Gehälter der Tourismus-Beschäftigen stagnieren

9. November 2006, 17:07
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Durchschnittseinkommen bei 1.427 Euro brutto 2005 - AMS meldet Rückgang bei Arbeitslosen um 9,8 Prozent im September 2006

Wien - Der "Goldene Herbst" hat das touristische Sommer-Ergebnis 2006 aufgefettet und der Tourismusindustrie heuer zufrieden stellende Umsätze beschert. Das Durchschnittseinkommen der im Tourismus- und der Freizeitindustrie Beschäftigten hat sich hingegen von 1.429 Euro im Jahr 2004 auf 1.427 Euro im Vorjahr verschlechtert, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe und Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Unterm Strich würden die Durchschnittslöhne der im Tourismus Beschäftigten bei 800 bis 900 Euro netto liegen, erklärte der Gewerkschafter, was ein Drittel weniger sei als der durchschnittliche Verdienst in anderen Branchen. Nur rund 10 Prozent würden "sehr gut verdienen", die restlichen 90 Prozent seien eher schlecht bezahlt. Negativ auf die Einkommenssituation wirke sich aus, dass in der Tourismus- und Freizeitindustrie mit rund 12 Prozent doppelt so viele Personen Teilzeit- bzw. geringfügig beschäftigt seien als in anderen Berufszweigen.

Zudem sei "das Hotel- und Gastgewerbe nach wie vor eine Branche der Jungen". Das durchschnittliche Alter der Beschäftigten liege bei 33,6 Jahren im Vergleich zu 37,6 Jahren in anderen Sparten. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer lag 2005 bei 205 Tagen.

Neben Strategien zur Anhebung der zu geringen Einkommen der Tourismus-Bediensteten müsse man auch über Modelle nachdenken, um die Jobs in der Hotellerie und im Gastgewerbe wieder attraktiver zu machen. Zu den verbesserten Rahmenbedingungen zählten zum Beispiel gemeinsame Kindergärten für den Nachwuchs der Mitarbeiterinnen und der Gäste. Auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sei im Hinblick auf die demographische Veränderung zu forcieren. Ein besonderes Augenmerk müsse auf der Aus- und Weiterbildung liegen, und der Förderung von Sprachkenntnissen.

Beschäftigungsquote gestiegen

Die Beschäftigungsquote im Tourismus ist im September gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 3,1 Prozent auf 168.129 Personen gestiegen, geht aus den Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Die Arbeitslosenrate hat um 9,8 Prozent gegenüber September 2005 auf 30.695 abgenommen. Nur im Burgenland ist die Arbeitslosenquote um 6,2 Prozent nach oben geklettert, in allen anderen Bundesländern waren weniger Arbeitslose gemeldet.

Bei den ausländischen Beschäftigten verzeichnete man mit September ein Minus von 0,1 Prozent auf 34.976 Personen.

Kritik

Kritik am HGPD-Gewerkschafter kommt vom Generalsekretär der Hoteliervereinigung (ÖHV), Thomas Reisenzahn. Schließlich komme zum Grundgehalt in der Hotellerie oft noch das Angebot von Verpflegung und Unterkunft sowie Trinkgeld als Einkommensquelle hinzu, so Reisenzahn in einer heutigen Aussendung.

Das unter dem Niveau anderer Branchen liegende Durchschnittseinkommen sei auf den geringen Anteil an Akademikern und auf den hohen Anteil an Teilzeitarbeitskräften zurückzuführen. Teilzeitarbeitsplätze seien "interessante und familienfreundliche Beschäftigungschancen - vor allem für Frauen, Studenten und ältere Arbeitnehmer". (APA)

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    foto: standard/newald
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