Streu Asche auf die Alm

18. Oktober 2006, 11:20
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Tiroler Forscher haben entdeckt, dass Holzasche aus Biomasse-Heizwerken, sofern sie eine bestimmte Qualität aufweist, Almwiesen revitalisiert

Holzasche, die in mehr als tausend Biomasse-Heizwerken in ganz Österreich entsteht, muss nicht länger entsorgt werden. Tiroler Forscher haben entdeckt, dass dieses Abfallprodukt, sofern es eine bestimmte Qualität aufweist, Almwiesen revitalisiert.

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"Kostbares Material" sei Holzasche, steht in alten Gartenbüchern und deshalb ein "feiner Zusatzstoff" für den Kompost. Das alte Wissen um die Wirksamkeit der Holzasche nimmt nun eine junge Wissenschaft auf. Die Mikrobiologen und Recycling-Spezialisten des Innsbrucker Research-Studios BioTreaT wollen die Asche aus Biomasse-Heizkraftwerken zu Dünger veredeln. Mit dem "Projekt Holzasche" würde aus dem Abfallprodukt Asche wieder eine wertvolle Ressource, und die "Prozesskette Holz könnte geschlossen werden", sagt Studio-Leiter Heribert Insam.

Mehr als tausend Biomasse-Heizwerke versorgen österreichische Betriebe und Haushalte mit grüner Wärme, da- bei entstehen rund 60.000 Tonnen Asche pro Jahr. Diese Asche muss für "60 Euro und mehr pro Tonne" (Insam) auf Deponien entsorgt werden, weil sie als Abfall gilt.

Die Tiroler Forscher weisen nun in Versuchsreihen im beliebten Skigebiet Mutterer Alm nach, dass Holzasche, vermengt mit anderen Bio-Reststoffen einen für die Rekultivierung geeigneten Kompost ergibt. Verglichen mit konventionellen Rekultivierungsverfahren durch mineralische und organische Dünger, schnitten, sagt In- sam, die Holzasche-Kompostmischungen besser ab: "Wir sind angetan von den Ergebnissen: Der beste Pflanzenwuchs und damit die beste Bodendeckung wurde mit den Komposten erreicht."

Bodenverbesserung ist nicht nur auf wintersportgeschädigten Pisten möglich, sondern auch auf strapazierten Almwiesen. Die Melioration - oder Bestandsverbesserung - der Almen wird durch intensive oder falsche Beweidung, Mahd oder Überdüngung notwendig. Aber auch durch Extensivierung, die den Wuchs schlecht verwertbarer Gräser und Zwergsträucher fördert. Erste Ergebnisse des kürzlich gestarteten Versuchs mit Aschekomposten sollen schließlich im Sommer 2007 vorliegen.

Mit Qualität

Bei der Holzasche müsse genau auf deren Qualität geachtet werden, sagt Heribert Insam weiter. Brauchbar sei nur die so genannte Rostasche, keineswegs Filterasche. Die Qualität der Asche hänge vom Brennmaterial ab - wird hauptsächlich Rindenmaterial verheizt, weise die Asche höheren Schwermetallgehalt auf. Ebenso die Asche aus Laubhölzern, weil diese "Luftfilter" Schwermetalle in ihren Rinden konzentrieren. Solche Aschen könne man auf Böden, die Mängel an Spurenelementen aufweisen, aufbringen. Doch Asche allein macht noch keinen Dünger. Heribert Insam geht es, wie er betont, um "den optimalen Mix" der Komposte.

Ein nächster Schritt ist daher die Verbesserung des Pflanzenschutzes durch Asche und Mikroorganismen. Eine ausgewogene Mischung aus Kohlenstoff- und Nährstoffträgern, kombiniert mit Ionenfängern, soll ein Mikro-Habitat für nützliche Pilze und Bakterien liefern.

Weniger anfällig

Über Bio-Bodenstimulation könnte man dann die Anfälligkeit gewisser Pflanzen auf bestimmte Krankheiten vermindern. Die Zukunftsvision sind maßgeschneiderte Produkte für Obst-, Wein- und Gemüsebau und für die Forstwirtschaft. In Kooperation mit der steirischen Bundesanstalt für Landwirtschaft Gumpenstein wird die Kombination von Asche und Gärgut aus Biogasanlagen erforscht.

Für die praktische Umsetzung der Forschungsergebnisse fehlen noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Forst- und das Düngemittelgesetz verhindern die Ausbringung. Angepasst müssten auch die Kompostverordnungen werden. Heribert Insam: "Da wäre Nachdenken angebracht." (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 18. Oktober 2006)

  • Biomasse-Asche erneuert Almböden.
    foto: der standard/fischer

    Biomasse-Asche erneuert Almböden.

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