Wiener Arzt als Held Maos

21. Oktober 2006, 12:00
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Jakob Rosenfeld brachte es bis zum General und später zum Gesundheitsminister - Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien

Jakob Rosenfeld kämpfte in Maos Armee, wurde als einziger Ausländer General und Minister und wird heute in China als Nationalheld gefeiert. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien erinnert an die einzigartige Karriere des jüdischen Arztes.

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Wien - "Ich habe schon über viele Persönlichkeiten gearbeitet, aber über keine, die einen so positiven Widerhall hatte wie Jakob Rosenfeld - sei es in China, in Österreich, in Israel oder den USA." Gerd Kaminski, Leiter der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft und des Lud- wig-Boltzmann-Instituts für China- und Südostasienforschung, spricht von jenem jüdischen Arzt, der nach seiner Flucht nach Schanghai in Maos Armee eintrat, es zum Gesundheitsminister brachte und noch heute in China als Nationalheld gefeiert wird.

Davon zeugen Briefmarken, Holzschnitte, Tuschezeichnungen und heroisierende Darstellungen auf Rollbildern, die Rosenfeld neben anderen Größen der Revolutionszeit zeigen. Einige davon sind bis 14. Jänner in der Ausstellung "Jakob Rosenfeld - ein jüdischer General in Maos Armee" im Wiener Museum am Judenplatz zu sehen, die gestern, Freitag, anlässlich des diesjährigen China-Jahres des Außenministeriums eröffnet wurde.

Freilich nimmt sich die Schau sehr bescheiden aus im Vergleich zu jener 800-Quadratmeter-Ausstellung im Historischen Museum von Peking am Platz des Himmlischen Friedens, die Rosenfeld im Jahr 2003 würdigte. Die Exponate aus Kaminskis Sammlung geben dennoch mittels Fotos, Dokumenten und persönlichen Objekten einen bleibenden Eindruck vom außergewöhnlichen Lebensweg des Wiener Arztes, von dem man munkelte, er sei der Leibarzt Mao Tse-tungs gewesen.

1903 in Lemberg geboren, wuchs Rosenfeld in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt auf. 1921 übersiedelt er nach Wien, um Medizin zu studieren. Nach seiner Promotion 1928 absolviert er seinen Turnus im Krankenhaus Rudolf-stifung, wo vor einigen Tagen eine Erinnerungstafel angebracht wurde. Ab 1930 arbeitet Jakob Rosenfeld im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, bevor er vier Jahre später eine Praxis für Urologie und Gynäkologie in der Wiener Innenstadt eröffnet. 1938 wird der Jude verhaftet und nach Dachau, später nach Buchenwald gebracht, wo er illegal Operationen durchführte.

"Rettender Buddha"

1939 wird Rosenfeld entlassen - ob die Versuche seiner Schwester, ihn freizubekommen, darauf Einfluss hatten, kann laut Kaminski nicht bewiesen werden. Da er binnen 14 Tagen das Land verlassen muss, bleibt nur die Flucht nach Schanghai, dem einzigen Ort der Welt, für den kein Visum verlangt wird. Dort behandelt er jüdische Flüchtlinge, entschließt sich aber 1941, berührt von den Leiden der Bevölkerung unter den Japanern, der chinesischen Volksarmee beizutreten.

Als Feldarzt nimmt er bis 1949 am Bürgerkrieg teil, wo er Bauern, Soldaten und hohen Offizieren gleichermaßen das Leben rettet - Verdienste, die ihm nicht nur Beinamen wie "Rettender Buddha" einbringen, sondern auch den Aufstieg zum General und Gesundheitsminister. "Er war der am längsten dienende und ranghöchste Ausländer in Maos Armee", schildert Kaminski Rosenfelds Bedeutung. "Er behandelte fast das ganze Zentralkomitee, nicht aber Mao", klärt der China-Experte die Legende auf.

Als er 1949 nach Österreich zurückkehrt, muss er feststellen, dass seine Familie tot oder ausgewandert ist und kein Verlag sein Tagebuch drucken will. Auch die Rückreise nach China erweist sich als schwierig, deshalb geht Rosenfeld nach Israel, wo er 1952 infolge eines Herzleidens stirbt.

Nicht zuletzt durch Kaminiskis Recherchen, der auch das lange verschollene Manuskript Rosenfelds veröffentlichte, erwachte auch in China wieder das Interesse an Rosenfeld. In Schandong wurde 1992 ein riesiges Denkmal für ihn errichtet und ein Spital nach ihm benannt. In Wien trägt seit Anfang Oktober ein Park in Donaustadt seinen Namen. Im Jüdischen Museum erinnert außerdem die Schau "Exil in Schanghai" bis 12. November an "Little Vienna", eine Kolonie der rund 5000 geflüchteten Wiener Juden. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22. Oktober 2006)

  • Jakob Rosenfeld war zwar nicht Maos Leibarzt, wie es die Legende besagt, wohl aber rettete er tausenden Menschen während des chinesischen Bürgerkriegs das Leben.
    foto: der standard/boltzmann-institut

    Jakob Rosenfeld war zwar nicht Maos Leibarzt, wie es die Legende besagt, wohl aber rettete er tausenden Menschen während des chinesischen Bürgerkriegs das Leben.

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