Geld mit Hebelwirkung

19. Oktober 2006, 00:01
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Die Kontrolle über die Geldströme eines Be­triebs liegt in den Hän­den der Cash Manager: Sie kanalisieren Geldein- und -ausgänge und behalten die Konzernfinanzen im Überblick

Als Basis zur Liquiditätssteuerung eines Unternehmens dient das Girokonto. Wobei je nach Anforderungen des Unternehmens und des Geschäftsfeldes in der Regel mehrere Konten - wenn benötigt in mehreren Währungen - eingerichtet werden. Diese können als Unterkonten zu einem Hauptkonto gruppiert werden und ermöglichen somit eine eigenständige, sachbezogene Verwendungszuweisung für viele Einzelprojekte des Unternehmens.

Eine erste Steuerungsmaßnahme stellt die Disponierung dar. Basis für die Disponierung ist ein habengeführtes Girokonto, welches als "Ausgleichsbehälter" für Überliquidität dient. Dieses Dispokonto verfügt über eine attraktive - über dem normalen Girokonto gelegene - Habenverzinsung und sichert somit dem Unternehmen eine adäquate Verzinsung der Liquiditätsüberschüsse. Die Bank übernimmt bei der Disponierung täglich die Aufgabe für den Kunden, das Girokonto abzuschöpfen und optimiert somit den Zinsertrag. Diese Abschöpfung erfolgt valuta-gerecht im Nachhinein, somit ist diesbezüglich für eine optimale Lösung gesorgt, erklärt Josef Maier, Leiter Corporate Kärnten bei der Hypo Alpe-Adria.

Mittelveranlagung

Bei Überliquidität, die zeitlich bestimmt werden kann, empfiehlt es sich, diese Gelder in Form einer Festgeldeinlage zu veranlagen. Bei dieser Form wird ein bestimmter Geldbetrag für eine vorher festgelegte Zeit zu einem fest vereinbarten Zinssatz veranlagt. Am Ende der Laufzeit erfolgt seitens der Bank eine automatische Rücküberweisung an den Kunden inklusive Zinsen. Geringer Manipulations- und Organisationsaufwand sowie eine ständig marktkonforme Verzinsung sprechen für diese kurz- bis mittelfristige Form der Mittelveranlagung.

Um die im Laufe eines Geschäftsjahres auftretenden Liquiditätsengpässe zu überbrücken, eignet sich nach wie vor ein Betriebsmittelkredit in festgelegter Rahmenhöhe zur Liquiditätssteuerung. Dieser Kredit ist durch marktkonforme Verzinsung sowie unbürokratische Inanspruchnahme während der Laufzeit gekennzeichnet. Weiters werden nur die Zinsen für das tatsächlich in Anspruch genommene Kapital in Rechnung gestellt.

Bei zusätzlichem Liquiditätsbedarf besteht die Möglichkeit über Fixvorlagen (Barvorlagen) unbürokratisch und kalkulierbar die Liquidität zu steuern. Dabei wird dem Unternehmen ein vorher fix definierter Betrag für eine genau vereinbarte Laufzeit zu einem vorher festgelegten Zinssatz zur Verfügung gestellt, so Hypo Alpe-Adria-Experte Maier weiter.

Um die Liquiditätssteuerung innerhalb des Unternehmens zu koordinieren werden die oben genannten Instrumente gemeinschaftlich eingesetzt und in Form von Cashpooling koordiniert.

Pooling

Als eine der Optimierungsmöglichkeiten für den Kunden sieht Sabine Zucker, Direktorin der Abteilung für Cash Management bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB), die Zentralisierung der Liquidität eines Unternehmens. Verfügt ein Betrieb über mehrere Niederlassungen im In- und/oder Ausland, ist dadurch nicht nur der Überblick über die Gesamtliquidität des Unternehmens gewährleistet, sondern mitunter auch eine Geldersparnis: Im Rahmen des effektiven Poolings, auch "Zero Balancing" genannt, werden die Haben-Salden der eingebundenen Sub-Konten (Tochterunternehmen) täglich auf das von dem Kunden definierte Hauptkonto bei der RZB übertragen. Gleichzeitig werden die Soll-Salden auf den eingebundenen Sub-Konten durch das Hauptkonto eingedeckt. Der Vorteil: Die Stände zwischen den Sub-Firmen werden ausgeglichen, das Unternehmen kann das Geld optimal veranlagen. Durch die tägliche Nullstellung der einzelnen Sub-Konten erfolgen weder Zinsgutschriften noch -belastungen.

