Transrapid-Unglück: Ministerium lässt eigene Behörde überprüfen

25. Oktober 2006, 12:33
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Der Genehmigungsstelle wird vorgeworfen, frühere Unfälle schleppend aufgearbeitet zu haben

Hannover - Nach dem Transrapid-Unglück mit 23 Toten lässt der Verkehrsminister des deutschen Bundeslandes Niedersachsen, Walter Hirche (FDP), die Genehmigungsbehörde für die Teststrecke im Emsland auf mögliche Versäumnisse untersuchen. Er habe den Landesrechnungshof mit einer Sonderprüfung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beauftragt, teilte Hirche am Mittwochabend in Hannover mit.

Er warf der Stelle eine "offenbar unzureichende Informationspolitik" und "eine schleppende Aufarbeitung früherer Geschehnisse an der Versuchsanlage" vor. Auslöser für die Untersuchung sind zahlreiche weitere Zwischenfälle an der Transrapid-Versuchsstrecke, die erst am Dienstag in einem Bericht der Landesbehörde bekannt geworden seien. Die Ergebnisse der Überprüfung sollen auch den Landtagsfraktionen vorgelegt werden.

Weitere Vorfälle Die Genehmigungsbehörde habe dem Ministerium erst jetzt weitere neun Vorfälle an der Transrapid-Versuchsstrecke in den vergangenen Jahren gemeldet. Zuvor waren am vergangenen Freitag zwei andere Unfälle mit Wartungswagen auf der Versuchsanlage eingeräumt worden.

Bei den jetzt bekannt gewordenen Vorfällen - auch aus früheren Legislaturperioden - handle es sich unter anderem um einen zwischen Schwebegestell und Wagenkasten befindliches Dichtungsgummi, den der damalige Transrapid 06 während einer Fahrt verlor, berichtete das Verkehrsministerium. Beim Nachfolgemodell TR07 öffnete sich während einer Fahrt eine Außentür im Gang zwischen Fahrerkabine und Fahrgastraum.

Am 22. September war der Transrapid 08 mit Tempo 170 auf einen Werkstattwagen gerast. 23 Menschen kamen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück geht bisher davon aus, dass Versagen der Mitarbeiter in der Leitstelle und auch des Zugführers im Transrapid das Unglück ausgelöst hat. (APA/dpa)

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    Beim Transrapid-Unglück am 22. September kamen 23 Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt

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