Grab als Nazi-Huldigung

von Redaktion  |  23. Oktober 2006, 17:56
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    Die Grabaufschrift...

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    ...und ihre Überschreibung

Aufschrift auf Grab des "SA-Sturmbannführers" in Graz: "Kampf für Großdeutschland" - Künstler-Intervention und Anzeigen

Graz - Spätestens seit den 80er-Jahren sorgt ein Grabstein am Grazer Zentralfriedhof - unweit der prominent gelegenen letzten Ruhestätte des Rennfahrers Jochen Rindt - immer wieder für Aufregung. Das Grab des Juliputschisten und "SA-Sturmbannführers" Tita Probst, der vier Jahre vor dem Anschluss, 1934, erschossen wurde, trägt noch immer ein Hakenkreuz und die Aufschrift "Er fiel im Kampf für Großdeutschland".

Dabei dürfte das erst 1938 in der Anschlusseuphorie so gestaltete Grab mit seiner Nazi-Huldigung irgendwem auch über 60 Jahre nach der Befreiung Österreichs am Herzen liegen. Denn das Hakenkreuz wurde etwa schon 1988 auf Veranlassung des damaligen Stadtrates und jetzigen Landtagsabgeordneten der KPÖ, Ernest Kaltenegger, überklebt, aber von Unbekannten wieder freigelegt.

Keine Reaktion

Obwohl der Rechtshistoriker und Vizerektor der Uni Graz, Martin Polaschek, dem Standard bereits vor vier Jahren bestätigte, dass hier "eindeutig gegen das Abzeichengesetz und möglicherweise gegen Paragraf drei des Verbotsgesetzes verstoßen wird, wurden weder die Stadt noch Diözese oder Stadtpfarre, die den Friedhof verwaltet, tätig.

Eine Intervention des Münchner Künstlers Wolfram Kastner und seines Kollegen Martin Krenn, die am Mittwoch eine transparente Plexiglastafel vor den Stein stellten, die erklärt, wer Tita Probst war, dürfte jetzt endlich Bewegung in die Sache bringen. Bei der Anbringung der Tafel, der auch die Grünen-Gemeinderätinnen Sigi Binder und Lisa Rücker beiwohnten, trat nämlich eine Familie auf, die ihren Namen nicht nennen wollte, allerdings die Polizei rief und die Künstler wegen Grabschändung anzeigte. Diese Gelegenheit nutzten die Künstler, die ihrerseits Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Abzeichengesetz erstatteten.

Binder bringt am Donnerstag einen Antrag im Gemeinderat ein, der die verantwortlichen Stellen auffordert, gegen die zeitweilige Neonazi-Kultstätte vorzugehen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 19.10.2006)

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Rosa Stahl
20.10.2006 18:12

Und in der Schönbrunnerstraße in Wien ziert noch ein Konterfei des Massenmörders Stalin ein Haus. Wen juckts?

suboptimal
21.10.2006 22:20
Stalin-Gedenktafel:

Gedenktafel: In diesem Haus wohnte im Jänner 1913 J. W. Stalin.
Hier schrieb er das bedeutende Werk "Marxismus und Nationale Frage".
............................
Soviel ich weiß, ist auch das "Hitlerzimmer" im Wiener Volkstheater unter Denkmalschutz gestellt. Das sind eben Orte, die eine historische Bedeutung haben.

Hakenkreuze haben aber heute nirgends mehr etwas verloren, und Großdeutschland gab es 1934 auch noch nicht (auch wenn das die Verwandten des Toten anders sahen).

NickyBilly
19.10.2006 20:11
Bin kein Jurist, aber ist das nicht ...

... Störung der Totenruhe?
... Grabschändigung?

Bitte nur darauf antworten wenn man sich damit auch rechtlich auskennt.

laszlo panaflex
19.10.2006 20:46
dazu

müsste man mal wissen, was sie unter "das" verstehen...

NickyBilly
19.10.2006 23:50
Zuerst Artikel lesen ...

..bevor man postet.

Dann versteht man die Frage auch.

Dorn Finger
19.10.2006 19:08
Dann muss man konsequenterweise

auch das Russendenkmal am Schwarzenbergplatz beseitigen (Symbol des Stalinismus).

