Irak-Krieg könnte Bush die Mehrheit kosten

19. Oktober 2006, 17:50
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Drei Wochen vor den US-Kongresswahlen deutet alles auf Erfolg der Demokraten hin

Wien - Im US-Wahlkampf sind drei Wochen eine lange Zeit. Doch nach derzeitigem Stand könnten die Kongresswahlen am 7. November für die Republikaner von Präsident George W. Bush zum Debakel werden. Es sei gut möglich, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen, sagte der US-Experte Thomas H. Neale vom Congressional Research Service am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Das deckt sich mit den meisten Umfragen.

15 Sitze trennen die Demokraten von diesem Erfolg. Auch im Senat könnten sie bald die Nase vorn haben: Vier bis sechs zusätzliche Sitze seien nach jetzigem Stand drin, meinte Neale - sechs würden die Mehrheit bedeuten.

"Externe Faktoren spielen in diesem Wahlkampf eine größere Rolle als sonst", erklärte der Experte. Allen voran der Irak-Krieg: Die andauernde Gewalt und die ständig steigende Zahl getöteter US-Soldaten haben die Unterstützung minimiert. Zweiter großer Faktor: Die Wirtschaftslage. "In der Bevölkerung herrscht immer noch Besorgnis vor", trotz guter Wirtschaftsdaten. "Die Menschen spüren davon nicht sehr viel."

Schwer einzuschätzen sind für Neale die Auswirkungen der Sex-Affäre um den republikanischen Ex-Abgeordneten Mark Foley: Als "schädlich" könne sich der Skandal für die Bush-Getreuen erweisen, falls sich in der Öffentlichkeit die Ansicht durchsetze, dass die Führung der Republikaner dem Treiben Foleys zu lange zugeschaut habe. Spektakuläre Initiativen dürften aber auch mit demokratischer Mehrheit im Kongress nicht zu erwarten sein. Die Aufmerksamkeit werde sich nach den Wahlen rasch vom Parlament abwenden, sagte Neale. Denn das Rennen um die Präsidentschaft 2008 "beginnt am 8. November, glauben Sie mir!" (raa/DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2006)

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