Pleite-Bankier Schmidt vor Gericht

20. Oktober 2006, 11:05
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Ein deutsches Gericht beschäftigt sich ab heute mit dem Zusammenbruch der traditionsreichen Schmidt-Bank

Hof/Saale - Vor dem Landgericht Hof ist am Donnerstag der Prozess gegen den früheren Bankier Karl Gerhard Schmidt eröffnet worden. Schmidt muss sich wegen Betrugs in 232 Fällen und einem Fall der Untreue verantworten.

Der 71 Jahre alte frühere geschäftsführende Gesellschafter der SchmidtBank hat laut Staatsanwaltschaft zwischen Ende September und November 2001 Aktien seiner Bank im Wert von 2,5 Mio. Euro als sichere Altersvorsorge an Kleinanleger verkauft, obwohl er bereits von der Schieflage seines Unternehmens gewusst habe. Außerdem soll Schmidt einen unsicheren Kredit von über 30 Mio. Euro an eine Beteiligungsgesellschaft der SchmidtBank ausgezahlt haben.

Angeklagter nimmt Stellung

Schmidt kündigte unmittelbar vor Prozessbeginn an, er werde umfassend zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen. Nach Angaben seiner Verteidiger Peter Gauweiler und Dörthe Korn wird dies vermutlich noch an diesem Donnerstag und am Freitag geschehen.

Nach Worten des Staatsanwalts konnte die SchmidtBank bereits seit 1996 die Ausfälle im Kreditgeschäft mit den Erträgen aus der gewöhnlichen Banktätigkeit nicht mehr ausgleichen. Im zweiten Quartal 2001 habe sich erneut ein hoher Wertberichtigungsbedarf abgezeichnet. Spätestens seit dem 27. September 2001 sei die Schieflage der SchmidtBank unüberwindbar gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Trotzdem habe der Bankier seine Mitarbeiter angewiesen, die SchmidtBank-Aktien als wertstabile Anlage zu verkaufen. Er habe seine Anlageberater nicht über die Situation des Kreditinstituts informiert.

Die vier deutschen Großbanken mussten letztlich über eine Milliarde Euro aufbringen, um die SchmidtBank vor der Pleite zu retten. Inzwischen hat die Commerzbank das Filialgeschäft übernommen. Für das Verfahren sind zunächst 56 Verhandlungstage angesetzt. Wegen gesundheitlicher Probleme kann gegen den 71-Jährigen maximal drei Stunden am Tag verhandelt werden. Das Urteil ist für März 2007 geplant. (APA/dpa)

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    foto: standard/christian fischer
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