Szenario mit Zahlenspiel

26. Juli 2007, 13:12
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Influenza-Pandemie: Impfung könnte Todeszahlen halbieren - Wirksamkeit je nach Einsatzart - Expertin: Auf jeden Fall kosteneffizient

Wien - Influenza-Pandemie: In einem solchen Katastrophenfall ist jede wirksame Vorsorge kosteneffizient. Die sofortige Impfung der Bevölkerung mit einer neu entwickelten Pandemie-Vakzine könnte die Zahl der Todesfälle sogar halbieren bis dritteln und die Zahl der Spitalsaufenthalte sowie der Arztbesuche deutlich senken.

Kosteneffizienz

"Die Konsequenzen einer Influenza-Pandemie auf die öffentliche Gesundheit wären unheimlich groß. Alle Impfstrategien dagegen sind kosteneffizient", erklärte bei der Internationalen Influenza-Vakzin-Konferenz in Wien die niederländische Expertin Marjan Meijboon.

Rechnung für Österreich

So sehen die Berechnungen für Österreich über die möglichen Folgen einer neuen "Spanischen Grippe" aus: In diesem Fall wären - ohne entsprechende Gegenmaßnahmen - fast 53 Prozent aller Arztkonsultationen durch die Influenza bedingt. 1,5 Prozent der Erkrankten müssten ins Spital. 0,4 Prozent der Erkrankten würden wahrscheinlich sterben. 30 Prozent Erkrankungsrate würden fast 1,3 Millionen Arztkonsultationen, 36.000 Spitalsaufnahmen und 9.672 Todesfälle bedeuten. Das wären etwa doppelt so viele Opfer wie alljährlich in Österreich der "normalen" Influenza erliegen.

Österreich hat bereits für 23 Prozent der Bevölkerung die Influenza-Medikamente Tamiflu und Zanamivir zur medikamentösen Prophylaxe von Infektionen für strategisch wichtige Bevölkerungsgruppen (Gesundheitspersonal, Exekutive etc.) bis zur Erhältlichkeit eines im Fall des Falles vom Unternehmen Baxter auf Zellkulturbasis neu entwickelten Impfstoffes bestellt. Österreich will zwei Mal acht Millionen Dosen bestellen. Der Vertrag ist fertig ausverhandelt, muss aber noch von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat und Finanzminister Karl-Heinz Grasser unterschrieben werden, hieß es bei der Konferenz.

Grippeszenario

Die niederländische Expertin hat im Auftrag des Pharmakonzerns Novartis die verschiedenen Szenarios rund um die Impfung für Großbritannien mit einer Bevölkerung von 60 Millionen Menschen berechnet. "Tut man nichts, kommt es bei einer Erkrankungsrate von 30 Prozent zu 18,2 Millionen Influenza-Pandemie-Erkrankungen. Es gibt 5,7 Millionen Arztbesuche von Kranken beim Allgemeinmediziner, 318.00 Hospitalisierungen und 301.000 Todesfälle."

"Wait and Run"

Für den Impfstoff wird eine Schutzrate von 60 bis 80 Prozent angenommen. Der Preis wurde mit 15 Pfund berechnet. Wartet man auf die im Krisenfall neu entwickelte Influenza-Vakzine, könnte es so sein, dass man - so Marjan Meijboon - aus Zeit- und Organisationsgründen nur noch 50 Prozent der Bevölkerung mit dem Impfstoff erreicht. Wird schon vor einer Pandemie ein Impfstofflager angelegt oder damit gar vorgeimpft, geht man das Risiko einer allfälligen Unwirksamkeit ein, die Impfrate aber könnte auf 100 Prozent ansteigen. Österreich hat sich für die erste Variante ("Wait and Run") entschieden.

Eine Million pro Woche

Die Impfungen sollen in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen erfolgen. Durch die neue Technik von Baxter soll die Vakzine schon zwölf Wochen nach Isolierung eines Influenza-Pandemie-Virus und dessen Weitergabe an die Produzenten durch die WHO - wenn nicht sogar früher - zur Verfügung stehen. Dann kommt es auf die Logistik zur schnellen Immunisierung der Menschen an." (APA)

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