Horrorszenario: Auswirkungen des Klimawandels

31. Oktober 2006, 10:55
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Forscherin Kromp-Kolb: "Verhindern geht nicht, wir sind mitten drin"

Leogang - Ein Horrorszenario der Auswirkungen des Klimawandels zeichnete die Klimaforscherin Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb am Mittwochnachmittag bei den Österreichischen Sicherheitstagen in Leogang im Pinzgau. Als Folge des Abschmelzens der Polkappen werde der Meeresspiegel ansteigen - um bis zu vier Meter, gehen die Schätzungen. Bei einem Anstieg um lediglich einen Meter würden im Nildelta beispielsweise Städte wie Alexandria und Port Said aufhören zu existieren.

Völkerwanderung

Die Folge: Die Migration wird noch wesentlich zunehmen, wenn die Menschen in betroffenen Gebieten ihre Siedlungen aufgeben müssen, sagte die Forscherin. Es werde zu einer "Völkerwanderung" kommen. Zudem werde der Klimawandel dafür sorgen, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgeht. Der Kampf um Ressourcen wie beispielsweise Wasser wird härter, es wird zu bewaffneten Konflikten kommen. Von Trockenheit werde auch Europa betroffen sein, in manchen Gegenden des Südens herrscht jetzt bereits akuter Wassermangel.

Österreich ist keine Insel der Seligen: Neben einer Zunahme von Extremereignissen wird auch im Alpenraum das Wasser knapper werden, prognostizierte Kromp-Kolb. Ursache ist das Abschmelzen der Gletscher, deren dramatischer Rückgang bereits jetzt zu beobachten sei. Ein völliges Verschwinden des "ewigen Eises" sei durchaus wahrscheinlich. Nach einer vorübergehenden Erhöhung der Wasserspende werde auch im heimischen Gebirge das kühle Nass knapper werden.

Bis zum Jahr 2100 sagte Kromp-Kolb für Österreich einen Temperaturanstieg um vier Grad und mehr voraus. Zudem ist in allen Höhenlagen eine Zunahme der Hitzetage (solche mit mehr als 30 Grad Celsius) auf das Doppelte bis Dreifache zu erwarten. Für die Menschen und die Landwirtschaft bedeutet das heißere und trockenere Sommer sowie Winter mit regional sogar mehr Niederschlägen als derzeit - allerdings in Form von Regen. All das wird auch für den Tourismus massive Auswirkungen haben.

Nicht verhinderbar

Als gäbe es der Schreckensmeldungen nicht genug, hatte Kromp-Kolb eine weitere Hiobsbotschaft parat: "Verhindern des Klimawandels geht nicht, wir sind mitten drin." Allenfalls lassen sich die Auswirkungen mindern. Das würde der Wissenschaftlerin zufolge bedeuten, dass der Temperaturanstieg global einen Wert von zwei Grad nicht übersteigt und pro Dekade nicht mehr als 0,2 Grad beträgt.

Aber: "Die Reaktion der Menschheit steht in keinem Verhältnis zur Bedrohung", konstatierte Kromp-Kolb. Man verweigere sich dem Problem und betreibe durch Wortschöpfungen wie "Wetterkapriolen" Euphemismus, indem man Extremereignisse - deren häufigeres Auftreten statistisch eindeutig mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen ist - als etwas Zufälliges darstellt. Diese Tendenz zur Verweigerung müsse erkannt werden. "Information allein bewirkt keine Veränderung", so Kromp-Kolb. Es gehe vielmehr darum, emotionale Reaktion zu fördern und eine "Kultur des sichtbaren und direkten Engagements zu entwickeln". (APA)

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