Wiener Boxpromoter als mutmaßlicher "Drogenkönig" vor Gericht

23. Oktober 2006, 11:16
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"Pedro" soll Wien kiloweise mit Haschisch versorgt haben - Eigenes Magazin angemietet

Wien - Einem bekannten Wiener Boxpromoter, der in der Szene unter dem Spitznamen "Pedro" geläufig ist, wurde am Mittwoch im Straflandesgericht der Prozess gemacht. Staatsanwältin Petra Staribacher sieht in dem 49-Jährigen weniger den Veranstalter von Box-Events und Manager von verheißungsvollen Nachwuchstalenten, sondern den Kopf einer bestens strukturierten Suchtgift-Bande: "Pedro" soll von November 2005 bis Februar 2006 mindestens 80 Kilogramm Haschisch aus Holland nach Wien gebracht haben. Der Prozess wurde vertagt, einen Termin für die nächste Verhandlung gibt es noch nicht. Der Boxveranstalter bleibt bis auf weiteres in U-Haft.

Laut Anklage bestellte der Mann bei mehreren Lieferanten den benötigten Nachschub und organisierte Schmuggelfahrten. Zur Abwicklung seiner Geschäfte soll er gezählte 44 Mal nach Amsterdam geflogen sein, wobei er oft einen ungarischen Box-Präsidenten dabei hatte, gegen den am Landesgericht Eisenstadt ebenfalls ein Suchtgift-Verfahren anhängig ist.

Magazin angemietet

"Pedros" Suchtgiftring verfügte in Wien über ein beachtliches Verteilernetz: Im Rahmen von 30 Hausdurchsuchungen konnten noch 14 Kilogramm Haschisch, 400 Gramm Kokain, mehrere Kilogramm Marihuana sowie Ecstasy und Speed sichergestellt werden. Die Polizei bezifferte den Verkaufswert der beschlagnahmten Drogen mit 280.000 Euro. Der Promoter selbst hatte der Anklageschrift zufolge ein acht Quadratmeter großes Magazin als "Bunker" angemietet.

Der 49-Jährige dürfte vom Suchtgifthandel gelebt haben. Er behauptet zwar, als Angestellter 1.500 Euro im Monat verdient zu haben, doch hat sein vorgeblicher Chef mittlerweile zugegeben, ihn aus rein "versicherungstechnischen Gründen" angemeldet zu haben. In Wahrheit habe "Pedro", der zum Schein als Druckereihelfer angestellt wurde, keinen Lohn kassiert.

"Fleisch" und "Real Madrid"

Berechnungen der Justiz ergaben, dass der 49-Jährige ein teures Leben geführt haben muss: Allein seine monatlichen Fixkosten machten 3.145 Euro aus, da er unter anderem über eine noble Dachgeschosswohnung mit Blick über Wien und einer geräumigen, mit einem luxuriösen Whirlpool ausgestatteten Terrasse sowie über einen teuren Geländewagen vefügt.

Dass "Pedros" Bande auch mit anderen Suchtmitteln handelte, legten Telefonüberwachungen und Observationen der Drogenfahnder nahe. Demnach wurde neben Haschisch, das "Fleisch" oder "Faschiertes" genannt wurde, auch mit "Software" (Marihuana) und "Real Madrid" bzw. "Schneebällen" (Kokain) gedealt. Die Kunden wurden unter Bezeichnungen wie "Honda", "Neffe" oder "Kuckuck" geführt. (APA)

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