"Verrückter Killer" wollte Peter Kraus erschießen

30. Oktober 2006, 13:29
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Musiker berichtet in Autobiografie über versuchtes Attentat in den Achtzigerjahren

München - Rockstar Peter Kraus wäre Ende der 80er Jahre beinahe einem Anschlag zum Opfer gefallen. Beim Verlassen eines Restaurants in Zürich sei plötzlich "ein Typ mit abgewetzter Lederjacke" auf ihn zugesprungen und habe ihm die Pistole in den Bauch gerammt, erzählt der 67-jährige deutsche Rock-'n'-Roller in einer neuen Autobiografie, die er in Interviewform geschrieben hat. "So, Herr Kraus, das war's", habe der Mann gesagt. "Jetzt erschieße ich Sie!"

Aus Western gelernt

In diesem Moment seien ihm die "coolen Leinwandstars" in Westernfilmen in den Sinn gekommen, berichtet Kraus: "Ich stand jedenfalls mit hängenden Armen da - leider ohne Colt am Halfter - und riss im Bruchteil einer Sekunde gleichzeitig beide Arme hoch." Er habe die Hand mit der Pistole zu fassen bekommen und gegen die Garderobe geschlagen, bis der "verrückte Killer" die Waffe fallen ließ, berichtet Kraus in dem Buch. Warum ihn der Mann angegriffen habe, wisse er nicht. Der Mann sei einfach krankhaft aggressiv gewesen. "Wie sich herausstellte, war er der Polizei wegen ähnlicher Überfälle schon bekannt und landete für einige Zeit hinter Gittern."

Das biografische Interviewbuch "Keine Zeit zum alt werden - I love Rock 'n' Roll" entstand innerhalb von nur sechs Wochen aus Gesprächen zwischen Kraus und dem ehemaligen Manager Erich Lejeune. Das Buch erscheint pünktlich zum Start der neuen Tournee des Rockmusikers zum 50. Bühnenjubiläum, bei der Kraus am Freitag (20.10.) in der Stadthalle auch einen Wien-Auftritt absolviert.

Kraus denkt indes auch nach einem halben Jahrhundert nicht daran, die Gitarre an die Wand zu hängen: "Wenn der Zirkus Krone nicht mehr zwei Mal ausverkauft ist, wird es vielleicht Zeit, darüber nachzudenken", meint er. "Ans richtige Aufhören denkt ohnehin keiner von uns Künstlern", fügt er hinzu. "Wahrscheinlich weil wir einfach weniger machen können und dadurch manchmal sogar erfolgreicher werden."

Ganze nacht im Auto

Die Fitness zumindest scheint ihm keine Probleme zu bereiten: Auf die Frage bei der Buchpräsentation, wie er es schaffe, stets so frisch auszusehen, meinte Kraus nur ironisch: "Weil ich die ganze Nacht mit dem Auto herumgefahren bin und erst um zwei im Hotel war."

Kraus sieht sich heute als Wegbereiter des Rock 'n' Roll in Deutschland. Am 18. November 1956 hatte er an der Seite von Hugo Strasser einen überraschend erfolgreichen Kurzauftritt bei einem Jazz-Konzert im Deutschen Museum in München. "Damals startete nicht nur die Karriere des Peter Kraus, sondern auch die des Rock 'n' Roll", sagt der Musiker über sich. "Mal aufmüpfig sein, gegen das Schema F zu revoltieren, das einem aufgedrückt wurde - das startete eigentlich alles in dieser Nacht", erzählt er stolz. "Vorher waren die Bands in Anzug und Krawatte, gebügelt und geschniegelt. Als ich auf die Bühne kam, mit Jeans, offenem Hemd, aufgekrempelten Ärmeln, weißen Socken und Espandrillos, ging der Wirbel eigentlich schon los, bevor ich auch nur ein einziges Lied gesungen hatte." (APA/AP)

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