Wind in der Steckdose

5. Jänner 2007, 11:12
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Der Energieverbrauch wird trotz verstärkter Sparanstrengungen weiter kräftig steigen. Wind, Biomasse & Co werden verstärkt zum Strommix beitragen

Die vergangenen Jahre waren Boomjahre für Ökostrom in Österreich. Insbesondere die Stromernte mittels Windrädern fiel Jahr für Jahr üppiger aus. Attraktive Fördermittel haben auch angestammte Stromversorger wie EVN und Bewag bewogen, in das Geschäft mit Grünstrom einzusteigen.

Mitte 2006 waren in Österreich schon mehr als 600 Windräder am Netz. Zusammengezählt kommen die vorwiegend in Niederösterreich und Burgenland stehenden Anlagen auf eine installierte Leistung von knapp 1000 Megawatt. Allein in Niederösterreich sind im 1. Halbjahr 2006 nach Angaben von Stefan Moidl von der IG Windkraft _69 neue Anlagen dazugekommen. Obwohl das eben in Kraft getretene neue Ökostromgesetz restriktiver ist und damit weniger attraktiv für Grünstromproduzenten, dürfte noch eine geballte Ladung an Strom aus Wind, Biomasse und anderen alternativen Erzeugungsquellen in den nächsten Monaten und Jahren dazukommen.

Fördermittel gedeckelt

Mit dem neuen Gesetz sind zwar die Fördermittel bei jährlich 17 Millionen Euro gedeckelt worden, und auch die Abnahmeverpflichtung für Ökostrom zu subventionierten Preisen hat man von 13 auf zehn Jahre reduziert. Gleichzeitig ist aber wegen der kräftig gestiegenen Marktpreise bei Strom der Subventionsbedarf gesunken. Mit weniger Geld können nun theoretisch mehr Projekte gefördert werden, insbesondere bei Windkraft. Außerdem gibt es noch viele Projekte im Bereich Biomasse, die zu den alten, besseren Konditionen genehmigt wurden, aber noch nicht aufgestellt sind. Diese müssen bis spätestens Ende 2007 ans Netz, um in den Genuss der alten Förderungen zu kommen.

Bei Biomasse ist die Lücke zwischen Marktpreis (rund 5,5 Cent je kWh) und Einspeisetarif (15 bis 16 Cent) größer als bei Windkraft (7,8 Cent).

Größte Differenz

Am größten ist die Differenz bei Fotovoltaik. Zwischen Marktpreis und Einspeisetarif gibt es dort noch immer einen Unterschied von bis zu 54,5 Cent je kWh. Strom aus kleinen Fotovoltaik-Anlagen ist bisher mit bis zu 60 Cent je kWh vergütet worden. Bei den neuen Einspeisetarifen wird ein Fördersatz von 47 bis 49 Cent je kWh für entsprechende Anlagen überlegt. Veröffentlicht sind die neuen Tarife aber noch nicht.

Fehlende Technologie

Auch hinsichtlich Investitionen kann sich Österreich sehen lassen. In die Windkraft sind in Österreich in den vergangenen drei Jahren knapp eine Mrd. Euro geflossen, bei Kosten von etwa 1000 Euro je kW. Bei Biomasse (3500 Euro je kW) waren es rund 820 Mio. Euro, bei Biogas (4500 Euro je kW) etwa 260 Mio. Euro.

In der Regulierungsbehörde E-Control geht man davon aus, dass der potenziell wichtigste Energielieferant, die Sonne, noch längere Zeit nicht so genutzt werden kann, dass es wirtschaftlich darstellbar wäre. Dazu fehlten derzeit noch geeignete Technologien, sagte der Leiter des Bereichs Ökoenergie in der E-Control, Christian Schönbauer, dem Standard. Es wäre unverantwortlich, so zu tun, als könnten Österreich und andere Länder die Energieversorgung innerhalb von ein paar Jahren vollständig auf erneuerbare Energieträger umstellen. Einer Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts zufolge wird der Stromverbrauch in Österreich von 65.000 GWh 2004 auf etwa 81.000 GWh 2020 steigen, wobei Effizienzsteigerungspotenziale bereits berücksichtigt sind. Zum Vergleich: Mit etwa 500 zusätzlichen Windrädern könnten 2200 GWh Strom pro Jahr erzeugt werden, aus drei Mio. Festmeter Biomasse zusätzlich rund 1500 GWh pro Jahr. 250 neue Biogasanlagen würden etwa 400 GWh Strom pro Jahr bringen.

Prognosen zufolge wird der Energieverbrauch trotz verstärkter Sparanstrengungen weiter kräftig steigen. Wind, Biomasse & Co werden verstärkt zum Strommix beitragen, aber auch ihnen sind Grenzen gesetzt. Fotovoltaik ist von der Marktreife noch am weitesten entfernt. (Günther Strobl, 20.10.2006)

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    Mitte 2006 waren in Österreich schon mehr als 600 Windräder am Netz.

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