Afrikas Sprachenvielfalt

30. Oktober 2006, 12:45
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Wichtigkeit der Muttersprache bei Symposium in Wien diskutiert

Wien - Dass Sprachenvielfalt in der Ausbildung auch ein Problem darstellen kann, ist wohl den wenigsten Europäern bewusst. Mit Hilfe des Symposiums "Afrika - Kontinent der sprachlichen Vielfalt", derzeit am Universitätscampus des Alten AKH in Wien, will Norbert Cyffer vom Institut für Afrikanistik an der Universität Wien das Bewusstsein der Öffentlichkeit auf diese und andere aktuelle Fragen lenken. Das Symposium findet anlässlich des "Jahres der Afrikanischen Sprachen" statt.

Artikulation der eigenen Welt

"Die Muttersprache ist notwendig, um unsere eigene Welt zu artikulieren", so Prince Kum'a Ndumbe III aus Kamerun, der sich in seiner Heimat dafür einsetzt, dass den zahlreichen Sprachen wieder mehr Gewicht gegeben wird. "Wenn sie ins Private zurückgedrängt wird, finden Gedanken nicht mehr Raum." Tatsächlich ist es im postkolonialen Afrika immer noch so, dass die Kinder in den Amtssprachen Englisch, Französisch oder Portugiesisch unterrichtet werden, obwohl sie mit diesen Sprachen nicht aufgewachsen sind. "Wie soll man in einer Sprache grundlegende Dinge des Lebens lernen, wenn man sie nicht ausreichend versteht?", meinte Cyffer bei der Pressekonferenz zur Veranstaltung.

Ndumbe nannte die momentane Situation im Bildungssystem Afrikas gar schizophren: "Menschen in Afrika müssen noch immer mit fremden Konzepten arbeiten", so der Wissenschaftler und Schriftsteller. Das Festhalten an Kolonialsprachen sei für die Bevölkerung auch entwicklungshemmend. In die Tat umsetzen will der Sprachwissenschafter Ben Elugbe aus Nigeria den Versuch, Kindern in Nigeria zumindest in der Volksschule Unterricht in ihrer Muttersprache anzubieten: "Jeder Elternteil versteht, dass er sein Kind in der Sprache erziehen muss, die es am besten versteht. So sollte es auch in der Schule sein."

Politischer Druck

Dies ist jedoch, wie die Praxis zeigt, nicht wirklich leicht. Einerseits gibt es in ganz Afrika 2000 Sprachen, doch auch der politische Druck ist enorm: "Zum Beispiel haben wir angeregt, die Schulbücher nicht weiterhin aus Frankreich zu importieren, sondern unsere eigenen zu produzieren", erzählt Ndumbe, Die Idee wurde zwar anfangs aufgenommen, die Realisierung scheiterte jedoch am politischen und wirtschaftlichen Druck aus Frankreich. So fürchten einige Politiker in Kamerun etwa, dass sie auf Grund solcher "Aktionen" ihres Amtes enthoben werden könnten.

Unterricht in Muttersprache als "Grundrecht"

Elugbe glaubt ganz fest an die Muttersprache, für ihn gilt der Unterricht in einer solchen sogar als menschliches Grundrecht. In den folgenden Tagen soll mit Hilfe von Diskussionen erörtert werden, wie man diese Ziele langfristig umsetzen kann. "Poltiker wollen immer schnellen Erfolg, daher interessieren sie sich dafür nicht", so Elugbe. Dank des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft, Bildung und Kunst habe man dieses Symposium in dieser Größenordnung ermöglichen können, die Teilnehmer hoffen darauf, "von Außen etwas bewirken" zu können. So sollen noch vor Ende des Jahres Möglichkeiten gefunden werden, die Situation in den einzelnen afrikanischen Ländern zu verändern.

Wie Österreich mit der afrikanischen Sprachenvielfalt umgeht, ist nicht Thema der Veranstaltung. Wie Cyffer gegenüber der APA bekräftigte, gebe es zwar nicht ausreichend Übersetzer für Asylgespräche, dennoch ist dieses Problem nicht Teil des Symposiums. Die Veranstaltung setzt sich mit der sprachlichen Situation innerhalb der Grenzen Afrikas auseinander. Am Rande der Tagung haben österreichische Schulkinder jedoch die Möglichkeit, in Workshops in verschiedene afrikanische Sprachen hineinzuschnuppern. (APA)

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