Bodenschätze

19. Jänner 2007, 12:17
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Sie funkeln und glänzen, verbessern den Boden, erleichtern die Gartenarbeit und halten so gut wie ewig: Eine kleine Bad Ischler Firma produziert in Handarbeit Gartengeräte aus Kupfer

"Orion" als Name für einen Spaten, eine Feldhaue, die "Sirius" heißt, und ein Rechen namens "Perseus"? Johannes Stadler winkt freundlich ab: "Da steckt keine große Geschichte dahinter. Die Sternbilder haben uns am besten gefallen, außerdem gibt es genügend davon, sodass sie uns nicht ausgehen." Mehr als hinter den Namen steckt hinter den Geräten selbst.

Vertrieben werden sie von der kleinen Firma "PKS-Gartengeräte aus Kupfer", die ihren Sitz in einem ehemaligen Bad Ischler Jagdschlösschen hat. Mit wenigen hundert Stück jährlich haben Johannes Stadler und sein Partner Wolfgang Prock vor zehn Jahren begonnen, derzeit stehen sie bei 7000: "Es ist aber nicht unser Ziel, große Märkte zu beliefern. Die Geräte sind darauf ausgelegt, dass man ein Leben lang mit ihnen arbeiten kann, und Teil der Philosophie und Qualitätssicherung ist es, dass sie in Handarbeit entstehen", erklärt Prock.

Der Kunstschmied Franz Höfler ist es, der die Gartengeräte der PKS herstellt. Mit Pullmann-Schirmkappe, kurzem, weißem Vollbart und blauem Arbeitsanzug erinnert Höfler ein wenig an Genosse Lenin. Er nimmt aus einer Schachtel am Boden einen flachen Kupfer-Rohling, aus dem die Feldhaue "Sirius" werden soll. "Kupfer ist ein weiches Metall, das mit dem Hammer kalt geschmiedet wird", erklärt Höfler, zieht sich schalldämpfende Kopfhörer über die Ohren und beginnt, mit sicheren Handgriffen den Rohling unter tonnenschweren Hammerschlägen hin und her zu bewegen. Das Pampampam ist ohrenbetäubend.

Es handelt sich eigentlich um Bronze

Es sei schwierig gewesen, das Material für die Geräte zu entwickeln, erzählt er: "Am Anfang habe ich Eisen verkupfert, aber das ist eine Augenauswischerei." Schließlich fand Höfler die richtige Zusammensetzung. Die Kupferplatten, die er heute produzieren lässt, enthalten sechs bzw. acht Teile Zinn - es handelt sich also eigentlich um Bronze. Ein Werkzeugmacher konstruierte Spezialmaschinen und Schablonen, mit denen die Kupferrohlinge ausgestanzt werden. Gut ein weiteres Dutzend komplexer Arbeitsschritte ist nötig, bis ein PKS-Gerät in den Verkauf gehen kann.

Warum der ganze Aufwand? Warum nicht bei den landläufigen Eisengeräten bleiben? Zur wortlosen Erklärung greift sich Wolfgang Prock eine fertige Feldhaue und sagt: "Probieren Sie!" Die Haue ist federleicht. Prock, Stadler und Höfler grinsen zufrieden. ",Sirius' wiegt nur 900 Gramm." Die zweite Überraschung ist der ergonomische Stiel aus Lindenholz. Er ist nicht rund wie sonst üblich, sondern oval, hat eine Wölbung für bessere Hebelwirkung, verjüngt sich zum Stielende hin und läuft in einen Knauf aus, der ein Abrutschen verhindert. Zudem sind Geräte aus Kupfer - einmal gehärtet - sehr langlebig. Schrammen in den Kanten können ausgeklopft, der Schliff wie bei einer Sense nachgeschärft werden. Sie rosten nicht, sie brechen nicht, Grünspan kriegen sie nur, wenn man sie Essigsäure aussetzt. "Das Einzige, was sie bekommen, ist Patina", sagt Johannes Stadler.

"Kupfer hat außerdem weniger Reibungswiderstand als Eisen. Es ist elastischer, die Kanten schärfer. Dadurch rutscht das Material sehr leicht in die Erde", fügt Wolfgang Prock an und Franz Höfler ergänzt: "Wenn ein Boden sehr kupferarm ist, kann sogar die Ernte ausfallen. Bearbeitet man ihn mit Kupfergeräten, wird er mit der Zeit verbessert." Denn durch den Abrieb, der bei der Arbeit entsteht, gelangen winzige Mengen Kupfer in die Erde.

Pythagoras-Kepler-Schule

Die Idee zu den nützlichen, Boden verbessernden Gartengeräten, erläutert Prock, stamme ursprünglich vom Bad Ischler Erfinder, Naturforscher und Bioenergetiker Viktor Schauberger. In Schauberger-Zirkeln wurden schon in den 50er-Jahren kleine Serien von Kupfergeräten hergestellt: "Ich kenne jemanden, der von damals an bis heute mit denselben Geräten arbeitet." Prock und Stadler gerieten zufällig, nämlich als Mieter, ins Haus der Familie Schauberger. Aus der nachbarschaftlichen Nähe entwickelte sich Interesse und schließlich die Idee zur Firma "PKS-Gartengeräte". "PKS" steht für "Pythagoras-Kepler-Schule", die Ischler Schauberger-Institution, die Seminare zu naturnaher Technik und Energiegewinnung veranstaltet.

Mittlerweile hat die PKS 18 verschiedene Gartengeräte im Repertoire - von kleiner Handkralle und Handschaufel über Rechen, Kantenstecher, Dreizack und Pendelhacke bis zu Spaten, Bodenlockerer und Feldhaue. Vertriebspartner gibt es in einem Dutzend europäischer Länder und den USA. Ein Firmenporträt in der renommierten britischen Zeitschrift Gardens Illustrated brachte vor ein paar Jahren einen ungeheuren Bestellschub aus dem gartenverrückten englischen Raum, wo PKS inzwischen ein Viertel seines Umsatzes macht.

Der boomende Gartenmarkt ist längst auf sie aufmerksam geworden. Wollen sie expandieren, auslagern, in größerem Stil produzieren? Vielleicht, meinen Prock und Stadler vorsichtig, es soll ihnen aber auch noch Zeit bleiben, anderen Beschäftigungen nachzugehen. Es ist offensichtlich, dass hier keiner allzu große Lust verspürt, sich den Beschleunigungsgesetzen von Markt und Erfolg mehr als nötig auszuliefern. Außerdem, so Prock, widerspreche die Vorstellung, dass ihre Gartenwerkzeuge "in einer schicken Accessoire-Boutique in Monaco um den dreifachen Preis verkauft werden" deutlich ihrer Philosophie. (Julia Kospach/Der Standard/Rondo/20/10/2006)

PKS-Gartengeräte aus Kupfer
Tel.: 06132/28377
Kupferspuren
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