Deutliche Spuren der Nouvelle Vague

Redaktion, 11. Dezember 2006, 22:50

Die Verwundbaren erzählt auch von einer Produktionsgeschichte, die im österreichischen Filmmarkt keine Einzelerscheinung war: Der Weg in den regulären Kinobetrieb blieb dem Film versperrt, nur eine andere, verkürzte und neu geschnittene Fassung mit dem spekulativen Titel Engel der Lust hielt Einzug in die Sexkinos Wiens.

 

Tichat kann als einer der wenigen Regisseure Österreichs bezeichnet werden, in dessen Arbeit die Auseinandersetzung mit der filmischen Moderne – im Speziellen mit der Nouvelle Vague – ganz deutliche Züge hinterlassen hat.

Auch in kulturhistorischer Hinsicht ist der Film interessant: Er greift das Thema einer Liebe zwischen zwei Männern auf, zu einem Zeitpunkt, als homosexuelle Handlungen in Österreich unter Strafe standen (bis ins Jahr 1971). Die Verwundbaren ist Tichats einziger Spielfilm geblieben.

(Dietmar Schwärzler, Sylvia Szely im Viennale-Katalog 2006) Die Figuren meines Films sind authentisch – ich habe nur den Konflikt etwas verschärft, weil jede künstlerische Aussage einer Umwandlung der Realität bedarf. Die Verwundbaren stellt eine Auseinandersetzung mit den seelischen Konflikten der Großstadtjugend nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Es sind dies die Konflikte einer Generation, die in jedem Land ähnliche Probleme hat – nur jeweils in einer anderen, der Mentalität dieses Landes entsprechenden Weise.

Darum ist in meinem Film, der in Wien spielt, die Stadt mehr als nur eine Kulisse, in der ein Thema von beklemmender Aktualität abgehandelt wird, sie ist ein Mitwirkender, ein Teil, eine „Ursache“, wenn Sie es so nennen wollen … (Leo Tichat)



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