USA für Deeskalation

19. Oktober 2006, 15:17
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US-Außenministerin Condoleezza Rice beginnt Goodwill-Tour durch Asien in Japan - Nukleares Wettrüsten befürchtet

Angesichts der Gefahr eines atomaren Wettrüstens in Ostasien haben sich die Vereinigten Staaten am Mittwoch für eine rasche Entschärfung des Konfliktes mit Nordkorea ausgesprochen. Tokio - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat am Mittwoch in Tokio zwar für eine entschlossene Umsetzung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea geworben. Gleichzeitig gab es aber versöhnliche Töne. Rice meinte: "Die Vereinigten Staaten haben kein Bedürfnis, die Krise zu eskalieren."

Rice traf zunächst mit Außenminister Taro Aso zusammen, der den Befürchtungen eines Wettrüstens am Morgen neuen Auftrieb gegeben hatte. Aso sprach sich vor einem Parlamentsausschuss für eine "offene Diskussion" über eine japanische Nuklearoption aus und sagte: "Wenn ein Nachbarland Atomwaffen haben wird, kann man es nicht ablehnen, diese Frage in Erwägung zu ziehen."

Die US-Außenministerin bekräftigte vor diesem Hintergrund die Verteidigungsgarantie für Japan, wo die USA 50.000 Soldaten stationiert haben. Eine ähnliche Erklärung wird auch in Südkorea erwartet, der zweiten Station der Asienreise von Rice.

Die am Samstag verabschiedete UN-Resolution untersagt es allen Mitgliedsländern, Waffensysteme und Güter zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen nach Nordkorea zu liefern. Die Mitgliedstaaten werden auch zu entsprechenden Inspektionen aufgerufen, deren Umsetzung im Detail aber noch unklar ist. Zu Bedenken in Japan, dass sich daraus eine kriegerische Entwicklung ergeben könnte, sagte Rice: "Dies ist keine Blockade oder Quarantäne."

Zu US-Geheimdienstberichten über Hinweise auf Vorbereitungen für einen zweiten Atomtest in Nordkorea sagte der US-Sonderbeauftragte für den Konflikt, Christopher Hill, er habe keine konkreten Informationen darüber. Die südkoreanische Regierung rief den Nachbarn im Norden am Mittwoch zur Zurückhaltung auf. Der stellvertretende Außenminister Lee Kyu Hyung sagte: "Wir fordern Nordkorea auf, die klare und feste Haltung der internationalen Gemeinschaft anzuerkennen." Die Überwachungsbehörde für das Verbotsabkommen von Atomtests (CTBTO) kann indes die Vorbereitung von Atomtests technisch nicht messen. Dies erklärte der Exekutivsekretär der Organisation, Tibor Toth, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wien. Dazu bedürfe es Satelliteneinrichtungen.

Die Konflikte mit Nordkorea und dem Iran sind laut dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die größte Gefahr für den Weltfrieden. Das iranische Atomprogramm und der Atomwaffentest Nordkoreas seien Provokationen, die unter den Nachbarn der Staaten den Wunsch nach eigenen atomaren Waffen wecken könnten, sagte Steinmeier dem "Stern". "Das müssen wir verhindern, und deshalb stehen wir nicht am Ende, sondern am Anfang des Konflikts". Russland hat Nordkorea im Atomstreit zur Vernunft aufgefordert. Moskau hoffe, dass die Regierung in Pjöngjang eine konstruktive Haltung einnehme, hieß am Mittwoch in einer Erklärung des russischen Außenministeriums. (dpa, Reuters, red)

  • Fackelzug in der Nacht auf Mittwoch in Pjöngjang: Nordkorea feierte den „Niedergang des Imperialismus“.
    foto: epa/kcna

    Fackelzug in der Nacht auf Mittwoch in Pjöngjang: Nordkorea feierte den „Niedergang des Imperialismus“.

  • US-Außenministerin Condoleezza Rice und Staatsekretär Christopher Hill (re.) bei ihrer Ankunft auf dem Hanada-Flugplatz in Tokio.
    foto: epa/andy rain

    US-Außenministerin Condoleezza Rice und Staatsekretär Christopher Hill (re.) bei ihrer Ankunft auf dem Hanada-Flugplatz in Tokio.

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