"Tantalus" hilft bei Adipositas und Diabetes

24. Oktober 2006, 17:02
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Neuartiger Magenstimulator in Wien getestet - Patienten verloren an Gewicht und der Stoffwechsel verbesserte sich

Wien - "Tantalus" heißt ein neuartiger Magenstimulator, der beim Abnehmen weniger Qualen verursachen soll. "Die Idee ist es, das Sättigungsgefühl zeitlich nach vorne zu verlegen", sagte der Chirurg, Gerhard Prager, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. In einer Pilotstudie mit dem Schrittmacher, der 2003 erstmals bei Patienten in der Bundeshauptstadt implantiert wurde, verzeichneten Wiener Mediziner Erfolge in der Behandlung von Typ 2-Diabetes und Adipositas.

Normalerweise tritt 45 Minuten nach der Nahrungsaufnahme ein Sättigungsgefühl ein - verursacht von Kontraktionen des Magens. Mit "Tantalus" soll sich das "satt sein" schon nach fünf bis zehn Minuten einstellen: Der Schrittmacher zieht das Verdauungsorgan - automatisch nach jeder Mahlzeit - über elektrische Stimulation mit Titan-Elektroden frühzeitig zusammen. So werde insgesamt weniger Nahrung aufgenommen, erklärte der Leiter der Chirurgischen Adipositas Ambulanz im AKH Wien.

Durchschnittlich zehn Kilogramm in 20 Wochen

Eine Wiener Studie mit adipösen Typ 2-Diabetikern habe gezeigt, dass die Patienten mit dem Magen-Schrittmacher abnehmen und sich ihr Stoffwechsel verbessert, so der Leiter der Diabetes-Ambulanz am Wiener AKH, Bernhard Ludvik. Nach zehn Wochen Therapie waren die Probanden um durchschnittlich fünf Kilogramm leichter, nach 20 Wochen um zehn Kilo. Möglicherweise steige durch den Magenstimulator auch der Blutzuckerspiegel weniger stark an, meinte Ludvik. Eine Insulintherapie könne verzögert oder gar verhindert werden.

Eingesetzt wird "Tantalus" in einer zweistündigen Operation. Sechs Elektroden mit etwa zwei Zentimetern Länge werden direkt in die Magenwand eingestochen, erklärte der Chirurg Prager. Eine etwa Zigarettenschachtel große "Batterie" wird unter der Haut platziert. Geeignet sei die Methode für adipöse Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 40, die beim Essen kein Sättigungsgefühl verspüren, so Ludvik. "Wenn jemand in fünf Minuten den Kühlschrank leer räumt, wird er aber kein geeigneter Kandidat sein", meinte Prager. In diesem Fall sei der Stimulator zu langsam. Etwa ein Drittel der Studienteilnehmer hatte nicht den gewünschten Erfolg, sagte er.

"Tantalus" dem Bypass und Magenband überlegen

Den Vergleich mit gängigen chirurgischen Methoden wie Magenband oder Bypass bestehe "Tantalus" jedoch: Ein Bypass sei bei der Gewichtsreduktion der Patienten zwar effektiver, erfordere jedoch einen weit größeren chirurgischen Eingriff und sei nur aufwendig wieder rückgängig zu machen, so der Chirurg. Das Band verursache längerfristig bei einem Drittel der Patienten Probleme. Der Stimulator, der von der New Yorker Firma "MetaCure" entwickelt wird, verändere die Anatomie des Verdauungstraktes nicht und habe bisher zu keinen Komplikationen geführt, sagte Prager.

30 Patienten wurde der Magenstimulator in Österreich im Rahmen von Studien eingesetzt. Am "Markt" ist das Gerät noch nicht, auch den Preis hat der Entwickler noch nicht festgelegt. Das Gerät soll "lebenslang" funktionstüchtig sein, so der Chirurg. Die New Yorker Firma arbeite derzeit an einer wieder aufladbaren Batterie, die bisher jährlich in einem ambulanten Eingriff getauscht werden musste. Ob der Stimulator hält, was er in ersten Studien verspricht, solle sich in weiteren, internationalen Untersuchungen zeigen. (APA)

Link
Adipositas Ambulanz - AKH-Wien

Das AKH sucht noch Studienteilnehmer.
Informationen unter 01-40400-6132
oder Silke.Kretschmer@meduniwien.ac.at

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