Italien für Nichtschwimmer

27. Oktober 2006, 13:19
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Umbrien hat zwar keinen Zugang zum Meer, verfügt dafür aber über ein hohes Maß an Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel im "Museumstal" am Tiber

Es liegt etwas in der Luft: jener eigentümliche, aber nicht unangenehme Geruch, der einem auch beim Betreten einer gut sortierten Trafik in die Nase steigt - Tabakduft. Und tatsächlich diente der Komplex von Industriehallen in der umbrischen Kleinstadt Città di Castello einst dazu, Tabakblätter zu trocknen. Seit 1990 allerdings beherbergen die Räume den zweiten Teil der "Collezione Burri", einer Sammlung der Werke des zeitgenössischen italienischen Künstlers Alberto Burri. Dieser, geboren 1915 in Città di Castello, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des abstrakten Expressionismus.

Die "Ex Seccatoi del Tabacco", die ehemaligen Tabaktrockenanlagen, bilden den idealen Rahmen für die malerischen Zyklen und Skulpturen, die der Künstler in den 1980er- und 1990er-Jahren schuf und schließlich seiner Heimatstadt vermachte. Mit einer Fläche von 7500 Quadratmetern und einer Höhe von fünfzehn Metern sind die schwarz gestrichenen Gebäude selbst eine Art gigantische Skulptur. Hier können die oft riesigen Bilder Burris ihre volle Wirkung entfalten. Die museal genutzte Industriearchitektur ist Teil des modernen Gesichts des nur 40.000 Einwohner zählenden Städtchens Città di Castello, das im "Alta Valle del Tevere", dem oberen Tibertal, im Nordwesten Umbriens liegt, einem Gebiet, das unmittelbar an die Toskana grenzt.

Es ist Anfang Oktober, und Umbrien präsentiert sich in satten Grüntönen, in die sich hier und da schon Vorboten des Herbstes mischen. Im Osten ist der Gebirgszug des Apennin im Morgendunst zu sehen. Die Landschaft ist sanft gewellt, hügelig bis gebirgig und erinnert entfernt an die "Bucklige Welt". Die dichten Wälder werden von einem Mosaik aus Feldern unterbrochen; Getreide, Wein, Sonnenblumen und die kostbare weiße Trüffel gedeihen hier. Auffällig sind die Felder mit einem eigenartigen, langblättrigen Grünzeug, dem Tabak. Dieser wurde 1575 in San Giustino eingeführt und konzentriert sich heute auf die Ebene um Città di Castello.

Seine Fruchtbarkeit jedenfalls verdankt Umbrien dem Tiber, der am Monte Fumaiolo entspringt, kurz durch die Toskana fließt und sich durch die gesamte Region schlängelt. Sie ist übrigens die einzige in Italien, die keinen Zugang zum Meer besitzt - ein Mangel, der durch ein hohes Maß an kulturellen Sehenswürdigkeiten wettgemacht wird. Nicht umsonst wird das obere Tibertal auch "Valle Museo", Museumstal, genannt. Man findet hier mittelalterliche Städte wie Montone, Citerna, Pietralunga.

Città di Castello, eine alte, umbrische Siedlung, die der Unterwerfung durch die Etrusker entgangen ist, war einst die wichtigste und am dichtesten bevölkerte Stadt des oberen Tibertals. Im Mittelalter war sie eine freie Kommune, die so mächtig war, dass sie ihre Herrschaft auf die Gebiete jenseits des Apennins ausdehnen konnte. Palazzi, Kirchen, Klöster, eine Kathedrale und Türme sind Zeugen dieser einstmaligen Macht.

Noch heute spielt sich das gesellschaftliche Leben innerhalb der historischen Stadtmauern ab. Hier auf der Piazza Matteotti, dem Herz Città di Castellos, Treffpunkt aller Straßen, die durch die vier Stadttore hereinführen, versammeln sich die "Tifernati", wie sich die Einheimischen nach dem alten römischen Namen ihrer Stadt, "Tifernum Tiberinum", nennen, abends auf einen Espresso in den zahlreichen Cafés und zum Plaudern auf dem Platz. (Markus Böhm/Der Standard/Rondo/20.10.2006)

Anreise: Die Alitalia fliegt Perugia
vom Flughafen Wien via Mailand an.
Unterkunft: Hotel Tiferno, Hotel Garden
Allgemeine Infos: ENIT, Kärntner Ring 4, Tel.: (01) 5051639
oder Bella Umbria
  • Die mittelalterliche Stadt Città die Castello.
    foto: www.bellaumbria.net

    Die mittelalterliche Stadt Città die Castello.

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