Das Konzept erfreut sich starker Nachfrage, vor allem bei zentralisierten Konzernen, die über Niederlassungen im Ausland verfügen: Durch die Zusammenführung der Liquidität können in der Folge Devisengeschäfte, Fremdwährungsswaps usw. abgeschlossen werden.

Eine weitere Strategie zur Zins-Optimierung stellt das Notional Pooling (Fiktives Pooling oder Zinskompensation) dar: Im Unterschied zum effektiven Pooling finden hier keine physischen Saldenüberträge auf ein Hauptkonto statt, vielmehr werden die valutarischen Salden der eingebundenen Konten täglich rein rechnerisch zusammengeführt. Damit wird auf einem internen Verrechnungskonto ein Nettosaldo des gesamten Konzerns ermittelt, auf welchem ein vereinbarter Zinssatz zur Anwendung kommt. Das Produkt ist besonders für - häufig dezentralisierte - Unternehmen interessant, die mit einem Tochterbetrieb im Minus, mit dem anderen im Plus stehen, und damit Haben- und Sollzinsen ausgleichen können. Auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Vorteil für die Bank. "Wir wollen Firmen die Möglichkeit bieten, ihre Liquidität zu verbessern. Grundlage ist natürlich ein gewisses Maß an Vertrauen und die Aussicht, in anderen Bereichen ein Geschäft zu machen", so Zucker.

Internationale Präsenz

Auch nach Ansicht der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) erfordert die internationale Präsenz von Konzernen immer rascheres Handeln und somit auch effizientere Verwaltung liquider Mittel auf globaler Basis. Das Europa-Produkt Margen Pooling ist eine Sonderform des Notional Poolings, die sich durch grenz-, währungs- und bankenübergreifende Einsetzbarkeit auszeichnet und ebenfalls zur Verbesserung des Zinsertrages dient, wann immer effektives Pooling aufgrund landesspezifischer oder gesellschaftsrechtlicher Hindernisse oder in Folge bestehender Transferrestriktionen nicht zulässig ist, so die Abteilungsleiterin für Internationales Cash Management, Eva Schwarz.

Charakteristisch ist ein so genannter "Bonus", den die Pooling?Teilnehmer am Ende der Abrechnungsperiode zum Standard-Zinsabschluss erhalten. Der Bonus orientiert sich an der Höhe der Soll- und Habensalden, die auf den teilnehmenden Girokonten zur selben Zeit vorhanden sind. Da beim Margen Pooling keine physischen Saldenüberträge stattfinden und daher auch kein Währungsrisiko entsteht, können in einen Pooling-Kreis mehrere Länder sowie Konten unterschiedlicher Währung eingebunden werden. Margen Pooling bietet sich speziell für Unternehmen mit dezentralem Treasury oder Cash Management an.

Für Handelsgeschäfte mit ausländischen Partnern kann auch die Verwendung von Akkreditiven oder Dokumenteninkassi die Liquiditätssituation eines Unternehmens verbessern, da bei diesen Instrumentarien die Zahlung meist erst erfolgen muss, wenn der Käufer über die Ware bereits verfügen kann.

Sämtliche Maßnahmen einer professionellen Liquiditätssteuerung beinhalten weiters die Hereinnahme der Fremdwährungskomponente. Alle damit in Zusammenhang stehende Produkte sind Teil einer Liquiditätssteuerungsstrategie. Maier: "Diese Instrumente werden weiterhin mit allen Möglichkeiten der Zinssicherung durch Derivate (Swaps, ForwardRateAgreements, Caps, Collars, Floors, Swaptions, Cross-Currency-Swaps) und sämtlicher Steuerungsmaßnahmen für Fremdwährungen komplettiert." (Sigrid Schamall)

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    Liquidität, oder "ausreichende Flüssigkeit" bedeutet, dass ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachkommt, wofür der Cash Manager die Zahlungsströme dokumentiert und plant.

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