Islamischen Gerichte rekrutieren für Krieg gegen Äthiopien

19. Oktober 2006, 21:21
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Eskalation der Gewalt befürchtet

Mogadischu/Nairobi - Hunderte junger Somalis haben sich angeblich als Freiwillige für den Fall eines Krieges gegen Äthiopien gemeldet. "Wir haben junge Männer aufgerufen, sich für den Jihad (Heiligen Krieg) registrieren zu lassen, und bisher haben sich 450 gemeldet", sagte Sheikh Abdulrahman Abdulle am Mittwoch in Beletweyn, einem Ort nahe der äthiopischen Grenze. Die jungen Leute sollen militärisch ausgebildet werden.

"Ich habe beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen"

Die Union der Islamischen Gerichte, die mit Hilfe ihrer Milizen einen großen Teil des Landes kontrolliert, werde die Kämpfer mit Waffen und Fahrzeugen ausstatten, so dass sie ihr Land verteidigen könnten, meinte Sheikh Abdulrahman. "Ich habe beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen", sagte einer der jungen Leute, der 19 Jahre alte Hussein Salad in Beletweyn. "Die äthiopischen Truppen sind nur 25 Kilometer von unserer Stadt entfernt, also habe ich keine andere Wahl als den Jihad", fügte er hinzu.

Interventionsvorwürfe

Der Vorsitzende der Union der Islamischen Gerichte, Sheikh Sharif Sheikh Ahmed, hatte Anfang des Monats zum Krieg gegen das christlich geprägte Äthiopien aufgerufen. Die Islamisten werfen Addis Abeba vor, Soldaten nach Baidoa geschickt zu haben, um die dort residierende somalische Übergangsregierung zu stützen. Augenzeugen haben mehrfach von der Präsenz äthiopischer Truppen in Somalia berichtet. Die äthiopische Regierung hat dies immer zurückgewiesen, aber mit militärischen Aktionen gedroht, sollten die Islamisten gegen die geschwächte Übergangsregierung vorgehen.

Beobachter befürchten eine Eskalation der Gewalt zwischen Islamisten und Regierungstruppen in Somalia, in die Äthiopien eingreifen könnte, um eine islamische Regierung im Nachbarland zu verhindern. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Zahl der somalischen Flüchtlinge in Kenia bis zum Jahresende auf 80.000 steigen könnte. (APA/dpa)

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