Earl of Glu rides Super Duke

3. April 2007, 11:23
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Die Herzogin, die von Mattighofen auszog, um die Welt zu erobern - Wie super die Super Duke ist, wollte Guido Gluschitsch wissen

KTM lud zur Pressepräsentation der Super Duke. Bei so was finden sich immer ein paar Journalisten ein und brennen mich her wie einen Schulbuben. So gesehen war es ein Glück, dass ich den Termin nicht wahrnehmen konnte.

Rein pragmatisch betrachtet war es aber ein Desaster. Verstehen S’? Super Duke fahren. Und ich nicht dabei. Hab natürlich sofort den Marketing Manager von KTM, Herrn Wabnegger, angerufen und ins Telefon geflennt.

Er dachte bestimmt: "Wer hat den Nudler eigentlich eingeladen? Na wenn der nur daheim bleibt, dann stell ich ihm eine SD nach Wien.", sagte jedoch: "Das tut uns sooo leid. Aber wir können Ihnen natürlich die Super Duke zum Testen nach Wien liefern." Jipiieeeh. Eh klar. Super Duke fahren, ohne von Schreiberlingen hergebrannt zu werden, die einem lieb auf die Schulter klopfen "Na, Herr Kollege? Hamma abbissen?" und dann laut lachen.

Wenige Tage später stand die Super Duke bei der MA 2412 für Motorräder, in der Werkstatt der 2 Rad Börse "Center". Nein, nix gegen die Börse. Ich stell da mein eigenes Motorrad zum Reparieren hin. Sind ein Wahnsinn die Mädels und Burschen dort. Aber in der Werkstatt "Center" haben sie Beamtentum in Perfektion privatisiert. Deshalb schiebe ich die "do drüben steht’s eh, Schlissel miaßat steckn, Papiere hob i kane gsegn"-Super Duke selbst aus einem Winkel der Werkstatt, in den ich nicht einmal die Frau Lektorin zum Arbeiten schicken würde.

Meine Verwunderung war aber bald wieder vergessen. Na sicher. Ich war ja auf einmal mit der Super Duke unterwegs. So frisch von der Speed Triple runter, dachte ich, wird die Super Duke keinen leichten Stand haben. Von drei auf zwei Zylinder. Von 130 auf 120 PS. Von weiß auf orange. Das erste Gefühl, das ich auf der Triple artikulieren konnte, war: "Pfoah, ist die radikal!" Der erste Gedanke auf der Super Duke: "Noch radikaler. Das gibt’s ja nicht."

Jetzt sind wir es doch gewohnt, dass KTM gerade vom Reitwagen über den grünen Klee gelobt wird. No na, Reitwagen-Chef Andreas Werth ist bei KTM im Beraterstab. Dass die Kanten aber wirklich eine Macht am Weltmarkt Motorrad sind, das muss man selbst erfahren.

Die KTM-Radln sind alle zusammen nix für weichgestreichelte Sonntagsfahrer. Gingerte schon, dass so ein Weichgestreichelter durchaus heil beim Wirten ankommert, aber dann war er die längste Zeit handzahm. Ab da weht sogar daheim ein anderer Wind. Da wird dem Hausdackel in aller Deutlichkeit erklärt, wer den höheren Anspruch auf das Sofa hat.

Sie schaut unendlich scharf aus, die Super Duke – kein Dackelblick. Geniale Linienführung. Fantastische Sitzergonomie. Edler Motor. Scharfe Bremsen. Na gut, letztere machte vorne manchmal komische Geräusche beim harten Anbremsen. Kurz vorm Stillstand des Vorderrades. Nix Arges, aber öönnnk halt.

Ich stellte die Super Duke gemeinsam mit der Speed Triple nach Teesdorf zum ÖAMTC. Das kann natürlich schon was, die Duke dort am griffigen Asphalt fliegen zu lassen. Im Direktvergleich auf dem Parcours hatte die KTM die Nase aber so was von vorne – mindestens Dackelnasenlänge. Glauben S’ gar nicht. Auch wenn vorher schon klar war, dass der Kanten der enge Kurs gelegen kommt.

Die schlanke Kathie lässt sich nämlich so galant durch die Kurven pfeffern, dass man beim Abstellen des Eisens sogar auf die Frage "Willst mich heiraten, du Knilch?" euphorisch "Ja" sagen würde. Also wenn jemand mit der Kanten zum ÖAMTC fährt – Prinzessin daheim lassen. Man ist danach willenlos.

