Vom Eisberg die Spitze

18. Oktober 2006, 01:00
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Was in Sachen Treasury vorgeht, ist dem Top-Managament oft nicht bekannt. Ohne Performance-Messung und stringentes Konzept bleiben Wertbeiträge auf der Straße liegen

Wien - "Nein, es gab keine Überraschungen", sagt Thomas Schräder im Gespräch mit derStandard.at. Er verantwortet als Partner bei PricewaterhouseCoopers in Deutschland den Geschäftsbereich Corporate Treasury Solutions. Als solcher hat er bereits 2004 an einer Studie zum Thema "Corporate Treasury in Deutschland" mitgewirkt. Damals hatte man sich dafür interessiert, wie die deutschen Unternehmen mit dem Thema Treasury umgehen. In einer aktuellen Studie tat man dies noch einmal, den Fokus unter dem Titel "European Treasury Survey 2006 - Measuring Value from Treasury" allerdings mit Europa etwas weiter streuend: "Überrascht hat uns nur die Geschwindigkeit, wir haben erwartet, dass hier die Entwicklungen schneller vonstatten gehen."

Wie die Finanzrisiken gesteuert werden und mit welchem Erfolg, bleibt für viele Finanzverantwortliche ein Geheimnis, lautete 2004 der Schluss einer der Studienautoren. "Da liegen immer noch sehr viele Wertbeiträge auf der Straße, die aufgegriffen werden sollten", glaubt Schräder und vermutlich hat er recht, denn die Wertbeiträge, die vom Treasury gefordert werden sollen und können, sind vielschichtig.

Von der Absicherung zum Wertbeitrag

Von kostenoptimalen Prozessen zur Administration und Transaktionsverarbeitung, der Reduzierung von Bankprovisionen bis zum Finanzrisikomanagement, das an definierten Benchmarks und der Risikoeinstellung des Unternehmens ausgerichtet ist, reicht das Spektrum. Klingt komplex und ist es auch. Dementsprechend hätten sich auch die Anforderungen an den Treasurer verändert, so der PWC-Experte: "In der Vergangenheit hat er sich auf die Absicherung von Liquiditäts- und Marktpreisrisiken konzentriert. Heute erwartet man von ihm die Erzielung von Wertbeiträgen, zum Beispiel durch die Verbesserung von Prozessabläufen, Erzielung von Margengewinnen, Erhöhung der Transparenz der Risikosituation."

Dafür ist der Überblick über das gesamte Unternehmen und seine Prozesse notwendig. Sind Treasury-Angelegenheiten in der Buchhaltung oder im Controlling konzentriert, so wird das wohl nur in Teilaspekten der Fall sein. "Manche wissen ganz genau, was sie brauchen. Die kommen zu uns und sagen, nächstes Jahr erwarte ich einen namhaften US-Dollar-Eingang und möchte ihn durch dieses oder jenes Produkt absichern" weiß Alexandra Lauffer-Köpplinger von Investkredit aus der Praxis zu berichten: "Wie genau die Leute Bescheid wissen, hängt auch davon ab, wo das Treasury angesiedelt ist", bestätigt sie die durchaus unterschiedliche Unternehmenspraxis.

Zu wenig stringente Konzepte

Der durch die Studie erhärtete Verdacht der Studienautoren ist, dass es den Unternehmen in Sachen Treasury an ausreichend stringenten Konzepten mangelt. Damals wie heute: "Die Anforderungen der Unternehmen an Treasury-Organisationen sowie die formulierten risikopolitischen Ziele sind unterschiedlich. Allerdings sehen wir in Unternehmen immer noch Fälle, in denen Ziele und Anforderungen nicht bzw. unzureichend definiert werden," moniert der PWC-Mann. Einen weiteren Mangel sieht er in den fehlenden Investitionen, die bis jetzt aufgrund der wirtschaftlichen Lage eher eingespart wurden: "Ohne namhafte Investitionen geht es in diesem Bereich aber nicht. Das Investitionen am Treasury vorbeigingen, liegt aber wohl auch an deren Positionierung im Unternehmen bzw. an der Wahrnehmung durch das Management." Denn um die Wertbeiträge sichtbar zu machen, sind sowohl eine Performance Messung sowie ein entsprechendes Berichtswesen an das Top-Managament unabdingbar.

Vom Eisberg die Spitze

"Das Bewusstsein für das Thema ist gewachsen" meint Alexandra Lauffer-Köpplinger. Auch Thomas Schräder lenkt ein: Es sei es nicht so, dass sich gar nichts verändert habe: "Man kann nicht sagen, dass nichts passiert ist. Es wurde etwa in die Effizienz investiert, zum Beispiel in IT-Systeme. Man sieht auch eine Veränderung. Vom Eisberg ist das aber nur die Spitze." (rb)

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    Haben sich Treasurer in der Vergangenheit auf die Absicherung von Liquiditäts- und Marktpreisrisiken konzentriert, so erwartet man heute die Erzielung von Wertbeiträgen.

  • Treasurers’ Perspektive von den am meisten wertsteigernden Beiträgen.
    grafik: pwc

    Treasurers’ Perspektive von den am meisten wertsteigernden Beiträgen.

  • Ein Blick in die Zukunft.
    grafik: pwc

    Ein Blick in die Zukunft.

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