Und den Stefansdom (Symbol der Inquisition)

Und sämtliche Bauwerke der Habsbuger (Symbol für autoritäre Unterdrückung)

Und alle römischen Ausgrabungen (Sklaverei)

Und, und, und....

Dann werden alle PC-Leute zufriden sein.

Andererseits finde ich, dass man zur Geschichte stehen muss, im guten wie im schlechten. Aber wegen einem GRAB auf einem Friedhof sollte man nicht so ein Theater machen... Da ist die Kapuzinergruft schon bedenklicher...

Christoph Karl Steininger 
24.10.2006 03:52
Ein Hakenkreuz

gehört weggemeisselt! Punktum!

nick morgenland 
20.10.2006 18:50

zur geschichte zu stehen, was soll das bedeuten? all das hinzunehmen, was an verbrechen geschehen ist? der nationalsozialismus hat millionen menschen das leben zerstört. die ideologie war pervers.

ein hakenkreuz auf einem friedhof zu verteidigen, da gehört schon eine frechheit dazu, nach allem was geschehen ist. so haben sich auch die nationalsozialisten verhalten (bei der "heimkehr ins reich").

die verbrechen der katholischen kirche liegen nicht jahrhunderte zurück, sie reichen bis ins zwanzigste jahrhundert. in kroatien wurden hunderte serbisch-orthodoxe kirchen zerstört und hunderttausende serben umgebracht. dabei hat die katholische kirche freudig zugesehen (oder selbst hand angelegt). primas stepinac wurde 1998 selig gesprochen!

a o
19.10.2006 19:56
welches der von

ihnen genannten zeichen faellt in oesterreich unter das verbotsgesetz?


na also, geht ja.

danke?

Rosa Stahl
20.10.2006 18:14

Braucht man einfach nur ein weiters Verbotsgesetz machen. Leugnung der Inquisition unter Strafe stellen etc.

ein Anti-Habsburger-Gesetz gibt es ohnehin. Angehörige eines ehemals regierenden Hauses dürfen nicht Bundespräsident werden. Das hat vielleicht noch Sinn gemacht beim Sohn des letzten Kaisers, aber was können dessen Ur- und Urur-Enkel dafür. Das ist Sippenhaftung.

homo sapiens
20.10.2006 14:51
Verbotsgesetz wurde von den Siegern gemacht. Und

die Sieger bestimmen die Sichweise der Besiegten, seit den Römern.

James Cole 
19.10.2006 18:50
so traurig das ist

und so anstößig manche reaktion von privater und offizieller auch seien mögen! ich finde der grabstein soll so bleiben!

österreich hat jahrzehnte lang die mitschuldnerschaft am 2 WK und genozid verleugnet, und tapfer seine "erstopfer"-theroie durgezogen. dies ist ein guter beweis das unser land mitten drin war und nicht nur dabei, daher sollte der grabstein als (möglicherweise so gekennzeichnetes) mahnmal ruhig so stehn bleiben...

Avicenna 
19.10.2006 17:58
Die Erhaltung falscher Zeichen sendet falsche Signale

Wenn man Österreich als "Missgeburt" sieht wie manche bekannte Politiker, mag einen die Grabesaufschrift "..für Großdt." nicht stören. Antisemitismus und eine latente Rechtslastigkeit sind hierzulande weit verbreitet, es ist nicht einzusehen, dass immer noch Straßen und Plätze nach Nazis benannt sind und Hakenkreuze irgendwo angebracht sind. Während Aufschriften für die Opfer verhindert werden, der jüd. Friedhof in Wien Währing verfällt, werden Nazis noch gerne geehrt. Geht's noch?! Der ganze braune Mief in diesem Land stinkt mir langsam. Wo fängt es an, wo hört es auf? Entweder man beseitigt die Relikte der Unmenschlichkeit, der Barbarei und der Diktatur oder man verharmlost wiedermal alles augenzwinkernd. Woar ja net so schlimm...

Brombeerchen
20.10.2006 12:54

weißt du eigentlich wovon du redest?

Rosa Stahl
20.10.2006 18:16

tut so als wäre dabei gewesen.
Aber ich stimme zu, alle Relikte horribler Zeiten verbannen. Auch die der Kommunisten, der Stalinisten etc.

Avicenna 
20.10.2006 14:57

Was genau an meinem Kommentar hast du nicht verstanden?

