Acht Zivilisten nach Arbeit auf US-Stützpunkt erschossen

25. Oktober 2006, 22:26
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Paris erwägt Abzug von 200 Elitesoldaten - Taliban-Führer Mullah Omar droht mit weiteren Anschlägen

Washington/Kabul - Acht afghanische Zivilbeschäftigte eines US-Stützpunkts im Osten des Landes sind auf dem Heimweg überfallen und erschossen worden. Nach Polizeiangaben wurden die Afghanen auf dem Heimweg von der Arbeit überfallen und wie bei einer Hinrichtung gezielt erschossen.

Fünf Taliban-Kämpfer starben bei einem Luftangriff der Internationalen Schutztruppe ISAF in der südostafghanischen Provinz Paktika. Die NATO-geführte ISAF teilte am Freitag mit, Zivilisten, afghanische Soldaten und ISAF-Truppen seien bei dem Bombardement am Donnerstag nicht zu Schaden gekommen.

Razzia in Khost

Auf der Suche nach einer Bombenwerkstatt stürmten amerikanische und afghanische Soldaten am Freitag in der Früh ein Gebäude in der Provinz Khost. Ein mutmaßlicher Extremist wurde nach Militärangaben getötet, weil er seine Waffe auf die Soldaten richtete. In dem Dorf Bodakhel seien Sprengstoff und Zündschnüre gefunden worden. In der nahe gelegenen Region Ismailkheil sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einer afghanischen Militärpatrouille in die Luft. Fünf Soldaten und drei Zivilpersonen wurden verwundet.

Taliban-Führer droht mit weiteren Anschlägen

Der flüchtige Taliban-Führer Mullah Omar hat mit einer Ausweitung der Anschläge gegen ausländische Soldaten in Afghanistan gedroht. In einem E-Mail an die Nachrichtenagentur AP hieß es am Freitag, die Taliban würden ihre Angriffe deutlich verstärken. Die NATO forderte Omar auf, das Land umgehend zu verlassen.

Omar werde die Taliban auffordern, ihre Anschläge gegen die ausländischen und afghanischen Truppen zu verstärken, hieß es in der E-Mail. Dabei sollten unschuldige Zivilpersonen und Kinder verschont bleiben. Die Demokratie sei in Afghanistan ebenso gescheitert wie die Regierung von Präsident Hamid Karzai. Das Schreiben wurde von einem mutmaßlichen Taliban-Sprecher an die AP weitergeleitet.

Frankreich könnte Sondereinheit bald abziehen

Frankreich will seine Sondereinheit in Afghanistan womöglich schon bald abziehen. Bei einem Besuch in Washington erklärte Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie am Donnerstagabend, die Ausweitung des NATO-Einsatzes sei eine gute Gelegenheit, um den Verbleib der rund 200 französischen Elitesoldaten auf den Prüfstand zu stellen.

Französische Medien hatten schon am Wochenende berichtet, die Sondereinheit solle bis Anfang 2007 zurückgezogen werden. Die Elitesoldaten sind im Südosten Afghanistans im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Kaida im Einsatz. Frankreich ist außerdem mit 1.700 Soldaten an der NATO-geführten ISAF-Mission beteiligt.

Die niederländische Regierung beschloss, den Einsatz von 130 Soldaten in Afghanistan zu verlängern. Sie sollen die niederländischen Truppen in der südlichen Provinz Uruzgan verstärken.

Deutschland hält an Anti-Terror-Einsatz fest

Trotz der Vorwürfe des früheren Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz plant die deutsche Bundesregierung keine Einschränkungen für ihre Soldaten im Antiterrorkampf in Afghanistan. Das Mandat für die Teilnahme an der von den USA geführten "Operation Enduring Freedom" werde das Kabinett am kommenden Mittwoch beschließen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag. Die Bundesregierung halte an dem Einsatz fest. Die Teilnahme der Elitetruppe KSK sei bündnispolitisch bedeutsam.

Foltervorwürfe

Kurnaz hatte gegen deutsche Soldaten - vermutlich Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr - Foltervorwürfe erhoben. Dafür ergaben sich allerdings bei den bisherigen Untersuchungen keine Anhaltspunkte. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt werden. Der Verteidigungsausschuss wandelte sich zu diesem Zweck in einen Untersuchungsausschuss um, der auch das Recht zu Zeugenbefragungen hat.(APA/AP/Reuters/dpa)

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    Afghanische Soldaten präsentieren Kriegsgefangewe

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