Asfinag dementiert Teilverkauf

17. November 2006, 15:22
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Die staatliche Auto­bahngesellschaft weist Gerüchte, dass hinter den Kulissen bereits Pläne zur Teil-Privatisie­rung bestünden, zurück

Wien - Die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag hat Gerüchte über einen Teilverkauf des Unternehmens dementiert. Zuständig für die Frage einer Teilprivatisierung sei grundsätzlich der Eigentümer, in diesem Fall der Verkehrsminister als Volksvertreter. Im Unternehmen wisse aber niemand von einem solchen Vorhaben, sagte Asfinag-Vorstand Christian Trattner am Freitag. Der "Kurier" hatte zuvor in seiner Freitagausgabe berichtet, dass hinter den Kulissen bereits Pläne zur Teilprivatisierung der Asfinag bestehen würden.

Laut Zeitungsbericht könnten sich etwa große heimische Baukonzerne wie Strabag oder Porr am Autobahnbetreiber beteiligen. Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner soll demnach bereits entsprechende Wünsche geäußert haben. Die Überlegungen reichten dabei bis zur Gründung gemeinsamer Tochterfirmen, die im osteuropäischen Ausland als Autobahn-Betreiber auftreten sollen.

Klare Absage der Strabag

Von der Strabag selbst kommt aber eine klare Absage. "Dazu gibt es absolut keine Überlegungen", versicherte Strabag-Sprecher Christian Ebner. Grund für die ablehnende Haltung nannte er keinen, in Branchenkreisen gilt aber der Schuldenstand der Asfinag als großer Hemmschuh. Derzeit haften die Österreicher für rund 10 Mrd. Asfinag-Schulden, Tendenz stark steigend. Zum Vergleich: Die Strabag als größter heimischer Baukonzern hatte 2005 knapp 10 Mrd. Euro umgesetzt. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich die Kosten für den Autobahnausbau gegenüber dem Generalverkehrsplan aus dem Jahr 2002 verdreifacht haben.

Wunsch nach Selbstständigkeit

Zusätzlichen Stoff für die Spekulationen über den künftigen Eigentümer der Asfinag lieferten zuletzt Aussagen von Asfinag-Vorstand Franz Lückler. Dieser hatte am Mittwochabend in einem Hintergrundgespräch vor Journalisten erklärt, die Asfinag wünsche sich "mehr betriebswirtschaftliche Selbstständigkeit". Dabei deutete er an, dass die Autobahngesellschaft in Zukunft womöglich ohne die Staatshaftung für neue Schulden auskommen oder dem Bund zumindest etwas für die Haftung bezahlen könnte. Damit dies möglich wird, will die Autobahngesellschaft ihre Eigenkapitalquote von derzeit 6,8 Prozent mittelfristig auf 15 bis 20 Prozent gesteigern.

Vorstandskollege Trattner stritt am Freitag allerdings jeden Zusammenhang mit einem möglichen Teilverkauf ab. "Wenn ein Management effizient wirtschaften möchte, sollte man nicht immer gleich an Privatisierung denken", sagte er.

"Single A"-Schuldner

Derzeit hat die Asfinag dank der Bundeshaftung trotz der niedrigen Eigenkapitalquote die höchste Bonität als Kreditnehmer. Bonitätsrating-Agenturen stufen sie mit einem so genannte Triple A ein. Ziel der Autobahngesellschaft ist es, auch nach einem Wegfall der Staatshaftung - wie auch andere europäische Infrastruktur-Unternehmen - in Zukunft als "Single A"-Schuldner eingestuft zu werden. Die Zinsen für neue Kredite würden dann nur etwas teurer ausfallen. Die Rede ist von einem Aufschlag von 0,75 Prozentpunkten. Ihre letzte Milliarden-Anleihe hat die Asfinag mit eine Zinssatz von 3 1/8 Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren begeben.

Wo das Geld für die notwendige Eigenkapitalaufstockung herkommen soll, ließ der Asfinag-Vorstand zuletzt offen. Ein einmaliger Eigenkapital-Zuschuss sei ebenso reine Entscheidung des öffentlichen Eigentümers wie die Einführung einer Pkw-Maut, eine Anhebung der Vignetten-Gebühren oder eine Verbesserung der Bilanz rein durch Kosteneinsparungen - was dann wohl etwas länger dauern würde, so das Management. (APA)

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Asfinag
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    foto: asfinag
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