Chien de Pique 
19.10.2006 17:17
Naja, wenn man das Symbol irgendwo tolerieren kann, dann dort, wo die gesamte Ideologie hingehört:

Eben auf dem Friedhof.
Den zensierenden Eingriff in eine letzte Ruhestätte - noch dazu zu einer Zeit, wo die Lebenszeit der letzten Überlebenden unter ihren Opfer, die sich dadurch tatsächlich verletzt fühlen können, sich leider dem Ende zuneigt, empfände ich fast als schlimmer als das Zeichen selbst.
Wenn, dann hätte man wirklich schon 1945 reagieren müssen, nicht jetzt, um tatsächlich bloß noch den Kindern der unbeteiligten Nachgeborenen einen moralischen Kick zu schenken, die sich ja, mangels handfesterer Gegner nun auch schon gegen harmlose Mantelknöpfe wenden müssen.
Für mich sind Friedhöfe - und dies macht teils ihren melancholischen Reiz aus- ohnedies so etwas wie
steinerne Chroniken, Museen toter Werte, Anliegen und Gefühle.

coder24
19.10.2006 17:13
Meine Güte ...

... da regen sich wieder ein paar Berufshysteriker unnötig auf! Unpackbar!

Der Herr war ein Nazi, hat für die Nazis (Großdeutschland) gekämpft und ist als solcher gestorben - genau das sieht man auf dem Grabstein.

Verherrlicht wird da genau gar nichts.

nick morgenland 
20.10.2006 19:24

da es ein verbotsgesetz gibt, ist das zeichen ein besonderes symbol (ein symbol des "wahr ja alles eh nicht so schlimm"). die geschichte wiederholt sich nicht, sagt man. das gilt nur so lange, wie man sich daran erinnert. man sollte sich die methoden anschauen, mit denen die nazis an die macht gekommen sind. bekanntlich ging es ohne absolute mehrheit.

coder24
20.10.2006 19:29
das gilt nur so lange, wie man sich daran erinnert.

Aha - und drum sollte man also jedes Zeichen, dass dies auch ausserhalb von Museen offensichtlich macht, entfernen? warum? Um es dann ev. später leichter abstreiten zu können?

nick morgenland 
20.10.2006 20:27

die gefahr, dass dieses zeichen vergessen wird, ist gleich null.

entsprechend ihrer theorie war es ein fehler die adolf-hitler-plätze umzubenennen.

indirekte hinweise auf den zweiten weltkrieg wird man noch lange auf den friedhöfen (sterbedaten) finden. zum beispiel: gestartet zum letzten flug. das hat dann aber nichts mit einer werbung für das naziregime zu tun (eher das gegenteil).

coder24
21.10.2006 01:59
ICh verweise auf das erste Posting.

Ich kann da keine Spur von "Verherrlichung" erkennen.

nick morgenland 
24.10.2006 12:44

das hakenkreuz ist für den nationalsozialismus ein symbol, das für diese bewegung eine bedeutung hat wie für das christentum das kreuz. es wurde auf allen versammlungen eingesetzt, es gilt auch heute (bei den neonazis) als ein symbol der sammlung.

inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es sich um eine verbrecherische organisation gehandelt hat. schon beim aufstieg wurden gewaltmethoden angewandt und manipulation, politische gegner eingeschüchtert oder umgebracht.

erinnerungen an den nationalsozialismus gibt es genug. nicht alle bauten, die in dieser ära entstanden sind, sind im krieg zerstört oder nach dem krieg abgerissen worden. es gibt sogar verträge, die immer noch gültigkeit besitzen.

werbung auf friedhöfen?
NEIN DANKE!

Alexander Neumaier
19.10.2006 15:04
Witzig, aber die falsche Methode

Schon wieder wird an der falschen Stelle angesetzt.
Das Verbot der Verwendung von NS Zeichen wird hier, das Grab wurde 1938 errichtet, nicht viel bringen.
Der Begrabene kann ja wohl kaum noch haftbar gemacht werden.
Und die Tafel wird rein rechtlich vermutlich sogar als Grabschändung anzusehen sein.
Hätte man die Tafel vor dem Grab aufgestellt, wäre es vermutlich besser gewesen.
Wie so oft, gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.

Helmut Kramer 
19.10.2006 16:18
stammtischjurist..

blödsinn hoch 20

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