Telekom Austria will offenbar nur Festnetz in ÖIAG-Neu einbringen

23. Oktober 2006, 11:10
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ÖIAG: Minister müssen entscheiden - Zukunft der Mobilkom wäre dann offen

Die börsenotierte Telekom Austria (TA) will offenbar nur ihre Festnetz-Sparte in eine neue Infrastruktur-Holding einbringen. Dies erfuhr die APA aus Unternehmenskreisen. Die jetzige Staatsholding ÖIAG hält derzeit noch 25,2 Prozent an der Telekom Austria und damit an Festnetz und Mobilkom. Geht es nach Überlegungen im TA-Management, könnte der Staat seine Aufgaben zur Wahrung der Infrastruktur-Versorgung aber womöglich auch nur mit einer Festnetz-Beteiligung erfüllen.

Lebensfähig

Eine eigene Festnetz-Gesellschaft, hieß es, wäre mittlerweile auch getrennt lebensfähig. Was mit den Mobilkom-Anteilen dann geschehen soll, ist noch unklar. Im Management versichert man, dass an einen getrennten Verkauf nicht gedacht sei - was in Bank-Kreisen allerdings bezweifelt wird. "Wenn die Mobilkom einmal zu hundert Prozent in Streubesitz ist, ist sie zur Übergabe freigegeben", meinte ein Banker zur APA. Der Finanzminister, hieß es, würde dabei nicht nur von den milliardenschweren Verkaufserlösen, sondern auch noch von den damit verbundenen Steuereinnahmen profitieren.

Kein Kommentar

Eine Sprecherin der Telekom Austria wollte die Gerüchte am Mittwoch nicht kommentieren. Aus der derzeitigen ÖIAG-Führung gab es dazu zumindest kein explizites Dementi. Eine Sprecherin der Staatsholding erklärte: "Das sind Themen, die Minister zu entscheiden haben. Das Holding-Modell der ÖIAG hat sich bewährt. Zum momentanen Zeitpunkt ist aber noch nicht entschieden, in welcher Form und in welchem Umfang das Modell in Hinkunft fortgeführt wird", so die Stellungnahme.

Diskussion

Über die Schaffung einer neuen Infrastruktur-Holding wird bereits seit Jahren diskutiert. Während sich SPÖ und ÖVP über einen getrennten Verkauf der Mobilkom nach wie vor uneinig sind, gibt es für eine neue Beteiligungsgesellschaft, die der bisherigen Privatisierungsagentur ÖIAG nachfolgen könnte, Unterstützung auf beiden Seiten. Ging es bisher darum Anteile zu verkaufen, soll die Nachfolgegesellschaft die Infrastruktur-Beteiligungen verwalten und dabei die Versorgung des Landes mit Post- und Telekomdienstleistungen ebenso sicherstellen wie die Bereitstellung von Verkehrsangeboten und womöglich auch die Energieversorgung.

Staat aus der Mobilkom drängen

Für die Telekom Austria könnte das nun der Hebel in den ebenfalls schon langjährigen Bemühungen sein, den Staat aus der Mobilkom zu verdrängen. Überlegungen für einen getrennten Verkauf von Festnetz und Mobilfunk gab es schon Ende 2001 und kehrten in regelmäßigen Abständen - zuletzt im November 2005 - wieder. Jetzt dementiert man im Management, dass es darum gehe, die Mobilkom getrennt zu veräußern. Eine Beteiligung des Bundes am Mobilfunknetz sei aber nicht zwingend notwendig, um dem staatlich Versorgungsauftrag zur Gewährleistung der Grundversorgung gerecht zu werden, so die Argumentation.

98,5 prozent

Immerhin liegt die Handynetzabdeckung bei 98,5 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Statistisch haben mittlerweile 103 Prozent der Bevölkerung ein Handy und praktisch telefonieren 8 von 10 Österreichern mobil. Darüber hinaus verpflichtet auch das erst im März dieses Jahres novellierte Telekommunikationsgesetz (TKG) die Telekom weiter nur zur Bereitstellung von Festnetzanschlüssen - und eben nicht zum Mobilfunk-Betrieb.

Trennungen

Auch in anderen Ländern, wie etwa Großbritannien und erst vor Kurzem auch Italien, seien Festnetz und Mobilfunk getrennt. Dass das Festnetz dadurch dem Untergang geweiht sei, glaube man mittlerweile nicht mehr. Das Breitband-Internet (ADSL) berge großes Wachstumspotenzial. Mobilfunk-Dienste für Kombi-Angebote könne man zukaufen. Und für den Aktionär biete das Telekom Austria-Festnetz mit seinem hohen Cash-Flow außerdem eine attraktive Dividende.

Vorarbeiten zur Aufteilung der Telekom in zwei Aktiengesellschaften für Festnetz (Arbeitstitel "Telekom Austria Fixnet") und Mobilfunk (Mobilkom Austria) unter dem Dach einer eigenen Telekom Austria-Holding laufen seit Jahreswechsel. Mitte Juni hat der Aufsichtsrat Grünes Licht für die neue Struktur gegeben. Sie soll jetzt organisatorisch in den nächsten Monaten umgesetzt werden, gesellschaftsrechtlich soll die Hauptversammlung im Mai 2007 rückwirkend per Ende Dezember 2006 die Weichen stellen.

Klarheit

Bis dahin soll auch klar sein, ob die Aktionäre künftig schlicht Holding-Anteile erhalten oder ob auch die Aktien geteilt werden. Sollte die ÖIAG künftig tatsächlich nur noch am Festnetz beteiligt sein, sei eine Lösung "aus eins mach zwei" wohl unvermeidlich, meint man in den Banker-Kreisen. Die Telekom Austria-Aktie hat ungeachtet dessen seit Mitte Juni etwa ein Fünftel an Wert zugelegt. Am Mittwoch notierte die Aktie bei 19,77, ein viertel Prozent über dem Vortag.(APA)

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