Von großen Hörnern und kleinen Hoden

21. Oktober 2006, 19:00
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Bei einer bestimmten Mistkäferart geht ein Evolutionsvorteil zu Lasten eines anderen

Washington DC - Männliche Mistkäfer, die die auffälligsten und größten Stirnhörner haben, verfügen interessanterweise über die kleinsten Hoden. Nach einer nun veröffentlichten Studie geht die Entwicklung eines Vorteils offensichtlich zu Lasten eines anderen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Die männlichen Mistkäfer der Gattung Ontophagus haben zum Teil Hörner, die 40 Prozent der gesamten Körperlänge betragen. Die schillernden Käfer brauchen ihren Schmuck dazu, andere Männchen abzuwehren oder deren Bau zuzuschütten, damit sie nicht an Weibchen herankommen. Offensichtlich endet dieser Wettkampf aber nicht hier, denn weibliche Käfer paaren sich oft mehrmals hintereinander mit verschiedenen Männchen. Letztlich befruchtet allerdings jenes Männchen die Eier, das die größte Spermienkapazität hat. "Das bedeutet, dass neben der Größe des Horns die Hodengröße eine wesentliche Rolle spielt", fasst Studien-Co-Autor Douglas Emlen von der University of Montana in Missoula zusammen.

Untersuchungsdesign

Die Forscher hatten entdeckt, dass ein überdimensionales Horn andere Körperteile wie etwa Augen, Flügel oder Antennengröße schmälert. Die Forscher hatten dazu die Entwicklung der Stirnhörner bei der Spezies Ontophagus nigriventris von der Larve bis zum fertigen Tier untersucht. Dazu wurden bei männlichen Larven einer Brut jene Zellen ausgebrannt, die sich später zu den Hörnern entwickeln sollten. Eine Gruppe von Tieren ohne Veränderung diente als Vergleich. Das Ergebnis war erstaunlich: die hornlosen Männchen entwickelten sich zu Tieren mit massiver Körpergröße und überproportional großen Hoden. Generell konnten die Forscher eine Korrelation zwischen der Horn- und der Hodengröße herstellen.

"Wegen der energetischen Beschränkung kann man eben nicht in jeder Beziehung gleich gut sein", meint der Forscher Scott Pitnick von der Syracuse University im US-Bundesstaat New York, der im Vorjahr eine ähnliche Studie an 300 verschiedenen Fledermaus-Arten durchgeführt hatte. Das Forscherteam um Emlen hatte allerdings die Mistkäfer-Studie bei 25 anderen Ontophagus-Spezies weitergeführt und diese Korrelation bei den anderen nicht mehr feststellen können. Offensichtlich war es nur jene Spezies, die die gewaltigsten Hörner hatt und daraus eine evolutionäre Strategie entwickelte, die zu Lasten anderer Körperteile ging.

Ameisenreich

Wie komplex diese Konkurrenz zwischen den Paarungspartnern ist, erforscht auch die Zoologin Alexandra Schrempf von der Universität Regensburg bei der Ameisenspezies Cardiocondyla obscurior. "Bei diesen Ameisen, die sich nur einmal im Leben paaren, ist der Konkurrenzdruck besonders groß", so Schrempf im pressetext-Interview. "Besonders interessant im Hinblick auf Spermienkonkurrenz sind Arten, die alternative reproduktive Taktiken zeigen." Hier findet man sehr oft sogenannte "sneaker" Männchen, die versuchen, "heimlich" mit Weibchen zu kopulieren, während "Kämpfermännchen" die Weibchen bewachen bzw. um Kopulationen kämpfen. "Sneak-Männchen sind oft kleiner, wohingegen die größeren "guard"-Männchen oft zusätzlich waffenartige Strukturen wie Hörner ausbilden, wie etwa bei den Ontophagus-Arten." Das "sneak-guard-model" von GA Parker sagt voraus, dass "sneaker" Männchen mehr in ein Ejakulat investieren sollten, weil sie ja immer Spermienkonkurrenz erfahren. (pte)

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