"I Dated The Devil" von Antonius Block: Teufel auch!

19. Oktober 2006, 17:00
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Die New Yorker Band um die Wiener Sängerin Tina Schula entdeckt den post-modernen Sperr­müll-Sound der frühen 80er-Jahre wieder

Ritter Antonius Block und sein Knappe kehren Mitte des 14. Jahrhunderts von einem Kreuzzug in ihre schwedische Heimat zurück. Dort erwarten sie allerdings nicht Ruhe und Frieden, sondern religiöser Wahn, Not, Pest und der Tod persönlich. Block kann den Tod überzeugen, ihm eine Gnadenfrist zu gewähren, während Block und der Tod um Blocks Leben Schach spielen. In dieser Zeit darf der Ritter nach Gott und Erlösung suchen. Block erlebt auf seinem Weg zurück nach Hause Gaukler, Hellseher, Büßer, Hexenverbrennungen und Ehebrecher. Er fragt alle, denen er begegnet, nach Gott, doch keiner findet eine befriedigende Antwort. Am Ende, als er bei seiner Burg anlangt, ist die Schachpartie vorbei. Zumindest hat er während dieser Reise nicht nur Elend und Verzweiflung kennen gelernt, sondern auch das Prinzip Hoffnung in der Gestalt eines Ehepaares mit ihrem kleinen Kind gefunden. Soweit so Wikipedia. Die Rede ist von Ingmar Bergmans 1957 entstandenem düsterem Filmklassiker, Das siebente Siegel, mit Max von Sydow in der Rolle des Antonius Block.

Die aus Brooklyn, New York, kommende Band Antonius Block um die Wiener Sängerin Tina Schula liefert auf ihrem Debütalbum, I Dated The Devil, zwar nicht unbedingt einen kongenialen Soundtrack zu den mitunter apokalyptischen und sich an düsteren mittelalterlichen Bildwelten orientierenden Visionen Bergmans. Die Neigung, sich weniger in blühenden Landschaften als in mit existenziellen Trümmern vollgestellten Ruinen zu bewegen, ist allerdings auch bei den rudimentären Songs dieser mittlerweile vom Trio zum Quartett aufgestockten Formation zu bemerken.

Antonius Block bewegen sich mit zurückgenommenem und manchmal hysterisch ausbrechendem Sprechgesang an einer historischen Schnittstelle des guten alten und vom frühen Arto Lindsay und seiner Combo DNA oder der damals blutjungen Sonic Youth von New York aus einst die Welt nicht erobernden kalten und abweisenden, "postmodernen" No Wave-Sounds. Mit splitternden, rein höhenlastigen und nervösen Gitarrenklängen (aus dem Instrument gerungen vom portugiesischen Jorge doCouto-Parreira!) und sperrigen bis vom Sperrmüll kommenden Songfundamenten an der Grenze zum Zusammenbruch geht es bei Antonius Block dann auch hin in jene akustischen Untergangsszenarien, die man so auch von anderen zeitgenössischen New Yorker Combos kennt: Liars, Black Dice oder The Yeah Yeah Yeahs.

Gerade in I Dated The Devil, dem Titelsong, erfährt das Genre - laut Augenzeugen mehr noch live als auf CD - eine beeindruckende Auffrischung: "I was dating the devil/ for way too long./ We spent too much time together/ I broke off his horns./ Now. Crying like a baby/ For Jesus to save me/ Waiting to be reborn."

Tribalistische Urwaldtrommeln treffen auf quäkende und quälende Gitarrenschleifen. Dazu gibt Tina Schula die für das Alternative-Rock-Gewerbe ja auch nie unwillkommene Projektionsfläche des genervten Schulmädchens. Dieses hat zur Sicherheit immer ein Messer hinten im Rock einstecken.

Veröffentlicht wurde dieses beeindruckende Debütalbum auf dem kleinen feinen Wiener Label Trost Records. Dort ist es abgesehen von der Trost-Filiale, dem Plattengeschäft Substance in der Wiener Westbahnstraße, auch derzeit ausschließlich zu beziehen: www.trost.at. Eine kleine Europatournee inklusive einiger handverlesener Österreichtermine ist im Frühjahr 2007 geplant. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2006)

  • Antonius Block
    foto: trost

    Antonius Block

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