Europas Wälder im Lachgas-Teufelskreis

21. Oktober 2006, 19:00
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Studie: Ausstoß von N2O beschleunigt - Das Treibhausgas wirkt 296 Mal stärker als Kohlendioxid auf die Erwärmung

Wien - Langsam aber sicher kommt in Europas Wäldern ein Teufelskreis in Gang. Ein deutsch-dänisch-österreichisches Forschungsteam hat herausgefunden, dass vor allem Laubwälder immer mehr Lachgas (chemisch: N2O) emittieren. Die Ursachen dafür sind verstärkte Stickstoffeinträge und die Klimaerwärmung. Das Teuflische daran: Lachgas ist seinerseits ein extrem starkes Treibhausgas.

Lachgas trägt derzeit zwar nur rund sechs Prozent zum Treibhauseffekt bei, wirkt aber 296 Mal stärker als etwa Kohlendioxid. Die Entstehung ist Teil des Stickstoffumsatzes im Waldboden, heißt es dazu seitens des Forschungszentrums Wald (BFW), das den österreichischen Anteil der Studie übernahm. Stickstoff wird vor allem durch Verkehr, Industrie und Landwirtschaft zunehmend in den Wald getragen und vom Bodenbakterien in Lachgas verwandelt.

Wärme heizt Lachgas-Emissionen an

"Beunruhigend ist, dass die so genannten denitrifizierenden Bakterien am besten in warmen und feuchten Böden arbeiten", erklärte dazu Sophie Zechmeister-Boltenstern vom BFW. Wenn es wärmer und feuchter wird, wie für weite Teile Europas vorhergesagt, dann werden die Lachgas-Emissionen zusätzlich angeheizt.

Es zeigte sich im Rahmen der Studie auch, dass die Lachgas-Emissionen je nach Waldtyp sehr unterschiedlich sind. So waren sie bei Messungen in Laubwäldern deutlich höher als in Nadelwäldern. Ein höherer Laubholzanteil in den Wäldern, wie er heute vielfach angestrebt wird, könnte diesbezüglich also kontraproduktiv sein. (APA)

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    Zunehmende Erwärmung beschleunigt die Entstehung des im Vergleich zum CO2 296 Mal stärkeren Treibhausgases N2O.

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