Wer Wind sät, wird Strom ernten

5. Jänner 2007, 11:12
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Was im Burgenland Segler und Surfer an den Neusiedler See lockt, wird auch zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Stromerzeugung genutzt

Das Nordburgenland und die norddeutsche Küste haben etwas gemeinsam: Es weht fast ständig ein kräftiger Wind. Tatsächlich entsprechen Windstärke und Windtage in Teilen Ostösterreichs jenen an der Nordseeküste. Was vor allem Segler und Surfer an den Neusiedler See lockt, wird seit einigen Jahren auch zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Stromerzeugung genutzt. "Wir haben hier keine hohen Berge und keine großen Flüsse", beschreibt Hans Lukits, Vorstand des burgenländischen Energieerzeugers Bewag, die Lage. "Mit dem Ausbau der Windenergie bot sich eine Jahrhundertchance."

Und so drehen sich heute insgesamt 138 Windräder im Nordburgenland, welche zusammen eine Nennleistung von 242 Megawatt bringen. Damit erzeugt Austrian Wind Power (AWP), eine Tochter der Bewag, über 500 Kilowattstunden Windstrom jährlich. Zwei Drittel des gesamten burgenländischen Stromverbrauchs können damit gedeckt werden.

Erste Berechnungen Anfang der Achtzigerjahre ergaben erste Berechnungen, dass jährlich etwa 6600 bis 10000 Gigawattstunden technisch nutzbaren Windenergiepotenzials in Österreich zur Verfügung stehen. Auch wenn nur ein Teil davon wirtschaftlich nutzbar ist, zeigt dieser Sektor in den letzten Jahren eine positive Entwicklung. Gegenwärtig rotieren in Österreich die Flügel von 607 Windrädern mit einer Gesamtleistung von 965 Megawatt, die 550000 oder 17,5 Prozent aller österreichischen Haushalte mit Strom aus sich ständig erneuernder Windkraft versorgen. Das 2002 beschlossene Ökostromgesetz verhalf der Windkraftnutzung schließlich zum Durchbruch. In nur dreieinhalb Jahren, bis Mitte 2006, konnte die damals in Österreich installierte Windkraftnutzung von 139 Megawatt versiebenfacht werden.

"Die besten Winderträge hat man im Osten", erklärt Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft, der Interessenvertretung für Windenergiebetreiber. "Auf den Bergen gibt es zu viele Turbulenzen, was die Wartung sehr aufwändig und teuer macht." Deshalb stehen mehr als die Hälfte aller Anlagen in Niederösterreich – zusammen mit dem Burgenland befinden sich über neunzig Prozent in Ostösterreich.

Soziale Akzeptanz

Der Erfolg neuer Anlagen hängt vor allem von der sozialen Akzeptanz ab. Daher wurde in Österreich das Modell der Errichtung mit Bürgerbeteiligung, durch so genannte Betreibergemeinschaften, entwickelt. Das heißt, Interessierte können sich rechtlich und finanziell am Bau einer Windkraftanlage und am Gewinn aus den Einspeisevergütungen beteiligen. Dieses Modell sei es auch, meint Hantsch, das im Ausland Anerkennung findet. Die Unido hatte ihn deshalb Ende September nach Montevideo zum Treffen aller lateinamerikanischen Energieminister eingeladen, um das österreichische Modell zu präsentieren.

Aber auch in der Heimat hat die Windenergie ein gutes Image: Einer aktuellen Umfrage der IG Windkraft zufolge stimmen achtzig Prozent der Österreicher einem weiteren Ausbau der Windenergie zu. (max, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2006)

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    foto: standard/ritter
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