Marc Hodler 1918 - 2006

30. März 2007, 22:25
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Schweizer Ex-FIS-Präsident erlag im Alter von 87 Jahren einer "kurzen, aber schweren Krankheit"

Hamburg - Der Weltsport hat eine seiner großen Führungspersönlichkeiten des vergangenen halben Jahrhunderts verloren. Der Schweizer Marc Hodler ist am Mittwoch in Bern im Alter von 87 Jahren gestorben. "Mit Marc Hodler ist einer der ganz Großen der Olympischen Welt gegangen", würdigte der deutsche IOC-Vize-Präsident Thomas Bach das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Hodler, der Ende 1998 den Bestechungsskandal um die Winterspiele in Salt Lake City aufgedeckt hatte, erlag nach Angaben seines Sohnes Beat einer "kurzen, aber schweren Krankheit".

IOC-Präsident Jacques Rogge reagierte erschüttert auf die Nachricht. "Das IOC ist voller Traurigkeit über den Tod eines Mitglieds, das sich so sehr in die Olympische Bewegung eingebracht hat." Im Skisport bleibt der Anwalt, der in der Nähe von Bern lebte, als Langzeit-FIS-Präsident von 1951 bis 1998 in Erinnerung, der sich für die Kommerzialisierung des Sports eingesetzt hat.

Der Aufstieg Hodlers in die Spitze des Weltsports begann 1951 mit der Wahl zum FIS-Präsidenten. 1966 führte Hodler den alpinen Weltcup ein, kooperierte mit der Industrie und schuf damit die Basis für den Ski-Profi. Der Zusammenstoß von neuem und altem Denken führte 1972 zum Eklat, als IOC-Präsident Avery Brundage den Österreicher Karl Schranz wegen unerlaubter Werbung von den Winterspielen in Sapporo ausschloss. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Hodler dem IOC bereits neun Jahre an, galt dort aber, wie Hodler es selber sagte, als "Mann mit schlechtem Ruf".

Das änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme durch Juan Antonio Samaranch. Der Spanier sah in dem Eidgenossen einen Alliierten, und so beförderte er ihn auch: Von 1985 bis 2002 gehörte Hodler dem IOC- Exekutivkomitee an, mit Unterbrechung von nur einem Jahr, er war Vizepräsident von 1993 bis 1997, wurde in diverse Kommissionen berufen, war eine Art olympischer Finanzminister und Samaranchs Chef-Berater für den Wintersport.

Das ungetrübte Verhältnis zu Samaranch endete am 11. Dezember 1998, als Hodler den Skandal um die Winterspiele 2002 in Salt Lake City öffentlich machte und vom IOC-Boss einen Maulkorb verpasst bekam. Der treue Diener Hodler blieb zwar ein prinzipieller Befürworter der Politik von Samaranch. Doch kreidete er ihm an, über die Jahre seine Warnungen überhört zu haben, dass es bei der Vergabe der Spiele nicht nur mit rechten Dingen zugehe.

Seit 2002, vier Jahre nach dem Rückzug von 47-jähriger FIS-Präsidentschaft, war Hodler im IOC ohne Amt. Das sei gut für sein Golf-Handicap, meinte der Schweizer. Ein Rückzug aus dem IOC kam für ihn aber nicht in Frage: Er gehörte zu den wenigen verbliebenen Mitgliedern, die auf Lebenszeit gewählt waren. (APA)

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