Ärzte für schadstofffreie Nahrung

20. Oktober 2006, 16:36
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Warum sich gerade Mediziner für eine möglichst schadstoffarme Ernährung einsetzen und wie wichtig dabei die Macht der Konsumenten ist

Die Diskussion ist so alt wie der biologische Landbau selbst: Sind biologisch angebaute Nahrungsmittel tatsächlich gesünder als konventionelle? Studien dazu sagen ja und andere widerlegen diese. Vor ein paar Jahren haben sich nun Mediziner zusammengeschlossen, um als Verein "Ärzte für schadstofffreie Nahrung" zumindest aus medizinischer Sicht ein klares Signal zu setzen.

Ist Bio wirklich besser?

"Von den Rückstandsuntersuchungen her kann man das als Mediziner defintiv sagen," so Karl Zwiauer, Kinderarzt und Präsident der Vereinigung," die AGES hat vor kurzem bekannt gegeben, dass Bioprodukte deutlich weniger Rückstände an Pflanzenschutzmittel haben."

"Schadstofffrei"

Eine Untersuchung von Greepeace im Jahr 2003 hat ergeben, dass ein großer Teil der untersuchten Bio-Produkte im Schadstoffgehalt meist unter 0,01 mg/kg liegt, dem Grenzwert, der für schadstoff-freie Lebensmittel gilt. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass Bio-Produkte zwar mit einem Gütesiegel auf dem Markt angeboten werden, jedoch nicht systematisch auf Rückstände hin untersucht werden.

Die Ärzte für schadstofffreie Nahrung führen selbst keine Untersuchungen oder Studien durch, sehen sich aber als Informationsplattform um das nötige Bewusstsein zum Thema zu schaffen.

Mehrfachbelastungen

Während der Nachweis von Einzelsubstanzen und deren Wirkungen in Tierversuchen leicht nachweisbar seien, wird es bei Mehrfachbelastungen schon wesentlich schwieriger. "Ich glaube, dass momentan die Fülle an Substanzen das Problem ist. Völlig unübersehbar, doch weitgehend unkontrolliert, weil im Grunde genommen so viele Produkte hergestellt werden."

Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da. Auch Umweltorganisationen warnen vor "Pestizidcocktails" oder Untersuchungslücken, da die Industrie immer schneller neue Substanzen entwickle.

Weshalb medizinisch so relevant

Kinder, also Organismen die in der Entwicklung sind, weisen ganz spezifische Besonderheiten auf. Zum Beispiel beim Fettaufbau. "Da gibt es Zeiten wo besonders viele Fette eingelagert werden, nicht nur subkutan, oder intra -abdominell, sondern auch im Nervengewebe", so Zwieauer. Viele Substanzen, wie Lösemittel, Weichmacher oder Pestizide sind aber eben das: fettlöslich. "Deshalb können diese zu gewissen Zeitpunkten der Entwicklung, die Blockierschranke besonders leicht übertreten und machen einen in Entwicklung befindlichen Organismus so sensibel."

Optimaler Schutz

Daher versuche man, so der Kinderarzt weiter, gerade in weichenstellenden Prozessen, wo es möglicherweise Entwicklungsfenster gäbe, Kinder optimal zu schützen. Denn: "Wenn man das einmal versäumt hat, kann man das vielleicht nicht mehr nachholen, weil dann die Entwicklungsfenster geschlossen sind." Auch wenn nicht für jede dieser Substanzen nachteilig bewiesene Wirkungen bestehen.

Blick in die Zukunft

"Das Acrylamid (Anm:krebserregend, in Kartoffelchips oder Pommes Frittes gefunden)ist zum Beispiel blitzartig aufgetaucht, alle haben sich gefürchtet und kein Keks mehr gegessen, darauf wollen wir künftig nicht warten. Wir wollen grundsätzlich eine Stimmung schaffen, die sagt: Möglichst wenig Substanzen sollten in der Nahrung enthalten sein, um eben nicht im Nachhinein irgendwelche Überraschungen zu erleben." Allein mit dieser Einstellung greife man zu Bioprodukten und habe Entwicklungen als Konsument in der Hand. (Andrea Niemann)

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    Im brandenburgischen Manschnow werden jedes Jahr rund 6.000 Tonnen Karotten verarbeitet.

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