Erneut Kritik an britischem Irak-Einsatz

20. Oktober 2006, 16:01
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Scheidender Kommandant Butler: "Truppenverlegung verzögerte Fortschritte in Afghanistan"

London - Innerhalb weniger Tage hat erneut ein hochrangiger britischer Befehlshaber indirekt die Irak-Politik seiner Regierung kritisiert. Die Verlegung von Truppen in den Irak für die Invasion 2003 habe Fortschritte in Afghanistan verzögert, sagte der scheidende Kommandant der dort stationierten britischen Streitkräfte, Ed Butler, am Dienstag. "Wir könnten seitdem auf der Stelle getreten sein", räumte Butler ein. Großbritannien hatte nach der Entmachtung der radikal-islamischen Taliban Ende 2001 eine internationale Friedenstruppe eingerichtet, 2002 jedoch nahezu alle in Afghanistan stationierten Soldaten wieder abgezogen.

In einem am Freitag veröffentlichten Interview hatte der britische Heereschef General Richard Dannatt in ungewöhnlich deutlichen Worten einen Truppenabzug aus dem Irak gefordert. Dannatt wollte seine Äußerungen jedoch ausdrücklich nicht als Kritik an Premierminister Tony Blair verstanden wissen.

Butler hatte 4500 britische Soldaten angeführt, die derzeit im unruhigen Süden Afghanistans gegen Taliban-Rebellen kämpfen. Das Land erlebt derzeit die schlimmste Gewaltwelle seit der Vertreibung der Taliban von der Macht. Die Provinz Helmand, wo die britischen Soldaten auf erbitterten Widerstand stießen, gilt als Taliban-Hochburg.

Großbritannien hat mehr als 7000 Soldaten im Irak stationiert und ist auch maßgeblich in Afghanistan engagiert. Britische Befehlshaber beklagen, auf Grund der von zwei Langzeit-Einsätzen gerieten die Kapazitäten der britischen Streitkräfte an ihre Grenzen. Die Briten haben andere Nato-Staaten dringend dazu aufgefordert, mehr Soldaten und Flugzeuge für den Einsatz in Afghanistan zur Verfügung zu stellen.

Die Äußerungen der britischen Militärführer könnten politische Folgen haben: Blair ist im Zuge seiner umstrittenen Irak-Politik in Umfragen bereits stark zurückgefallen und hat seinen vorzeitigen Rücktritt als Premier angekündigt. Der Irak ist zudem ein wichtiges Thema bei den Kongresswahlen in den USA im kommenden Monat. US-Präsident George W. Bush und seinen Republikanern droht die Mehrheit in den beiden Kammern an die Demokraten verloren zu gehen, weil die Wähler unzufrieden über den Kurs der Regierung im Irak sind. (APA/Reuters)

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