>>>Soooo einen Respekt

Fast hätte ich sogar den Graf Foto mit der Super Duke eine Runde drehen lassen, als mich einer der Instruktoren vom ÖAMTC anredete. War knapp. Wäre ich nicht beim Plaudern auf der KTM sitzen geblieben, wer weiß, was passiert wäre. (Angst, dass er deinen Heiratsantrag angenommen hätte, Prinzessin? Anm. d. Frau Lektorin) Aber selbst, warate Graf Foto auf einer SuperMoto gegen mich und die Super Duke angetreten, ich wäre mit dem Eisen Ringerl um ihn gefahren.

Neben der extrem feinen Kurvenlage – geniales Fahrwerk halt – feuert der V2 aus dem Drehzahlkeller, dass man schon aufpassen muss, nicht nur am Hinterradl ins nächste Eck zu stechen. Auf der Straße ist das nicht so, weil man doch mehr Platz hat, bis zum nächsten Winkel. Da zaubert es einem ein breites Grinsen ins Gesicht, wenn sich das Vorderradl beim Gasgeben grüßend erhebt. Und das haben die Kathie und ich nicht nur einmal gespielt.

Auf der Straße, Stadt genauso wie Überland, ist die Super Duke ein echtes Spaßgerät. Schade, dass die anderen Motorradfahrer schon mit soooo einem Respekt zur KTM schauen. Die verlieren den Biss, wenn sie nur orange sehen. Umso leichter sind sie zu biegen. Kaum Gegenwehr. Aber eh wurscht. Viel Kraut wird gegen die Super Duke sowieso nicht gewachsen sein.

Eine fantastische Zeit verlebten die Super Duke und ich. Wir waren wie in den Flitterwochen. Aber die sind halt irgendwann vorbei. Leider. Also bringe ich die Kanten wieder zur Börse "Center" zurück. Als ich um 13:11 Uhr vor der Werkstatt stehe – verflixt. Ab Oktober machen die Mittagspause. 12:00 bis 14:00 Uhr. Gibt es ja nicht. Aber ha, ich habe Glück. Aus der Werkstatt lachen drei lustige Mitarbeiter raus. Haben eine Hetz mit mir, dem Deppen, der vor der verschlossenen Glastür steht. Mir den Schlüssel abzunehmen, bequemt sich aber niemand. Klar. Siesta.

>>>Fortan korrekter Dackel

Also werfe ich den Schlüssel in den Postkasten neben der Einfahrt und rufe in der Börse "Süd" an. Prompt werde ich dort freundlich bedient. Die arbeiten durch. Geht alles klar mit dem Schlüssel, die Dame werde sich darum kümmern, und ich mach mich vom Acker. (Apropos Dame. Den Sozia-Test machst seit der Speed Triple selber? Oder was? Anm. d. Frau Lektorin)

Am Weg zurück in die Redaktion treffe ich dann, Sie werden’s net glauben, genau, KTM-Chef Pierer. Mit dem hatte ich unlängst beim Moto GP in Brünn das Vergnügen. Die Burschen bleiben dran. Bei den 125ern und 250ern will KTM nächstes Jahr noch größer aufzeigen (die Änderungen im Rennteam sind ja inzwischen wohl bekannt), neue Radln fürs Volk wird es 2007 natürlich auch geben und außerdem ist das KTM-Auto am Werden. Und dann tüftelt KTM noch an einem Enduro- und MotoCross-Park. Aber da ist noch nichts fix.

Fix hingegen ist der KTM-Adventure-Tour Katalog, der auf der Intermot vorgestellt wurde. Enduro-, MotoCross- und Supermoto-Ausfahrten in Österreich, Italien und Brasilien werden darin angeboten. Nach so einem Event schaut einen der Dackel daheim bestimmt nicht mehr schief an. Versprochen! (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Wolf-Dieter "Graf Foto" Grabner, derStandard.at, 18.10.2006)

KTM 990 Super Duke

Preis: EUR 14.198,-

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Motor. Hubraum: 999 ccm. Leistung: 88 kW/120 PS bei 9000 U/min. Max. Drehmoment: 100 Nm bei 7000 U/min. Sechsgang-Getriebe. Antrieb Kette. Federung vorne: WP USD 48 mm, hinten WP Monoshock. Bremsen: Zwei Scheiben vorne, eine hinten. Sitzhöhe: 855 mm. Trockengewicht: 184 kg, Tank 15 l.

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2Rad-Börse

  • "Noch radikaler. Das gibt’s ja nicht." Gluschitsch ist angesichts der Super Duke voll ergriffen.
    foto. wolf-dieter "graf foto" grabner

    "Noch radikaler. Das gibt’s ja nicht." Gluschitsch ist angesichts der Super Duke voll ergriffen.

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