Frauenmund-Pissoir wird abmontiert

26. Oktober 2006, 19:03
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Politikerinnen hatten gegen sexistisches Design protestiert: Betreiber gibt nach - Becken werden versteigert

Wien - Nachdem am Mittwoch zahlreiche Politikerinnen gegen die Pissoir-Muscheln in Form von Frauenmündern protestiert hatten, die in einer Toilettenanlage nahe der Wiener Staatsoper hängen, lenkte am Mittwoch der Betreiber ein. "Wir werden das in den nächsten 14 Tagen abmontieren", so Gerhard Neuhold gegenüber "Radio Wien".

Unaufgeregte Stadtpolitiker

Allerdings zeigte er sich verwundert über die jetzige Aufregung, zumal die Mund-Muscheln von einem Künstler, Rudolf Scheffel, gestaltet seien, der auch für die Neugestaltung der Anlage verantwortlich sein wird.

Außerdem habe man im Vorraum der Toilette Kameras montiert, deren Aufnahmen zeigen würden, dass im Laufe der Jahre nahezu alle männlichen Stadtpolitiker die Anlage benutzt hätten - ohne sich aufzuregen.

Geschäftssinn

Weiters kündigte Neuhold eine Internet-Auktion der umstrittenen Stücke an. Davor würden die seit drei Jahren in Gebrauch befindlichen Pissoirs noch sandgestrahlt. Sollte das Interesse an den Muscheln in Lippenform groß sein, könne man sogar nachproduzieren.

Politischer Strudel

Seit gestern habe er "hunderte E-Mails" erhalten, deren Absender sich zu zwei Dritteln für die ungewöhnliche Pissoirform stark machten. Die Entscheidung, die Muscheln dennoch abzumontieren, sei getroffen worden, um sich den befürchteten Ärger mit den Behörden zu ersparen.

Dabei habe er eigentlich nur etwas Außergewöhnliches gestalten wollen: "Das hat nichts mit Sexismus zu tun", zeigte sich Neuhold überzeugt. Nun sei man aber in einen politischen Strudel geraten.

Freude bei den Grünen und SPÖ

Für die Grüne Frauensprecherin Monika Vana, die die Angelegenheit aus den Tiefen der WC-Örtlichkeit an die Öffentlichkeit gebracht hatte, stellte sich die Ausgestaltung der Herrentoilette als "sexistisch und unangebracht" dar. Sie betonte, dass das Frauenmund-Pissoir eine "Grenzüberschreitung von Kunst zu Sexismus und patricharchalen Machtideen" wäre. Über das Einlenken des Betreibers zeigte sie sich in einer Aussendung erfreut, ebenso wie Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely, die am Mittwoch von einer "widerwärtigen, frauenfeindlichen Geschmacklosigkeit sondergleichen" gesprochen und ebenfalls die Demontage der Pissoir-Muscheln gefordert hatte. Wehsely hofft zudem, dass die öffentliche Diskussion über das Pissoir "letztlich auch zur Sensibilisierung der Männerwelt beigetragen hat, die offensichtlich drei Jahre gebraucht hat, um an diesen Toilettanlagen Anstoß zu nehmen".

Anzeige

Auch die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, schaltete sich am Mittwoch Abend in die Diskussion ein: Sie erstattete sogar Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. (APA/red)

  • Frauenmund-Becken, baba!
    foto: grüne
    Frauenmund-Becken, baba!
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