Europas erster polarer Wettersatellit ist gestartet

30. Oktober 2006, 12:51
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Metop soll Wetter- und Klimainformationen in bisher unbekannter Genauigkeit liefern - Lebensdauer ist auf fünf Jahre veranschlagt

Baikonur/Darmstadt - Nach einer Serie von Pannen war es am Donnerstag Abend so weit: Der neue europäische Wettersatellit Metop wurde im siebenten Anlauf ins All geschossen. Meteop A wurde pünktlich um 18.28 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Der über vier Tonnen schwere und mehr als sechs Meter hohe Satellit wurde an Bord einer Soyuz-Rakete in eine etwas mehr als 800 Kilometer hohe Umlaufbahn befördert.

2,4 Mrd. Euro

An Metop - Gesamtkosten für die drei Satelliten: 2,4 Mrd. Euro - gibt es eine starke österreichische Beteiligung: Das Weltraumunternehmen Austrian Aerospace hat für drei Instrumente an Bord des Satelliten die digitale Signalverarbeitung entwickelt und gebaut und zeichnet darüber hinaus für die Thermalisolation und das Boden-Equipment des Satelliten verantwortlich. Der Gesamtauftragswert für das Unternehmen liegt bei 20 Mio. Euro.

Ein wesentliches Instrument auf Metop ist IASI (Infrared Atmospheric Sounding Interferometer), ein neuartiges hochauflösendes Infrarot-Spektrometer, das Temperatur und Feuchtigkeit sowie die chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre in verschiedenen Höhen in noch nie da gewesener Auflösung und Genauigkeit messen kann.

Elektronisches Gehirn

Austrian Aerospace entwickelte und lieferte in Kooperation mit der Mutterfirma Saab Ericsson Space das "elektronische Gehirn" des Instruments, das digitale Datenverarbeitungs-Subsystem und zwar sowohl die Hard- als auch die Software. Dieses extrahiert und komprimiert die nützlichen Informationen aus der Flut der aufgenommenen Messdaten, bevor diese zur Erde gesendet werden (von 45 MBit auf 1,5 MBit pro Sekunde). Der Anteil der österreichischen Weltraumfirma allein an diesem Instrument beträgt acht Mio. Euro.

Ein Startversuch am vergangenen Dienstag war wenige Sekunden vor dem Abheben wegen eines softwarebedingten Fehlalarms gestoppt worden. Auch der nächste Starttermin am Mittwoch musste wegen starker Höhenwinde verschoben werden - die sechste Verschiebung in Folge. Nach den Worten des Vizepräsidenten von Arianespace, Francois Maroquene, sind solche Winde über Baikonur sehr selten.

Schon im Juli

Ursprünglich sollte Metop A schon im Juli in seine Umlaufbahn geschossen werden. Der jetzt erfolgreiche Start wurde im Raumfahrtkontrollzentrum mit Applaus begrüßt. "Jetzt können wir erst einmal alle etwas aufatmen", sagte EUMETSAT-Sprecherin Livia Briese. Der Vollbetrieb des Satelliten setzt erst nach einem Zeitraum zwischen zwei und sechs Monaten ein.

Metop A unterscheidet sich in seiner über die Pole führenden Bahn stark von vielen der bisher üblichen Wettersatelliten, die sich im so genannten geostationären Umlauf in rund 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator befinden und von der Erde aus gesehen immer an der gleichen Stelle stehen. Der neue Wetterbeobachter ist sehr viel näher an der Erde und kann daher sehr viel präzisere Aufnahmen machen. Vor allem aber wird er auch die Gebiete um die Pole exakt erfassen, was geostationäre Satelliten nicht können.

Genaue Daten

Tatsächlich erwarten die Wissenschafter beim europäischen Wettersatellitenbetreiber EUMETSAT in Darmstadt von Metop Daten von bisher unerreichter Genauigkeit. Seine Bahn über die Pole führt den Satelliten innerhalb von 110 Minuten einmal um den Globus, also 13 Mal am Tag. Nach fünf Tagen haben die Messinstrumente von Metop die komplette Erdoberfläche erkundet.

An Bord des sechseinhalb Meter hohen Geräts befinden sich europäische und US-amerikanische Instrumente. Außer den eigentlichen Wetterdaten wie Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, Wolkenbildung und Windströmungen können sie auch die Konzentration von Ozon, Methan und anderen Spurengasen in der Atmosphäre und die Intensität des Strahlungsgürtels um den Planeten bestimmen. Zudem kann Metop Notrufe von Flugzeugen und Schiffen aufnehmen und weiterleiten.

Ergänzende Daten

Ein amerikanischer Satellit gleicher Bauart und fast gleicher Umlaufbahn liefert zeitversetzt ergänzende Daten. Die Daten beider Satelliten werden gemeinsam von europäischen und amerikanischen Wissenschaftern genutzt.

Die Lebensdauer von Metop A ist auf fünf Jahre veranschlagt. Danach sollen im Abstand von jeweils fünf Jahren noch zwei weitere mehr oder weniger baugleiche Satelliten folgen, Metop B und Metop C.

Die beim Start über 300 Tonnen schwere Sojus-Rakte stellte am Donnerstag gleichzeitig einen neuen Weltrekord auf. Mit 1.714 erfolgreichen Flügen hat sie mehr Einsätze absolviert als jede andere Trägerrakete zuvor. (APA)

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    Nach mehreren Startverschiebungen klappte es Donnerstag Abend endlich: Metop wurde ins All geschossen.

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