Polen sollen deutschen Ausflugsdampfer beschossen haben

19. Oktober 2006, 13:56
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Polnische Zollbeamte von deutscher Polizei verhört - Deutsches Ausflugsschiff "Adler Dania" verweigerte sich Kontrollen

Warschau/Usedom - Wegen eines Streits um Zollkontrollen haben polnische Grenzbeamte in der Ostsee Warnschüsse auf einen deutschen Ausflugsdampfer gefeuert. Die Besatzung der "Adler Dania" habe sich den Kontrollen verweigert, sagte ein Sprecher der polnischen Zollbehörde am Mittwoch in Stettin (Szczecin), Janusz Wilczynski. Durch die Schüsse habe das Schiff daran gehindert werden sollen, nach Deutschland zurückzukehren. Ein Sprecher des deutschen Polizeipräsidiums in Bad Bramstedt bestätigte, dass es am Dienstag einen Vorfall mit der "Adler Dania" gegeben habe und drei Polen in Deutschland von der Polizei befragt worden seien. Zu weiteren Details wollte der Sprecher wegen laufender Ermittlungen nichts sagen.

Laut Wilczynski hatten sich drei in Zivil gekleidete polnische Zöllner auf dem Dampfer aufgehalten und sich zu erkennen gegeben, als das Schiff polnische Gewässer erreichte. Sie hätten kontrollieren wollen, ob die an Bord verkauften Alkoholika und Zigaretten mit polnischen Steuern belegt worden seien. Der Kapitän der "Adler Dania" habe aber die Kontrollen abgelehnt und sich auch geweigert, den nächsten polnischen Hafen anzusteuern.

Warnschüsse

Daraufhin hätten die Zollbeamten die Küstenwache alarmiert, die Warnschüsse abgefeuert habe. Der Kapitän sei trotz der Schüsse in die nahe gelegenen deutschen Hoheitsgewässer zurückgekehrt. Die Zollbeamten seien einige Stunden befragt und dann auf freien Fuß gesetzt worden. Die Neubrandenburger Zeitung "Nordkurier" berichtete in seiner Donnerstagausgabe unter Berufung auf Besatzungsmitglieder der "Adler Dania", die polnischen Sicherheitskräfte hätten vor Swinemünde und Ahlbeck über die "Adler Dania" hinweggeschossen.

Offenbar verdächtigte der polnische Zoll das deutsche Schiff, das EU-weite Verbot des zollfreien Einkaufs zu umgehen. Vor der Aufnahme Polens in die EU war die Reederei Adler Schiffe auf so genannte Butterfahrten nach Polen spezialisiert, auf denen Waren wie Alkohol, Zigaretten oder Parfum verkauft wurden. Seit dem EU-Beitritt Polens 2004 werden auf den Ausflugsfahrten immer noch Alkohol und Zigaretten verkauft, die in Polen deutlich billiger sind als in Deutschland. Der Zwischenfall in der Ostsee könnte die derzeit ohnehin angeschlagenen deutsch-polnischen Beziehungen weiter belasten. (APA)

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