Jüdische Schule wird Restaurant

23. Oktober 2006, 11:14
3 Postings

In Hohenems setzte die ÖVP den Verkauf der jüdischen Schule durch - Opposition sieht "Verscherbelung von Geschichte"

Hohenems - Hohenems hat als einzige Vorarlberger Stadt ein jüdisches Viertel. Ein Ensemble, das im ganzen Bodenseeraum einzigartig ist. Beispiellos ist aber auch der Umgang mit diesem architektonischen Erbe, über Sanierung und Revitalisierung wird seit Jahren gestritten.

Jüngstes Ergebnis der Hohenemser Politik ist der Verkauf der früheren jüdischen Schule. Seit Jahren verfällt das 1824 errichtete Gebäude. Vier Stunden debattierte die Hohenemser Stadtvertretung über den Verkauf an den Investor Gerhard Lacha. Die ÖVP-Mehrheit setzte sich durch: Lacha bekommt das Gebäude "für 35.000 Euro geschenkt" (Oppositionspolitiker Bernhard Amann). Für Bürgermeister Richard Amann (VP) ist der Verkauf "das Ende eines Streites". Schließlich hatte Lacha die Stadt geklagt, weil sie einen 2002 beschlossenen Optionsvertrag nicht eingehalten hatte. Der neue Besitzer spricht deshalb auch von einem "Vergleich", in den er selbst 300.000 Euro einbringe. Die Stadt koste der Handel "über 800.000 Euro", kritisiert Amann. "Man hätte die Sache ausprozessieren sollen, das wäre billiger gekommen."

Restaurant

Lacha muss nun das Gebäude innerhalb der nächsten drei Jahre sanieren und acht Jahre eine "Nutzung im öffentlichen Interesse" garantieren. "Zu kurz", sagen die Grünen. Johannes Lusser: "Wir haben beantragt, diese Frist auf 20 Jahre zu verlängern." Schließlich habe die Stadtvertretung vor vier Jahren eine öffentliche Nutzung des Gebäudes beschlossen. Lacha will nun im Erdgeschoß ein Restaurant einrichten, die beiden anderen Geschoße könnten für Bildungs- und Kultureinrichtungen genutzt werden. Die Mikwe, Teil des Ensembles, wird von ihm saniert und an die Stadt vermietet.

"Ein Viertel Stadt", die städtebauliche Studie der Architekten Czech, Märkli und Wiederin, im Juni 2000 als "Handlungsanleitung" präsentiert, sieht die Schule und ihre Nachbargebäude als "Orte für öffentliche und kulturelle Einrichtungen". Der angrenzende "Elkangarten" solle unbebaut bleiben, als "kleines grünes Denkmal mitten in der Stadt" (Architekt Marcel Meili). Lacha will eine Senioren-Residenz und einen 1000-m2-Parkplatz errichten. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 19.10.2006)

Share if you care.