Mahdi-Miliz erobert irakische Stadt Amara

24. Oktober 2006, 15:08
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Widerstand gegen die Sicherheitskräfte - Laut UNO mehr als 900.000 Flüchtlinge seit Kriegsbeginn

Bagdad - Im offenen Widerstand gegen die Regierung in Bagdad hat die schiitische Mahdi-Miliz am Freitag die Herrschaft in der südirakischen Stadt Amara übernommen. Anhänger des radikalen Predigers Muktada al-Sadr stürmten am Morgen nach Augenzeugenberichten drei Polizeistationen und zündeten Sprengsätze, die die Gebäude in Schutt und Asche legten.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki entsandte eine Delegation aus ranghohen Beamten des Innenministeriums nach Amara. Diese traf einem Sprecher zufolge am Nachmittag am Stadtrand ein. Sicherheitsminister Shirwan al-Waeni beschrieb die Lage als ernst, widersprach aber Berichten, dass Amara von den Rebellen eingenommen worden sei. Bei den Kämpfen um Amara kamen am Freitag in der Früh mindestens 25 Milizionäre und Polizisten ums Leben, wie die britischen Streitkräfte mitteilten.

Irakische Soldaten und Polizisten bezogen nach britischen Militärangaben rund um Amara Stellung, um die Stadt mit 750.000 Einwohnern zurückzuerobern. Die gut 300 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegenen Stadt am Tigris stand bis August unter der Aufsicht britischer Verbände, bevor die Kontrolle an die irakischen Sicherheitskräfte abgegeben wurde.

In den Straßen von Amara patrouillierten am Freitag rund 800 schwarz gekleidete Milizionäre mit Kalaschnikow-Gewehren in Polizeifahrzeugen, wie Augenzeugen berichteten. Straßensperren wurden errichtet, die Einwohner wurden über Lautsprecher aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Später zogen sich die Milizionäre wieder von den Straßen zurück. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sprach von einer einstweiligen Feuerpause, doch bleibe die Lage gespannt.

Auslöser der Kämpfe war ein Mordanschlag vom Mittwoch auf den Chef des polizeilichen Geheimdienstes der Provinz Maisan, deren Hauptstadt Amara ist. Kassim al Tamimi gehörte zur schiitischen Badr-Brigade, die mit den Anhängern Al Sadrs verfeindet ist. Angehörige des Getöteten entführten zur Vergeltung den Bruder des örtlichen Kommandeurs der Mahdi-Miliz, die sie für die Tat verantwortlich machten. Am Donnerstag griffen deren Kämpfer deswegen die Polizeizentrale in Amara an.

Bei einem erneuten Ausbruch von Gewalt zwischen Religionsgruppen im Irak wurden bei Angriffen in der Stadt Balad neun Menschen getötet. Wie die Polizei mitteilte, schlugen am Vortag 15 Granaten in der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt ein. In vier Städten in der Provinz Anbar marschierten bewaffnete sunnitische Aufständische zu Paraden auf. Augenzeugen zufolge gab es keine Zwischenfälle.

US-Präsident George W. Bush sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP, er werde in den nächsten Tagen mit führenden Militärs über eine eventuelle Taktik-Änderung beraten, um die Gewalt im Irak in den Griff zu bekommen. Geplant seien Gespräche mit dem Befehlshaber des US-Oberkommandos Mitte, General John Abizaid, und dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General George Casey. Bush werde aber nicht generell seine Irak-Politik ändern, betonte sein Sprecher Tony Snow. Seit Anfang Oktober wurden im Irak mehr als 70 US-Soldaten getötet. Am Freitag teilte die US-Armee mit, dass am Vortag in der Provinz Anbar ein amerikanischer Soldat von Aufständischen getötet wurde.

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die anhaltende Gewalt im Irak seit Beginn des Krieges im März 2003 fast 915.000 Iraker in die Flucht getrieben. Etwa 755.000 seien aus ihren Wohnorten in andere Landesteile geflohen, die übrigen hätten den Irak ganz verlassen. Weit über 300.000 Menschen seien allein seit Beginn der neuen Gewaltwelle Anfang des Jahres zu Flüchtlingen geworden, erklärte das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR am Freitag in Genf. Mindestens 40.000 Iraker strömten derzeit jeden Monat nach Syrien. Die meisten Menschen haben laut dem UNHCR die Gebiete um die Hauptstadt Bagdad verlassen. (APA/AP/Reuters)

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