ÖGB: GPA droht mit Finanzkeule

27. Oktober 2006, 11:19
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Weniger Geld ans Gewerkschaftsdach, wenn Reformvorstellungen nicht umgesetzt werden

Wien - Die Privatangestelltengewerkschaft (GPA) macht Druck bei der ÖGB-Reform. Sollten ihre Vorstellungen nicht umgesetzt werden, würde man weniger Mitgliedsbeiträge an die Dachorganisation abliefern, erklärten GPA-Chef Wolfgang Katzian und seine Stellvertreterin Dwora Stein bei einem Hintergrundgespräch Mittwochabend. Konkret plädiert die GPA dafür, die Teilgewerkschaften schrittweise aufzulösen und stattdessen den ÖGB als Dachorganisation zu stärken.

Stein listete eine ganze Reihe von vermeintlichen Vorteilen auf, die das Modell ihrer Gewerkschaft brächte. So würden ihrer Ansicht nach mehr Ressourcen beispielsweise für internationales Engagement und Zielgruppenarbeit frei, da parallele Strukturen nicht mehr benötigt würden. Zusätzlich würde sich der Ist-Zustand auflösen, wonach jede Gewerkschaft nur für sich selbst Verantwortung trage, nicht aber für den ÖGB an sich. Und letztlich handle es sich bei den GPA-Vorschlägen auch nicht um ein zentralistisches Modell sondern um eines der Vielfalt, da die jeweilige Betreuung am Arbeitsplatz klar geregelt sei.

Blöckemodell

Das von allen anderen Gewerkschaften forcierte Blöckemodell, das weitere Fusionen von Teilgewerkschaften vorsieht, würde aus Sicht der GPA inhaltlich nichts bringen. Schließlich gebe es ja heute überhaupt keine Fachgewerkschaften mehr, meinte Katzian. Die GPA plädiert daher dafür, dass man sogar einzelne bereits vollzogene Fusionen in einer Übergangsfrist zum neuen Modell wieder rückgängig machen könnte. Als Beispiel hat man dabei die traditionellen Erzfeinde von der Metallergewerkschaft hergenommen, bei denen man den Sektor Nahrung nicht gut aufgehoben wähnt.

Dass das GPA-Modell nicht sofort umsetzbar ist, steht freilich auch für die Spitzen der Privatangestelltengewerkschaft außer Streit. Bis zum übernächsten Bundeskongress 2011 könnte man aber schon eine entsprechende Struktur stehen haben, meinte Stein. Bei der jetzigen Reformdiskussion - die nächste Klausur dazu ist für Ende November in Aussicht genommen - müsse es aber zumindest ein Grundbekenntnis geben, dass die Vision des GPA-Modells - genannt "1ne Gewerkschaft" - perspektivisch vollzogen werde.

Sollte sich diese Meinung allerdings nicht durchsetzen, will auch die GPA gemeinsam mit den Druckern einen starken Block bilden. Dann wäre man auch nicht mehr bereit, Gelder im bisherigen Ausmaß an die Dachorganisation abzuliefern. Derzeit sind das etwa 10,5 Mio. Euro an Mitgliedsbeiträgen, was knapp einem Fünftel der Erträge des Gewerkschaftsbundes aus diesem Posten entspricht. Hier müsste mehr als die Hälfte der abgelieferten Summen künftig eingespart werden, meinte Stein. Der derzeit geltende Finanzrahmen läuft übrigens mit Jahresende aus und muss noch neu verhandelt werden.

Wenig begeistert zeigte sich Katzian angesichts von Berichten, dass bei der Befragung zur ÖGB-Reform die Teilnahme deutlich unter den Erwartungen ausgefallen sein dürfte. Es zeige sich, dass man eine hohe Beteiligung erziele, wenn man nahe am Menschen sei, wie bei der Urabstimmung vor einigen Jahren. Wenn man nicht gar so nahe an den Menschen sei, gebe es eben eine geringere Beteiligung, so der GPA-Chef. Abgegangen sind ihm Fragen mit konkreten Inhalten.

Dass die GPA mit ihren Vorstellungen derzeit auf viel Widerspruch im Gewerkschaftsbund stößt ficht Katzian nicht an. Dies sei Teil einer neuen Kultur in der Gewerkschaft, was er gar nicht negativ sehe.

Noch nicht bestätigt wurde vom GPA-Vorsitzenden, dass er den Posten von Eisenbahnerchef Wilhelm Haberzettl als Stellvertretender Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger übernimmt. Hier gebe es viele Namen, die genannt würden. (APA)

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