China fliegt hoch, Österreich hält sich gut

12. November 2006, 22:36
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Das Reich der Mitte wird heuer erstmals die USA als größter Warenexporteur der Welt überholen, Europa verliert ebenfalls Marktanteile im globalen Handel

China wird heuer erstmals die USA als größter Warenexporteur der Welt überholen. Die europäischen Industriestaaten verlieren ebenfalls Marktanteile im globalen Handel. Ausnahme: Österreich – dank einer boomenden Außenwirtschaft – hält die Position.

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Wien – China ist heuer auf dem Sprung zum größten globalen Warenexporteur. Erstmals schlägt das Reich der Mitte in dieser Disziplin die USA, deren Weltmarktanteil im grenzüberschreitenden Handel rückläufig ist. Gleich ergeht es den europäischen Industriestaaten. Das Land zwischen Bodensee und Neusiedler See ist dabei eine kleine, aber beachtenswerte Ausnahme: "Österreich hat sich im Gesamtkonzert im Vergleich mit anderen Industrieländern ganz gut geschlagen", sagt BA-CA-Chefökonomin Marianne Kager in einem Gespräch mit Journalisten am Dienstag.

Österreichs Marktanteil im Welthandel liegt seit immerhin zwanzig Jahren konstant bei 1,0 Prozent. Zum Vergleich: China steigerte sich von 1,6 Prozent im Jahr 1986 auf 4,6 Prozent Mitte der 90er-Jahre auf nunmehr 9,4 Prozent heute. Die USA bewegten sich von 11,3 Prozent auf 12,7, um dann auf 8,9 zu fallen. Deutschland: 9,8 Prozent, 9,4 und 8,8 Prozent. Japan: 9,7 Prozent, 9,0 und jetzt nur mehr knapp sechs Prozent.

Südkorea und Mexiko legten signifikant zu

Der Anteil des Euro-Raums insgesamt war auch rückläufig, wenn auch in einem flacheren Verlauf: 27,1 Prozent, 27,0 und 24,5 Prozent. Seit 1986 signifikant gewonnen haben neben China auch die Exportländer Südkorea und Mexiko.

Laut den Ökonomen der BA-CA kamen in Österreich zuletzt "40 Prozent der Erholung seit der Rezession vom Außenhandel". Die Konjunkturindikatoren zeigten zuletzt steiler als erwartet nach oben.

Wie zuvor auch OECD, der Internationale Währungsfonds sowie die heimischen Institute Wifo, IHS und die Nationalbank hat auch die BA-CA ihre Erwartungen für das österreichische Wirtschaftswachstum nach oben geschraubt: Für heuer wird ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,1 Prozent erwartet.

2007 abgeschwächt

Für nächstes Jahr werden hingegen nur 2,0 Prozent prognostiziert. 2007 soll die Konjunktur zwar von einer starken privaten Konsumnachfrage gestützt werden, vonseiten der Weltwirtschaft werde der positive Impuls nicht mehr so stark sein wie in diesem Jahr, ist Chefökonomin Kager überzeugt. "Das geringere Wachstum in den USA, dem EuroRaum und in Osteuropa hat Folgen für Österreich." Laut Kagers Stellvertreter Stefan Bruckbauer seien vor allem zwei Faktoren für die erstarkte Konsumnachfrage verantwortlich: Erstens sei das Verbrauchervertrauen wieder sonniger, daher werde die Sparquote von 8,6 auf 8,4 Prozent des BIP sinken. Weiters sei mit einem inflationsbereinigtem Anstieg der Löhne und Einkommen um zwei Prozent zu rechnen. Die Prognose für den privaten Konsum in Zahlen: plus 2,0 Prozent heuer, plus 2,3 Prozent 2007.

Die Investitionen würden 2007 laut BA-CA mit 2,8 Prozent plus auch nicht mehr in dem Ausmaß konjunkturwirksam sein wie heuer mit bemerkenswerten 5,8 Prozent.

Ebenso wie die Wirtschaftsforscherkollegen zuvor geben auch die BA-CA-Ökonomen dagegen nur zurückhaltende Entwarnung für den Arbeitsmarkt in Österreich. Die Beschäftigung steige weiter an, aber auch das Arbeitskräfteangebot, also bleibe die Joblosenquote relativ hoch: 6,9 Prozent heuer, 6,6 Prozent im kommenden Jahr. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2006)

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