Hilfe auf Knopfdruck kostet viele Millionen

23. Oktober 2006, 11:11
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Ein Knopfdruck, und man kann mit jedem Kollegen sprechen? Nicht bei den Blaulichtorganisationen: Unterschiedliche Funkstandards verhindern das

Leogang - Franz Lang, stellvertretender Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, ist von der Notwendigkeit der digitalen Technik überzeugt, wie er bei den Österreichischen Sicherheitstagen im Salzburger Ort Leogang deutlich macht. Beim Brand des Tauerntunnels 1998 gab es sogar innerhalb der Feuerwehr Schwierigkeiten im Funkverkehr - die Kräfte am Nord- und am Südportal konnten sich aufgrund unterschiedlicher Standards kaum verständigen. Und nach den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn stellte man mit Entsetzen fest, dass unter Tag nur die U-Bahn-Polizei einwandfrei funken konnte.

Ein herkömmliches Mobilfunknetz kommt für die Blaulichtorganisationen aber nicht infrage, wie Lang meint: Nach einem außergewöhnlichen Ereignis dauere es acht bis zwölf Minuten, bis das System überlastet sei - sich die Retter nicht mehr verständigen könnten. Und das, obwohl die ersten 30 Minuten für das Überleben der Opfer am wichtigsten sind.

Teuer

133 Millionen Euro werden also bis 2009 investiert, um österreichweit das Tetra-System durch eine private Firma (zwei Drittel der Anteile gehören Motorola, ein Drittel Alcatel) errichten zu lassen. In Tirol und Wien ist es implementiert, die Erfahrungen beim Besuch des US-Präsidenten seien positiv gewesen, beteuern Lang und Bernhard Krumpel von der Errichterfirma Tetron.

Über die laufenden Kosten wird dagegen nicht so gerne gesprochen. Die beteiligten Bundesländer (derzeit Tirol, Wien, Niederösterreich und die Steiermark) werden bis 2034 für den Erhalt der Sende-infrastruktur aufkommen. Die Funkgeräte selbst kosten rund 700 Euro das Stück. Exakte Betriebskosten verrät Krumpel nicht. Nur dass sein Unternehmen erst "sehr, sehr spät" beginnen werde, Geld zu verdienen.

Vergleich macht sicher

Was Siemens, übrigens einer der Hauptsponsoren der Sicherheitstage, funktechnisch gar nicht mehr kann. Denn das Vorläuferprojekt Adonis, an dem Siemens beteiligt war, endete in einem Streit mit dem Innenministerium, der schließlich vor Gericht führte. Erst vor Kurzem konnte man sich auf einen außergerichtlichen Vergleich einigen. Die Klagssumme lag bei 180 Millionen Euro, die Republik Österreich muss nun zehn Prozent davon zahlen. Man sei "günstig davongekommen", meint Lang. Die Freude ist sozusagen beiderseits: Auch Siemens kann mit dem außergerichtlichen Vergleich "sehr gut leben", wie Pressesprecher Harald Stockbauer sagt.

Den vom Wiener Branddirektor Franz Perner eingebrachten Vorwurf, ein einheitliches System sei im Krisenfall gefährdeter als mehrere unterschiedliche, lassen Lang und Krumpel übrigens nicht gelten. Im Endausbau gäbe es sechs Knotenpunkte in Österreich, von denen jeder die Aufgaben des anderen erfüllen könne. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 20.10.2006)

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