"Sommer 04 an der Schlei": Gegenwind bringt Schieflage

18. Oktober 2006, 18:40
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Kühles Melodram von Regisseur Stefan Krohmer: "Sommer 04 an der Schlei"

Wien - Familienurlaub an der Schlei, weit im Norden Deutschlands, wo das Land flach ist und der Wind bisweilen stark über den See peitscht - das war der Plan für lauter entspannte Tage.

Zwischen den Generationen herrscht in Sommer 04 an der Schlei jedoch schon von Beginn an Reibung: André (Peter Davor) und Miriam (Martina Gedeck), das Elternpaar, gehen verständnisvoll mit den Launen ihres Sohnes Nils (Lucas Kotaranin) um. Ihre aufgeklärt-liberale Einstellung gebietet ihnen Gelassenheit. Auch dann noch, als Livia (Svea Lohde), die Freundin von Nils, es vorzieht, mit einem Fremden zu segeln: Bill (Robert Seeliger) wird für Unruhe sorgen, aber womöglich öffnet er auch nur ein Ventil.

Nichts ist eindeutig im neuen Film des Deutschen Stefan Krohmer - wie schon sein Kinodebüt Sie haben Knut hat er ihn mit dem Autor Daniel Nocke realisiert -, nichts, was festgefügt erscheint, nicht auch veränderbar. Bill, der Eindringling, könnte eine Figur aus einem Thriller sein. Seine Freundlichkeit wird als Aufdringlichkeit (miss-) verstanden. Sein Interesse an der zwölfjährigen Livia könnte perverser Natur sein. Dieser Verdacht versetzt Miriam in Bewegung. In einer Nacht, die wie ein grauer Tag erscheint, stellt sie ihn zur Rede. Der Thriller kommt nicht zustande, weil Krohmer Szenen bevorzugt, die zwischen dramatischen Einschnitten versteckt liegen.

Undurchsichtig

Sommer 04 an der Schlei ist ein Film, der irritiert. Er spannt sein Beziehungsgeflecht wie eine Haut - genau so weit, bis sie feine Risse zeigt. Miriam wird Bill nicht bloßstellen, sondern verführen. Zwischen Livia und ihr kommt es zu einem Konkurrenzverhältnis, das nie explizit gemacht wird. Die Motivationen der Figuren bleiben undurchsichtig, und sie bewahren ihre Façon selbst in den unglaubwürdigsten Momenten. Die Selbstverständlichkeit ihres Daseins steckt in jeder ihrer Gesten, in jedem Wort. Krohmer zeigt sie aber hartnäckig so, dass wir die Anstrengung dahinter sehen. (kam/ DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2006)

Ab Freitag (20.10.) im Kino
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    foto: filmladen
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