Prozess gegen Inder: Zeuginnen belasten Polizei

20. Oktober 2006, 15:58
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"Von Vorfall empört" - Richter: "Es hat Sie nicht zu interessieren, was die Polizei macht"

Graz - Die zweite Runde im Prozess gegen einen aus Indien stammenden Computerexperten und wissenschaftlichen Mitarbeiter der Technischen Uni Graz - der Standard berichtete - ging auch am Dienstagvormittag ohne Urteil vorüber. Herr J. hatte Ende Juli dieses Jahres ein nächtliches Zusammentreffen mit zwei Polizeibeamten, bei dem sein Fahrradlicht nicht funktionierte und ein Polizist ihn im Laufe der Amtshandlung mit Pfefferspray verletzte.

Zwei Zeuginnen bestätigten die Aussagen des 29-jährigen, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt angeklagten J., wonach er grundlos mit Pfefferspray zu Boden gebracht und gestoßen wurde. Die Aussagen, der beiden Frauen, belasteten hingegen den männlichen Teil der beiden Beamten schwer: Er sei mit einem "Schlagstock" (wie sich herausstellte eine Stablampe) auf den verängstigt zurückweichenden, viel kleineren Mann losgegangen, während sich J. "auf keinen Fall" irgendwann aggressiv gegenüber dem Polizisten oder der Polizistin verhalten hätte. Die Beamten hatten jedoch angegeben, von J. verletzt worden zu sein.

Stehen geblieben

Die beiden in Frankfurt und Paris lebenden Zeuginnen, waren bei einem Heimatbesuch in Graz zufällig Zeuginnen des Vorfalls geworden, der sie "empörte". Von Richter Karl Buchgraber gefragt, warum man stehen bliebe, wenn man eine Amtshandlung sehe, antwortete die Geschäftsführerin eines Architekturbüros in Paris, sie habe das Gefühl gehabt, bleiben zu müssen, um den englisch redenden Mann zu schützen.

Ein Verhalten, das Richter Karl Buchgraber vom Tisch wischt: "Es hat Sie nicht zu interessieren, was die Polizei macht", rät Buchgraber zur Verblüffung der zahlreich anwesenden Zuhörer wörtlich.

Intendantin des Saals verwiesen

Unter diesen war auch die Intendantin des steirischen herbstes, Veronika Kaup-Hasler, die Buchgraber wenig später darauf hinwies, dass er eine wichtige Aussage der zweiten Zeugin nicht ganz richtig protokolliert hatte: "Das hat sie nicht gesagt", ruft Kaup-Hasler spontan aus - und wird des Saals verwiesen. Der Prozess wurde vertagt.

Mittags wurde der Vorfall dann vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat verhandelt (UVS), wo die Polizeibeamten dem Vorsitzenden Erich Kundegraber Rede und Antwort stehen mussten. Zu Redaktionsschluss zeichnete sich auch hier eine Vertagung ab. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 18.10.2006)

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