einfach saugeil, wieder Rennen zu fahren."

Wurz hofft, dass sein Williams-Team mit dem neuen Toyota- statt dem bisherigen Cosworth-Motor 2007 besser abschneidet als heuer. Denn das derzeit mit Nico Rosberg und dem zu Red Bull Racing wechselnden Australier Mark Webber fahrende Traditionsteam aus England ist nach starkem Saisonbeginn ebenso stark zurückgefallen, steht als derzeit Achter in der Konstrukteurswertung vor der erfolglosesten WM-Saison der Geschichte. "Man muss ganz klar sagen, dass die Saison nicht zufriedenstellend war", gab Wurz auch zu. "Grund war aber die Standfestigkeit und nicht der Speed."

Zufriedenstellende Tests

Zufriedenstellend waren dafür die jüngst simulierten zwei Renndistanzen mit dem neuen Getriebe und den Toyota-Motoren. "Beide verliefen ohne ein Problem. Das war einfach stark", so Wurz.

Der Österreicher hat seine Zweifel, ob die für 2007 beschlossenen Reglementänderungen und Sparmaßnahmen viel bringen. "Ich würde eher ein stabiles Reglement begrüßen und dass sich die Kontrollbehörde auf die Kontrolle beschränkt und nicht auf die verstreute Bandbreite zwischen Marketing und Sportpolitik Einfluss nimmt." Sparen sei in der Formel 1 sowieso nicht möglich. "Die Teams werden immer das selbe Geld ausgeben, egal wieviel beschnitten und reglementiert wird. Das ergibt sich ganz natürlich aus den Werbeeinnahmen, die die Formel 1 aufgrund des Werbegegenwertes erzielt."

Die Testbeschränkungen haben wie für alle F1-Piloten auch für den zweifachen Familienvater Wurz etwas Positives. Er wird nach dem GP mit seiner Familie - Frau Julia und den beiden Söhnen Felix und Charlie - in Brasilien bleiben und bei einem Kitesurf-Urlaub die Batterien aufladen. Und es bleibt auch Zeit für die Geschäfte abseits der Formel 1, denn Wurz jr. hat zuletzt auch viel Zeit und Kapital in ein gemeinsames Projekt mit seinem Vater Franz gesteckt. Das Projekt "Test & Training International" wird am 13. November im Fahrsicherheits-Zentrum in Teesdorf präsentiert. Wurz: "Bis dahin werde ich durch die brasilianischen Wellen zischen und meiner Frau das Frühstück täglich ans Bett bringen." (APA)

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    Für Wurz beginnt eine neue Ära.

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