Love Parade feierte Premiere

3. Juli 2000, 10:31

Zehntausende tanzten ab

Wien - Dröhnende Technobeats, schräge Kostüme, spärliche Bekleidung, Sonnenschein, ausgelassene Stimmung, Menschenmassen - und keine nennenswerten Zwischenfälle: Die Premiere der ersten Love Parade am Samstag in Wien hat von Besuchern und Einsatzkräften hervorragende Kritiken erhalten. Von Mittag bis beinahe Mitternacht tanzten nach Angaben der Veranstalter an die 200.000 Menschen zwischen dem Praterstern und der UNO-City. Der Polizei zufolge waren es 50.000 Partygäste. "Die Zahlenspiele sind mir egal, Hauptsache, die Leute hatten Spaß", meinte Organisator Gregor Huhsovitz.

Gute Laune dominierte während des gesamten Spektakels, die Exekutive notierte lediglich drei Sachbeschädigungen und eine Körperverletzung - weniger als bei so manchem Zeltfest auf dem Lande. Die Rettung meldete 300 Einsätze, 23 Patienten mussten ins Spital. Hauptsächlich wurden Kreislaufzusammenbrüche behandelt. Es gab ein paar kleine Unfälle und ganz wenige "Alkoholleichen" bzw. Drogenmissbräuche. "Ein rundum friedliches Fest", brachte es ein Polizeibeamter auf den Punkt.

Innenstadt ausgestorben

Die Innenstadt war am Samstag fast ausgestorben, in den Geschäften auf der Mariahilfer Straße konnten die Kunden ohne Schlange stehen einkaufen. Die Action spielte sich rund um die Reichsbrücke ab. 31 Trucks, die sich in zwei Richtungen bewegten, trafen sich dort zum fröhlichen Wettstreit: Wer bietet die bessere Show, lautete die Frage. So tanzten auf den als "Lovemachines" bezeichneten Lkw u.a. Engel und Teufel, "Krankenschwestern" mit riesem Dekollete, gestählte Männerkörper in Leder und Latex, Dominas im Kettenhemd, Falco-Imitatoren und Barbusige.

Die groovende Menschentraube auf der Straße konnte mit diesen Outfits locker mithalten: Bunte Perücken, eigenwillige Frisuren, Bodypaintings, Glitzerpuder, Hotpants mit Federboa, Sonnenblumenmotive, Bikinis, Transparenz und Netzhosen prägten das Bild. Einige Kids hatten die Telefonzellen in den U-Bahnen als Umkleidekabine benutzt, den Push-Up unter dem knappen Topp sollten die Eltern wohl nicht zu Gesicht bekommen. Dabei war bei 27 Grad, nahezu wolkenfreiem Himmel und lediglich einem kaum wahrzunehmendem Lüfterl jede noch so freizügige Bekleidung zu vertreten.

Foto: APA

Getrunken wurde in erster Linie Wasser - das kleine Mineral kostete von saftigen 25 bis zu freundlichen zehn Schilling. Hydranten waren in weiser Voraussicht mit Hähnen ausgestattet worden.

Abkühlung brachten "Schüsse" aus Spritzpistolen sowie kalte Duschen von einigen "Lovemaschines". Auch Schaum sprühte aus Schläuchen, Konfettiregen und Trockeneisnebel durften da nicht fehlen.

Großaufgebot an Einsatzkräften

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften sorgte für die Sicherheit während der lautstarken Kundgebung. Jede Straßenlaterne war nummeriert, um im Ernstfall die genaue Unfallstelle per Funk übermitteln zu können. Gitter sollten Abstürze von der Reichsbrücke verhindern.

Je neun Securitys pro Lkw kümmerten sich darum, dass keine Tänzer von den Brummis überrollt wurden. Nach unzähligen Dienststunden in der Hitze hatten sich uniformierte Helfer dann wahrlich eine Belohnung verdient: Sie ließen sich mit "prallen" Gogos fotografieren.

Die Abschlusskundgebung begann gegen 19.00 Uhr auf der Lasallestraße. DJs heizten noch einmal die Stimmung an, um 22.45 Uhr endete die Show pünktlich. Wer noch nicht genug hatte, konnte zwischen unzähligen Clubbings wählen, die in diversen Clubs angesetzt waren.

Auskehr zum Abschluss

Für die Mitarbeiter der MA 48 begann dagegen die harte Arbeit, bis 1.00 Uhr sollten die Fahrbahnen, Gehsteige und Grünanlagen wieder sauber sein. Mit Kehrmaschinen und Manneskraft wurden Tonnen an herumliegenden Flugzetteln, Dosen und Flaschen zu Leibe gerückt. (APA)

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