"Wie in Afrika": Täglich 190 HIV-Neuinfektionen in China

17. Oktober 2006, 17:14
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Insgesamt rund 650.000 Chinesen infiziert

Peking - Die Immunschwächekrankheit Aids breitet sich in China rasant aus. Das Land sei, was die Verbreitung der meist tödlichen Krankheit angeht, mittlerweile "wie Afrika", sagte der Vize-Leiter des Büros für Prävention und Krankheitskontrolle des Gesundheitsministeriums, Hao Yang, der Nachrichtenagentur Reuters. Täglich gebe es 190 Neuinfektionen.

Insgesamt seien 650.000 Chinesen infiziert. Die Krankheit betreffe nicht mehr nur Risiko-Gruppen wie Drogenabhängige, Prostituierte und Homosexuelle. In Afrika, das die weltweit größte Zahl von HIV-Erkrankungen aufweist, stecken sich die meisten Betroffenen durch heterosexuellen Sex an.

Generelle Epidemie

Im vergangenen Jahr hätten sich auch 48 Prozent der neuinfizierten Chinesen beim Sex infiziert, sagte Hao. So sei das HIV-Virus bereits bei einem Prozent der schwangeren Frauen nachgewiesen worden. Hao sprach von einer generellen Epidemie.

Um weitere HIV-Infektionen zu vermeiden, müssen mittlerweile in sämtlichen Vergnügungsbetrieben in China Kondome erhältlich sein. Außerdem versuchen die Behörden, Drogenabhängige mit Methadon-Programmen zu unterstützen und von ihrer Sucht zu heilen.

Das Aids-Virus breitete sich bereits in den achtziger und neunziger Jahren in China aus. Damals infizierten sich hunderttausende verarmter Bauern, die an einem Programm zum Verkauf von Blutkonserven teilnahmen. Infolge dessen verloren 75.000 Kinder ihre Eltern - einige der Waisen sind selbst HIV-positiv. (APA/Reuters)

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